Rostock Tag 3 – Bunte Ballons und unschöne Bilder

Patrick Jedamzik, erlassjahr.de
3. Juni 2007

Der gestrige Tag begann anders, als er endete: Schön! Um 10 Uhr sammelte man sich bereits an beiden Sammelpunkten in Rostock, dem Shutower Kreuz und dem Bahnhof. Wir waren vor allem am ersteren Vertreten, da erlassjahr.de dort zusammen mit Gerechtigkeit jetzt! den ersten Block der riesigen Demo bildete und auch das Startbanner trug.

Um ca. 13 Uhr setzte sich der Zug in Bewegung, der am Ende nach Schätzungen der Veranstalter mindestens 40.000 Menschen fasste. Bereits nach der ersten Kurve kam es zu einer seltsamen Situation, als Polizisten Fotographen von einer Eisenbahnbrücke entfernen wollten und etwas rabiat vorgingen, so dass sich die Presse am anderen Ende eher dafür, als für den Demozug interessierte, der unten stehenblieb um gegen das Schauspiel oben zu protestieren. Vor allem aber die Tatsache, dass die Einsatzleitung unten wild gestikulierend dafür sorgte, dass deren Kollegen oben damit aufhörten. Allerdings war dies der einzige seltsame Vorfall während der gesamten Route – zumindest sofern man dies überhaupt als Vorfall sehen mag.

Im Gegenteil, mit Clowns am Wegesrand gab es sogar nette Begegnungen zwischen Polizei und Demonstranten und die Äußerung des Einsatzleiters, dass es fast kanevalistische Züge gab, war kaum übertrieben. Auch beim Passieren des Hotels in dem die amerikanische Delegation abgestiegen war, das entsprechend geschützt war, gab es keine größeren Probleme. Das einzige Problem zu dem Zeitpunkt für uns von erlassjahr war: Hatten es die Menschen in der Marienkirche rechtzeitig geschafft die Kirche mit den Ballons zu verlassen?

Sie hatten! Und damit war für uns der Tag perfekt. Der Demozug wurde so an der Marienkirche von hunderten Ballons und Trägern erwartet, die sich dann auch kurzerhand in diesen integrierten. Auf dem Weg zum Abschluss bestimmten dann viele fröhliche Luftballons das Bild der letzten Meter. Und auch auf dem Demoplatz war es sehr rot 😉

Leider – und dass darf an dieser Stelle natürlich nicht verschwiegen werden – bestimmten andere Bilder die Berichterstattung der letzten Stunden: Straßenschlachten, fliegende Steine und Wasserwerfer waren interessanter als die politische Forderung nach illegitimen Schulden. Ich glaube ich spreche nicht nur für mich, wenn ich auch an dieser Stelle im persönlichen Bericht deutlich mache, dass uns diese Gewalttätigkeiten erschütterten und betroffen machten und wir jegliche Gewalt klar und deutlich ablehnen. Es ist traurig, dass eine handvoll Gewalttäter das Bild dieser friedlichen Demo so zerstörten.

3 Kommentare zu “Rostock Tag 3 – Bunte Ballons und unschöne Bilder

  1. Die Demo am 2.6. in Rostock – ich bin etwas spät dran mit meinem Kommentar- war die bunteste und kreativste Großdemo, die ich bisher erlebt habe. Sie war kampf-„lustig“, laut und phantasievoll. Sie war ein gutes Spiegelbild der großen gesellschaftlichen Bandbreite der beteiligten Organisationen und der Vielfalt an Themen und Positionen, die hier gebündelt wurden und die nicht bereits im Vorfeld zu Abgrenzung und Spaltung geführt hatten. Diese Erfahrung und diesen Erfolg sollten wir festhalten und uns weder von den Politikern, die sowieso schon vorher wussten wie das alles endet, und auch nicht von der Presse, die sich natürlich über die Bilder der anschliessenden Randale-Bilder hergemacht hat, wegnehmen lassen. Riesigen Dank für diese Vorbereitungsarbeit ans ganze ej-Büro, vor allem an Sabine!!
    Die anschließende Randale hat mich wütend gemacht – auf die sogenannten Autonomen und auf die Polizei. Dabei hat mich die Darstellung von Patrick und auch die Stellungnahme des Lenkungskreises zur Großdemo erstaunt: Ich sehe die Verantwortung für die Randale bei den sogenannten Autonomen UND bei der Polizei. Dabei ist mir letztlich egal, ob eine Provokation der Polizei oder ein Pflasterstein der Auslöser war.
    Die Polizei hat nach meiner Beobachtung überhaupt keine Strategie der Deeskalation gehabt, im Gegenteil: sie hat z.B. mit ihrem Auftritt in Kampfuniformen am Rande der Demo bei mir Angst und Wut ausgelöst und an die harte Linie bei den Razzien im Vorfeld angeknüpft. Sie hat mit dem lärmenden Hubschrauber über der Kundgebung – die Auseinandersetzungen waren an ganz anderer Stelle- die gesamten Kundgebungsteilnehmer/innen völlig grundlos terrorisiert und die Spannungen eskaliert. Und sie hat schließlich – soweit ich das sehen konnte – während der Randale keinerlei Anstalten zur Deeskalation gemacht, sondern tatkräftig an der Gewaltschraube mitgedreht.
    Dies rechtfertigt auf keinen Fall die Aktionen der so genannten Autonomen, auf die ich nicht nur wegen der entsprechenden Berichterstattung in den Medien wütend bin. Das Verhalten der Polizei lässt sich unter gar keinen Umständen als Vorwand für ihr Verhalten benutzen: Sie haben mit ihren Stein- und Flaschenwürfen Leben und Gesundheit von Polizisten und Demonstrant/ innen gefährdet. Sie haben die Demonstration als Tribüne für ihren -ungebetenen- Auftritt benutzt. Und sie haben an der Randale unbeteiligte Demonstrant/innen als Schutzschild vor den Angriffen der Polizei missbraucht. Gehören diese Leute wirklich zu uns? Der (politische) Kampf gegen unser Wirtschaftssystem hat für mich nichts mit einem (militärischen) Krieg gegen die Polizei zu tun!

    Es gibt also keinen Grund für einen Schmusekurs mit der Polizei und ebenfalls keinen für eine Solidarisierung mit den Randaliereren. Wir werden darüber sprechen müssen – unter uns und mit den anderen Beteiligten.

    8.6.07 Jimi Merk

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