Mit der Katholischen Soziallehre gegen die Dominanz der Gläubiger: Überschuldete Paradiese in der Karibik

Jürgen Kaiser, erlassjahr.de
24. September 2012

Engagierte Laien und Theologen, Politiker und Aktivist/innen trafen sich Anfang September zu zwei Seminaren in Dominica und St.Lucia. Beide Inseln gehören zu den “Small Island Developing States” (SIDS), die, zusammen mit Ländern wie Griechenland, weltweit die höchsten Schuldenindikatoren aufweisen. Weil diese Staaten aber sehr klein sind und (deutlich) weniger als eine halbe Million Einwohner haben, nimmt von ihren Problemen kaum jemand Notiz.

Das könnte sich jetzt ändern. Außer aus den beiden genannten Inseln waren auch Vertreter/innen der Kirche und der Regierung aus Grenada, Antigua & Barbuda sowie Anguilla bei den Seminaren. Es ging einerseits um die beängstigenden Schuldenindikatoren der Inseln auch dem Hintergrund ihrer dramatischen Verletzlichkeit für “externe Schocks”. Einer der letzten großen Hurrikans hatte in Grenada beispielsweise das Sozialprodukt von zwei Jahren an Schäden hinterlassen. Aber es ging auch um die frohe Botschaft des biblischen Erlassjahres: Dass Gläubigerrechte real aber nicht sakrosankt sind. Dass die Kirche im Konflikt die Menschenwürde der Armen vor die Ansprüche der Gläubiger stellen muss. Und auch, dass auf den stark katholisch geprägten Inseln das Wort der Bischöfe und Laienräte es nicht weit bis in die Regierungszentralen und Ministerien hat (in Dominica z.B. der sprichwörtliche Steinwurf).

Engagierte Diskussion der Delegation aus Antigua: Links vom Tisch der Regierung, rechts die Zivilgesellschaft / © erlassjahr.de

Zwei Tage lang stellten sich die insgesamt rund 85 Teilnehmer/innen der beiden Seminar den Fragen nach einer angemessenen Antwort der Kirche und der gesamten Zivilgesellschaft. Entstanden sind daraus ein kleines Netzwerk mit Ansprechpartnern auf jeder der Inseln, und eine große Herausforderung für diejenigen, die an der Basis die Katholische Soziallehre in praktische Schritte übersetzen wollen.

erlassjahr.de war als Referent an beiden Seminaren beteiligt. Finanziert wurden sie vom deutschen Hilfswerk Adveniat – seit langem ein Partner der Kirche in der Region.

Inzwischen haben auch andere Kampagnen und Netzwerke die Herausforderung durch die Überschuldung der kleinen Inseln ausgenommen: im Katholischen Irland ebenso wie in den für die Region wichtigen Gläubigerländern USA und Kanada.

Die Länderprofile der genannten Staaten sowie Jamaika’s und von St.Vincent & the Grenadines stehen auf der erlassjahr.de-Länderinfo-Seite.

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