Gutes Geld für die Welt

  Ein Rück- und Ausblick von Thomas Reichert, Oikocredit Förderkreis Bayern-Mitglied und erlassjahr.de-Bündnisrat

Am 24.11.2018 startete in Leipzig die Veranstaltungsreihe von erlassjahr.de und den Oikocredit Förderkreisen in Bayern, Hessen-Pfalz und Mitteldeutschland. Die Idee dahinter: Herausforderungen und Lösungsansätze der Finanzierung nachhaltiger Entwicklung ganzheitlich zu betrachten. Und damit auch diejenigen ansprechen, die sich bisher weder für Schuldenkrisen noch für eine ethische Geldanlage interessieren.

Herzstück war eine Podiumsdiskussion, an der in wechselnder Zusammensetzung Jürgen Kaiser von erlassjahr.de, Matthias Lehnert von Oikocredit Deutschland, Jerry Kwo und Ging Ledesma von Oikocredit International, Uwe Kekeritz von Bündnis 90/Die Grünen, Elke Baumann vom Bundesministerium der Finanzen sowie die erlassjahr.de-Schuldenbotschafter Fanwell Bokosi (AFRODAD), Gina dos Reis (Grupo Moçambicano da Dívida) und Julius Kapwepwe (Uganda Debt Network) teilnahmen.

In den Diskussionen von Leipzig, Frankfurt (4.12.), Augsburg (8.12.) und Fürth (9.12.) wurde deutlich, wie Renditeerwartungen und Rohstoffkonsum des Globalen Nordens die neuen Schuldenkrisen der Länder Afrikas anheizen. Die Teilnehmer waren sich einig, dass Kredite grundsätzlich „gutes Geld“ sind, wenn sie verantwortungsvoll eingesetzt eine nachhaltige Entwicklung des Kreditnehmers unterstützen. Oikocredit vereinbart auf mikroökonomischer Ebene mit den Partnern im Globalen Süden soziale und ökologische Standards und bei Kreditausfällen wird gemeinsam nach einer Lösung gesucht. Auf makroökonomischer Ebene scheinen dies kaum erreichbare Ziele zu sein, wenn sich Staaten des Globalen Südens bei öffentlichen oder privaten Investoren aus dem Globalen Norden verschulden. Selbst wenn private Investitionen mit staatlichen Bürgschaften abgesichert werden, sind wirtschaftliche Interessen wichtiger als Transparenz und die Einhaltung von Standards. Es fehlt der politische Wille, der nachhaltigen Entwicklung Vorrang einzuräumen. Ohne Druck aus der deutschen, europäischen und afrikanischen Zivilgesellschaft wird sich an dieser Einstellung auch nichts ändern.

Gespräche an den Ständen und in den Workshops von erlassjahr.de, Oikocredit und der beteiligten Partner, nach den Filmvorführungen und bei den Mitmachaktionen zeigten, dass Jürgen Kaisers Fazit in Fürth bei vielen angekommen ist: „Jede/r, die/der sich nicht mit der aktuellen Situation abfinden will, hat vielfältige Möglichkeiten sich zu engagieren – politisch z.B. bei erlassjahr.de, durchs Einkaufen z.B. bei unseren 1-Welt-Partnern und durch seine Geldanlage, z.B. bei Oikocredit – man muss es einfach tun“.

Einen kleinen Eindruck von der Vielfalt des „Kontinents der Chancen“ bekamen die Besucher bei afrikanischen Köstlichkeiten und einer original äthiopischen Kaffeezeremonie, Musikdarbietungen und einer Modenschau.

Und wie geht es weiter mit „Gutes Geld für die Welt“?

Ihr seid eine interessierte Kirchengemeinde, 1‑Welt-/Frauen-/Männer-/Hochschul-/Seminar-/Jugend- oder politische Gruppe von 20 Teilnehmern oder mehr und wollt euch einen Abend lang mit der Finanzierung nachhaltiger Entwicklung auseinandersetzen? Dann bringen erlassjahr.de und Oikocredit (zunächst der Förderkreis Bayern, andere Förderkreise werden bei Bedarf angefragt) „Gutes Geld für die Welt“ zu euch – mit Mitmachaktionen, Infos, Diskussionen … Meldet euch dazu in der erlassjahr.de-Geschäftsstelle.