Ecuador-Tagebuch: Freitag 15.2. Kleinarbeit

Jürgen Kaiser, erlassjahr.de
18. Februar 2008

 

Die meisten Unterkommissionen haben Schwierigkeiten, ihre Zwischenberichte rechtzeitig fertig zu stellen. Am Montag soll der Zwischenbericht an den Vorsitzenden der Kommission, Minister Patiño, gehen. (Bislang hat Ricardo Patiño uns noch nicht mit seiner Anwesenheit beehrt). Deswegen werden die Sitzungen nun sehr lang, und wer immer befürchtet haben könnte, der erlassjahr-Koordinator geniesse womöglich die wunderbare Umgebung und die Altstadt von Quito kann spätestens jetzt beruhigt sein. Wir sitzen abwechselnd in einem abgedunkelten Tagungsraum in einem der besseren Hotels und in einer Art Clubraum auf dem Dach des Finanzministeriums. Der ist zwar sehr hübsch, aber mehr als auf die Berge hinaussehen, während die Kollegen recht ausführliche Beiträge leisten, kann man von hier auch nicht.

Heute morgen haben wir den Bericht der Unterkommission “Bilaterale Schulden” vorgestellt, und die daran anschließenden Diskussionen haben den ganzen Freitag Vormittag gefüllt.Wir haben recht provokant festgestellt, dass – anders als bei der Neuverhandlung der Schulden bei den Privatgläubigern in den achtziger und neunziger Jahren – wir keine durchgehende Illegitimität erkennen können. Es gibt in den Verträgen, die wir untersucht haben, einige Klauseln, die deutlich den Gläubigern begünstigen, und auch kleine Gemeinheiten – wie etwa die Tatsache, dass die meisten Verträge nur in ihrer englischen Fassung (sogar die mit Dänemark, da gibt es nicht mal eine dänische Fassung) Rechtskraft haben. Aber auf eindeutige Illegitimität in den Sinne, wie wir sie in unserer AG diskutieren, sind wir bislang nicht gestossen. Einzige Ausnahme unter den europäischen Forderungen könnte allerdings ein Projekt sein, von dem ich am Wochenende berichten werde, da wir morgen früh “auf’s Land fahren”.

Die langen Präsentationen der Zwischenergebnisse aus den Sub-Kommissionen setzen uns besonders am Nachmittag sehr zu. Während auf die Leinwand ganze Textseiten projiziert und vorgelesen werden, verlässt doch die eine oder andere sms diskret den Saal.

2 Kommentare zu “Ecuador-Tagebuch: Freitag 15.2. Kleinarbeit

  1. obwohl ich mir gut vorstellen kann, wie das alles so abläuft (ganze Textseiten auf der leinwand etc.) klingt es, finde ich, trotzdem alles sehr spannend und ist – wie Susanne sagt – auch sehr unterhaltsam geschrieben. Eine Frage habe ich nur, weil ja vom Donnerstag auch kein Bericht da ist: Du schreibst “anders als bei der Neuverhandlung der Schulden bei den Privatgläubigern in den achtziger und neunziger Jahren” gäbe es keine Fälle eindeutiger Illegitimität bei den bilateralen. Das klingt so, als habe am Donnerstag die Unterkommission private Gläubiger ihren Bericht vorgelegt, der tatsächlich Substantielles zu Tage gebracht hat. Ist das so? Oder sagst du das aus deiner eigenen Kenntnis über die Umschuldungsverhandlungen und die Untersuchungsergebnisse unserer Freundin Wilma Salgado?
    Ich hoffe, euer Field Trip war nicht nur schön sondern auch ergebnisreich, ich nehme an, wir werden auch davon noch erfahren.
    Viele Grüße und weiterhin viel Erfolg und – ja, warum auch nicht – SPASS, Irene

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Wir verarbeiten Ihre in diesem Formular angegebenen, personenbezogenen Daten für die Beantwortung bzw. Bearbeitung Ihrer Anfrage bzw. Ihrer Kommentare sowie damit sachlich zusammenhängender Zwecke. Dabei nutzen wir die angegebene E-Mailadresse zum Bezug von Profilbildern bei dem Dienst Gravatar des amerikanischen Anbieters Automattic Inc.. Weitere Angaben zu der Verarbeitung personenbezogener Daten sowie Ihren Rechten nach Maßgabe der Datenschutzgrundverordnung entnehmen Sie bitte unserer Datenschutzerklärung. Hinweise zu der Nutzung des Dienstes Gravatar finden Sie in Ziffer 12.1 unserer Datenschutzerklärung.