Aalener Impressionen: Entschuldungsbewegung vor Ort im Dialog mit der Politik

Herma Geiß, Aktionsbündnis Entwicklung braucht Entschuldung Aalen
8. September 2021

Anlässlich der Debt20-Kampagne 2017 haben wir im ostwürttembergischen Aalen das lokale Aktionsbündnis „Entwicklung braucht Entschuldung Aalen“ gegründet, dem der DGB, die Katholische und Evangelische Erwachsenenbildung, der hiesige Weltladen, NaturFreunde, Attac, Amnesty International und Act for Transformation angehören. Wir veranstalteten damals viele Begegnungen mit Sprecher*innen aus dem Globalen Süden (Honduras, Mocambik, Senegal), bei denen es um die Schuldenkrisen und ihre Auswirkungen auf den Globalen Süden ging.

2018/19 beteiligten wir uns an dem EU-Projekt „Citizens for Financial Justice“, in dessen Rahmen wir Speaker*innen aus der Karibik, aus Ghana und Pakistan einluden. Weitere Highlights waren die Berliner Compagnie („Der Bettler auf goldenem Thron“, ein Theaterstück über Bolivien) und ein Auftritt der Grupo Sal mit dem ehemaligen Energieminister Alberto Acosta aus Ecuador.

Die Arbeit im Aalener Bündnis hat sich über die Jahre als sehr angenehm und fruchtbar erwiesen. Wir profitieren auch davon, dass jede Organisation ihre jeweiligen Schwerpunkte einbringt und wir so eine breite Themenvielfalt über die gemeinsame Klammer „Verschuldung“ hinaus abdecken können: Umwelt, internationale Steuergerechtigkeit, Klima, Menschenrechte, Landraub etc.

Deshalb war es keine Frage, dass wir uns auch an der erlassjahr.de-Kampagne zur Bundestagswahl 2021 beteiligen und vor Ort in Aalen den Dialog mit der Politik suchen würden! Vorbereitet wurden die Gespräche mit einer Online-Informationsveranstaltung mit Malina Stutz, Politische Referentin von erlassjahr.de. Dort ging es um den Zusammenhang von Klimakrise, Corona–Pandemie und Schuldenkrise. Dann vereinbarten wir Gespräche mit den hiesigen Bundestagskandidat*innen zum Thema Schuldenkrisen und zu unserer Forderung nach einem internationalen transparenten Staateninsolvenzverfahren, angesiedelt bei den Vereinten Nationen.

Unsere Gesprächspartner*innen waren:

  • Tim Steckbauer, Die Linke
  • Roderich Kiesewetter, CDU
  • Margit Stumpp, Bündnis 90 / Die Grünen
  • Leni Breymaier, SPD

Lediglich der FDP–Kandidat hielt es nicht für nötig, auf unsere mehrfachen Kontaktversuche auch nur zu antworten.

Zu Beginn der Gespräche stellten wir eine kurze Präsentation zum Zusammenhang von Klimakrise, Corona–Pandemie und Schuldenkrisen vor. Darin thematisierten wir u.a. die Schuldenerleichterungsmaßnahmen des Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Gruppe der 20 (G20) wie Schuldenmoratorium DSSI und Common Framework und formulierten unsere Kritik daran. Das anschließende Gespräch drehte sich um die Frage nach der Einschätzung der Abgeordneten zu einem möglichen “verlorenen Entwicklungsjahrzehnt” und dem Verfehlen der Nachhaltigen Entwicklungsziele (SDGs). Wir wollten wissen, wie sie zu einem internationalen, transparenten Staateninsolvenzverfahren, zur Schuldenumwandlung und den Einflussmöglichkeiten der Bundesrepublik stehen. Dabei konnten wir erfreut feststellen, dass all unsere Gesprächspartner*innen – auch der CDU-Abgeordnete – der Idee eines Staateninsolvenzverfahren gegenüber aufgeschlossen sind.

