Mobilisierung vor Ort: Die Kampagne „Erlassjahr 2025 – Turn Debt Into Hope“ in Aalen

Avatar-Foto Herma Geiß, Aktionsbündnis Entwicklung braucht Entschuldung Aalen
17. Februar 2026

Als wir vor 10 Jahren die erlassjahr.de-Ausstellung „Geschichten der Schuldenkrise“ ins ost-württembergische Aalen holten (und dabei das wunderbare erlassjahr-Team kennenlernten), konnten wir noch nicht ahnen, dass dieses Thema zu unserem „Dauerbrenner“ werden würde. Wir – das ist ein sich immer mal wieder umformendes Bündnis aus Attac Aalen, dem Weltladen, den NaturFreunden, beiden Kirchen und weiteren Organisationen. Immer dabei war auch die UNESCO-AG des Theodor-Heuss-Gymnasiums, einer UNESCO-Projektschule, an der ich früher unterrichtet habe.


Seitdem haben wir zahlreiche Veranstaltungen in Zusammenarbeit mit erlassjahr.de durchgeführt und dabei ein sehr schönes Format entwickelt, das Informationen mit musikalischer Begleitung (von Chor bis Jazz) und von Schüler*innen bereitgestelltem Catering verbindet. Speaker aus Honduras, Sri Lanka, der Karibik, Mosambik und Pakistan waren bei uns zu Gast.


An der Kampagne „Erlassjahr 2025 – Turn Debt Into Hope“ beteiligten wir uns mit mehreren Veranstaltungen:

Kampagnenauftakt im Mai

  • Zum Auftakt stellte ich am 10. Mai 2025 die Kampagne im Treffpunkt „UTOPIAA“ vor. Das UTOPIAA ist ein Ort für zivilgesellschaftliche Gruppen wie Klimaentscheid, entwicklungspolitische Gruppen, Frauen-, aber auch Wandergruppen etc. In einem eher intimen Kreis erläuterte ich die Ziele der Kampagne vor dem Hintergrund der Situation der Menschen in hochverschuldeten Ländern. Durch den hohen Schuldendienst, z. B. in Sri Lanka, bleibt kein Geld für Gesundheit, Bildung, Klimaschutz und Armutsbekämpfung.

Musik + Politik im Gemeindehaus

  • Am 26. Juni 2025 luden wir dann gemeinsam mit der evangelischen Kirchengemeinde zu einer öffentlichen Veranstaltung ins Gemeindehaus Aalen ein. Paula Bünger von erlassjahr.de informierte über die Kampagne und erläuterte die Forderungen:
    • Schuldenkrisen jetzt beenden: Illegitime und untragbare Schulden streichen ohne wirtschaftspolitische Auflagen!
    • Ursachen von Schuldenkrisen angehen und globales Finanzsystem gerechter machen!
    • Nachhaltige und faire Lösungen schaffen: Eine rechtsverbindliche Schuldenrahmenkonvention unter dem Dach der Vereinten Nationen vereinbaren!
  • Musikalisch umrahmt wurde die Veranstaltung von der chilenischen Sängerin Veronica Gonzalez und der Percussionistin Inga Rincke. Die UNESCO-AG sorgte wieder für reichhaltiges Essen und Trinken. Die Besucher*innen kamen ins Gespräch und unterzeichneten die Petition.

Ökumenischer Gottesdienst für soziale Gerechtigkeit

  • Am 11. Januar 2026 fand dann ein Ökumenischer Gottesdienst in der katholischen Thomaskirche Aalen-Unterrombach statt, diesmal in Zusammenarbeit mit Vertreter*innen beider Kirchen und wiederum der UNESCO-AG.
  • Der Gottesdienst war geleitet vom biblischen Motiv prophetischer Kritik am Reichtum (Amos), dem Gebot der Nächstenliebe und der Sehnsucht nach sozialer Gerechtigkeit (Bergpredigt). Fürbitten, Lesung und Predigt waren auf diese Leitmotive abgestimmt.
  • Ich steuerte den politischen Bericht bei und ging dabei noch einmal auf die Kampagne „Erlassjahr 2025 – Turn Debt Into Hope“ ein. Ich stellte das weltweite Netzwerk der Kampagne, die Forderung nach einer gerechten, rechtsverbindlichen Schuldenrahmenkonvention unter dem Dach der Vereinten Nationen und die Forderung von erlassjahr.de nach einem Staateninsolvenzverfahren ausführlich vor.
  • Der evangelische Pfarrer Bernhard Richter stellte das Gebot der Nächstenliebe ins Zentrum seiner Predigt, schilderte auch die biblische Erzählung vom Statthalter Nehemia, der seinen Schuldnern die Schulden erlassen hat und dafür gesorgt hat, dass andere Gläubiger ihm folgten. Ausführlich ging er dann auf die Not der Menschen in den Ländern des Globalen Südens und die Verletzung der Menschenrechte ein. Dem hohen Schuldendienst fallen die Nachhaltigkeitsziele zum Opfer: Armutsbekämpfung – Förderung von Gesundheit und Bildung – Klimaschutz. Viele Besucher*innen nutzten anschließend das Angebot zu Kaffee und Nachgesprächen in der Kirche.

Fastenpredigt im März

  • Dieser sehr gelungene ökumenische Gottesdienst hat dann zu einer unerwarteten Fortsetzung geführt. Ich wurde gebeten, am 15. März eine Fastenpredigt in der St. Augustinus Kirche in Aalen zu halten. Diese Fastenpredigten waren in früheren Jahren vor allem eine Domäne von Prominenten aus Politik, Wirtschaft und Kunst. Dieses Jahr hingegen sind die Predigten Frauen vorbehalten, die ihre Themen frei wählen dürfen.

Aber ich denke, auch wenn der Schwerpunkt weiterhin auf dem Thema Schuldenkrise liegen wird, ist es auch wichtig, die Perspektive um den Blick auf die ungleiche Vermögensverteilung in der Welt zu erweitern. Deutschland steht auf dieser unguten Skala mit an der Spitze Europas. Die Stimmen mehren sich, die auf die Einführung einer Vermögenssteuer drängen – auch das möchte ich versuchen, in meiner Fastenpredigt aufzugreifen.

Dieses Angebot habe ich daher gerne angenommen und freue ich mich schon sehr darauf.

Herma Geiß

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