Den Tod erfolgreich exportiert

Jürgen Kaiser, erlassjahr.de
10. Dezember 2009

Im August 2009 erschien in einer abgelegenen Schriftenreihe der Weltbank eine ziemlich technische Untersuchung von Jed Friedman und Norbert Schady, in der die beiden Autoren auf der Grundlage von historischen Erfahrungen vorhersagten, wie viele Kinder allein in Folge der Weltfinanzkrise zusätzlich sterben werden: 30.000 bis 50.000 Menschen unter fünf Jahren allein in Sub-Sahara-Afrika hätten vermeidbare Krankheiten und Mangelernährung überlebt, wenn nicht die von den USA ausgehende Weltfinanzkrise ihre Lebensumstände noch weiter verschlechtert hätte (weiter zur Studie).
Die Studie erregte erstaunlich wenig Aufsehen in der Fachwelt. Wie alle solchen “Was-wäre-wenn”-Szenarien lässt sich über genaue Ergebnisse streiten; daher auch das vergleichsweise unpräzise Ergebnis. Dass die Studie im Ansatz wissenschaftlich sauber argumentiert, wurde nirgendwo bestritten. Es ist davon auszugehen, dass der von ihr prognostizierte stille Tod sich in diesem Moment so abspielt wie vorhergesagt, Die meisten Eltern werden zwar wissen, dass der Tod ihres Kindes damit zusammenhängt, dass der örtliche Gesundheitsposten plötzlich keine Medikamente mehr hatte. Dass aber dies mit den Staatsfinanzen, diese mit den zusammengebrochenen Rohstoffpreisen, diese mit der globalen Nachfrage nach den exportierten Produkten, und diese wiederum mit dem Abschwung in den USA und Europa zu tun haben, werden die meisten in ihrem Leben nicht erfahren.
Es ist aber so, und die Weltbank kann einem den Zusammenhang vorrechnen. Wenn sie will.
Es gab eine Zeit, da sprangen Wall-Street-Banker, wenn sie sich verzockt hatten, aus den Fenstern ihrer Wolkenkratzer. Das ist, wie wir im Sommer 2008 sehen (bzw. eben nicht sehen konnten) seit der Weltwirschaftskrise 1929 aus der Mode gekommen.
Warum sollen sie auch springen? Den Tod haben sie elegant exportiert.

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