Eine weitere Frage war, wie man aus der Blase herauskommen kann, um mehr Menschen für dieses manchmal trockene, aber doch zentrale entwicklungspolitische Thema Schuldenkrise zu interessieren. Ob es z.B. möglich wäre, auch innerhalb der Parteien bzw. Jugendorganisationen gemeinsame Veranstaltungen zu organisieren. Auch hier zeigten sich ausnahmslos alle Gesprächspartner aufgeschlossen und wir freuen uns nun auf mehrere parteiinterne Informationsveranstaltungen mit einer Referentin von erlassjahr.de.

Die Gespräche machten großen Spaß und verliefen sehr interessant. Ich denke, wir haben auch eine gute Basis für weitere Kontakte geschaffen.

Herma Geiß ist bei attac Aalen aktiv und Mitglied im Bündnisrat von erlassjahr.de.

Foto: Screenshot des Instagram-Accounts von Tim Steckbauer, Kandidat der Partei DIE LINKE in Aalen-Ellwangen, nach dem Gespräch mit dem lokalen Aktionsbündnis mit einem Exemplar des Schuldenreports 2021.

Mitmachmöglichkeiten und Hintergrundinformationen:

Ein Kommentar zu “Aalener Impressionen: Entschuldungsbewegung vor Ort im Dialog mit der Politik

  1. Es wäre so einfach.
    Vom Erlassjahr zu einer globalen Abschaffung allen Geldes ist es eingentlich nur ein kleiner Schritt.
    Ein unvorstellbarer Gedanke, aber wenn man einen Augenblick darüber nachdenkt, merkt man, dass man ja dann gar kein Geld mehr benötigt, um das zu bekommen was man braucht. Und ein Federstrich würde genügen, um es zu verwirklichen.

    Stellen Sie sich bitte einmal vor, dass morgen durch ein unvorhergesehenes Ereignis alles Geld der Welt spurlos verschwindet. Theoretisch könnte aber unser Leben selbstverständlich genauso weitergehen wie bisher. Wir stehen frühs auf, gehen zur Arbeit und abends nehmen wir das kostenlos aus dem Supermarkt mit, was wir uns sonst auch nehmen. Nicht mehr. So wie wir heute im ÖPNV alle 3 Minuten an das Tragen des Mund- und Nasenschutzes erinnert werden, ermahnt uns die freundliche Stimme im Supermarkt, nicht mehr zu nehmen als früher auch. Alles ist gratis. Man könnte sich theoretisch nehmen, was man will, aber natürlich macht man das nicht wirklich, denn zu Hause wäre gar nicht genug Platz für all die Sachen. Aber man könnte. Gier ist, etwas haben zu wollen, was man nicht haben kann. Das bedeutet, die Gier verschwindet allmählich.

    Niemand hindert uns daran, präzise so weiterzuleben wie bisher. Wir bekommen alles gratis aber wir verdienen deshalb auch nichts. Jeder kann s e i n g e w o h n t e s L e b e n weiterführen, solange er möchte. Und da alles, was in der Wirtschaft passiert von den Menschen gemacht wird, würde sich auch in der Wirtschaft nichts ändern wenn das Geld weg ist. Das ist möglich, weil jeder unentgeltlich die Waren produziert und transportiert. Es wird weiterhin wie gewohnt bestellt und geliefert. Es gibt keinen plausiblen Grund dafür, warum das Leben nicht auch ohne Geld genauso weitergehen soll. Die Rohstoffe und die Energie bekommen wir von der Erde geschenkt. Nichts müsste sich rein theoretisch mit dem Wegfall des Geldes ändern.

    Der große Vorteil ist, dass dann Investitionen auch gratis sind. Deshalb muss es kein Wachstum mehr geben. Da es auf Grund des fehlenden Geldes keinen Profit mehr gibt, muss es auch keine Werbung und keine Preiskämpfe mehr geben und die Menschen werden nicht zu unnötigem Konsum aufgefordert. Wir finden endlich wieder zu uns selbst und werden uns nach kurzer Zeit nur noch das nehmen, was wirklich wichtig für uns ist, niemand redet uns da mehr hinein. Ressourcenverbrauch und Abfall werden viel weniger werden, ich schätze, das wird ungefähr auf das Niveau 1970 zurückgehen. Waffen werden nicht mehr hergestellt, Menschen- und Drogenhandel verschwinden eben wegen der fehlenden Möglichkeit, Profit damit zu machen. Humanitäre Hilfe ist jetzt gratis und kann einfach so verschenkt werden.

    Wir bekommen ein Jubilee, ganz ohne komplizierte Verhandlungen. Das für die Marktwirtschaft typische und nötige Konkurrenzdenken verschwindet und endlich können sich Geschwisterlichkeit und Solidarität unter allen Menschen weltweit frei entfalten. Die elementaren Menschenrechte, Recht auf ausreichende Nahrung, auf Obdach und auf medizinische Versorgung sind schrankenlos gesichert.

    Da es keine „bezahlte“ Arbeit mehr gibt, sind freiwillige oder „Care“-Arbeit oder ehrenamtliche Tätigkeit plötzlich gleich viel wert. Dies wird einen großen positiven Einfluss haben auf die Gender-Gerechtigkeit und wahrscheinlich auch auf die Entwicklung der menschlichen Population insgesamt. Kein Künstler muss mehr um sein Auskommen bangen.

    Der große Unterschied zum Sozialismus ist, dass es keine Enteignungen geben muss. Da man mit unprofitablem Eigentum nichts mehr anfangen kann, wird es seine Eigenschaft verlieren und irgendwann zu Gemeineigentum übergehen. Deshalb wird die Abschaffung des Geldes auch vollkommen unblutig verlaufen. Die Nutzer kümmern sich um die Erhaltung des Gemeineigentums.

    Das Abschaffen des Geldes könnte mit einem weltweiten Referendum zur vollständigen Geldentwertung erreicht werden. Wahrscheinlich wird der überwiegende Teil der Menschen daran interessiert sein, dass alle Schulden bedingungslos verschwinden, ohne dass irgendjemand einen Nachteil dadurch hat, man braucht ja später kein Geld mehr. Ein einfacher Federstrich könnte dann das Ende des Geldes besiegeln. Das wäre so einfach gegenüber Plänen, ein Grundeinkommen einzuführen, mit dem gewissermaßen ähnliches erreicht werden soll.

    Die große Frage ist: geht das eigentlich? Werden wir Menschen uns erst einmal weiterhin genauso verhalten, wenn das Geld weg ist?

    Stellen Sie sich bitte vor, man hätte die Pandemie planen können. Die erste Überlegung wäre gewesen, mit welchen finanziellen Anreizen man die Menschen dazu bringt, zwei Jahre lang Mund- und Nasenschutz zu tragen. Die Menschheit hat aber gezeigt, dass sie ganz freiwillig und spontan diszipliniert und vernünftig ist. Eine solche globale Solidarität und Disziplin gab es noch nie in der Geschichte. Beim ersten Lockdown sanken Konsum und Mobilität sehr stark (man liest oft, auf 70%), ohne dass die Versorgung mit Gütern des täglichen Bedarfs gefährdet war. Niemand hat gegen diese Situation protestiert, obwohl sie von vielen Menschen, und wahrscheinlich besonders Frauen, Gewaltiges abverlangt hat. So werden wir uns auch bei der Abschaffung des Geldes verhalten. Wir wissen, dass die Gesellschaft zusammenbricht, wenn wir unsere täglichen Aufgaben nicht erfüllen, so ist es ja auch innerhalb der Familie oder im Freundeskreis. Darüber hinaus könnten wir ja auch dazu motiviert werden und das wäre eine große Aufgabe für Kirche und Politik, die uns die beiden Alternativen aufzeigen vor denen wir gerade stehen.

    Wir müssen diese Nachricht nur weltweit verbreiten. Dann wird es passieren.

    Weitere Infos und FAQ auf der Website.

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