Angola

Hat Angola ein Schuldenproblem?

Angolas Schuldenindikatoren liegen fast durchweg in kritischen Bereichen und weisen allesamt eine ansteigende Tendenz auf. Dazu kommt, dass das Land von einem einzigen Exportprodukt – Rohöl – und einem einzigen bilateralen Gläubiger – China – extrem abhängig ist.

Fragwürdige Vereinbarungen der eigentlich als Korruptionsbekämpfer geschätzten neuen Regierung destabilisieren die fiskalische und außenwirtschaftliche Situation des Landes weiter.

Die wichtigsten Schuldenindikatoren (Stand 2018)

IndikatorAusprägungGrenzwert
Auslandsverschuldung im Verhältnis zum Bruttonationaleinkommen (%)54,040
Auslandsverschuldung im Verhältnis zu den jährlichen Exporteinnahmen (%)130,4150
Jährlicher Schuldendienst im Verhältnis zu den jährlichen Exporteinnahmen (%)21,915
Öffentliche Verschuldung im Verhältnis zum BIP (%)88,150
Öffentliche Verschuldung im Verhältnis zu den öffentlichen Einnahmen (%)*399,2200
Auslandsschuldenstand (US-Dollar)54,563 Mrd.
Schuldendienst: Zinsen und Tilgungen an ausländische Gläubiger (US-Dollar)9,101 Mrd.

Erklärung zu den Indikatoren und Grenzwerten

Wer sind die Gläubiger von Angola?

Erklärung der Schuldenkategorien

 Die gesamten Auslandsschulden eines Landes setzen sich aus den Schulden des öffentlichen Sektors und denen des Privatsektors zusammen. Im Diagramm sind öffentliche Schulden mit Vollfarben und private Auslandsschulden schraffiert dargestellt.

Bei den öffentlichen Schulden werden drei Gläubigergruppen unterschieden, nämlich multilaterale öffentliche Gläubiger – das sind vor allem Entwicklungsbanken und der IWF -, bilaterale öffentliche Gläubiger – das sind andere Regierungen – und private Gläubiger.

Bei den beiden öffentlichen Gläubigerkategorien unterscheiden wir zudem nach konzessionären, also zinsgünstigen Krediten zu Entwicklungshilfebedingungen, und Krediten zu Marktbedingungen („nicht-konzessionäre“).

Bei den öffentlichen Schulden bei privaten Gläubigern unterscheiden wir die beiden Hauptinstrumente, nämlich Bankkredite und Anleihen. Diese beiden Instrumente unterscheiden wir auch bei den Auslandsschulden des Privatsektors.

Wer sind die Gläubiger von Angola?

Jeweils die Hälfte von Angolas Auslandsschulden besteht gegenüber öffentlichen und privaten Gläubigern. Von den Schulden bei privaten Banken und Anleihegläubigern entfällt allerdings die Hälfte nicht auf den angolanischen Staat, sondern auf private Unternehmen und Banken, ohne dass der Staat dafür eine Garantie übernommen hätte. Private angolanische Schuldner sind nur bei Banken verschuldet, während bei den öffentlichen Schulden ein deutlicher Teil auf Anleihegläubiger (Eurobond-Anleihen im Umfang von 6 Milliarden US-Dollar) entfällt.

Auf der Seite der öffentlichen Gläubiger spielen Schulden aus der Entwicklungszusammenarbeit kaum noch eine Rolle. Sehr stark zugenommen hat der Forderungsbestand öffentlicher bilateraler Gläubiger. China allein hat zwischen 2000 und 2017 52 Prozent aller externen Kredite für Angola beigetragen und ist deshalb heute der wichtigste bilaterale Gläubiger. Ende 2017 berichtet die Financial Times von Schulden bei China in Höhe von 21,7 Milliarden US-Dollar. Das wären mehr als 95 Prozent des damaligen von der Weltbank berichteten bilateralen Schuldenstandes.

Unter den multilateralen Gebern schlägt das Ende 2018 bewilligte Rettungspaket des IWF mit (noch nicht vollständig ausgezahlten) Gesamtzusagen von 3,7 Milliarden US-Dollar am stärksten zu Buch.

Die (noch) knapp 600 Millionen US-Dollar Forderungen aus der Entwicklungszusammenarbeit entfallen – wie zu erwarten – zu mehr als 80 Prozent auf die traditionellen Geber im Pariser Club. Bei den nicht-konzessionäre Forderungen spielen diese mit 1,1 Milliarden US-Dollar dagegen nur noch eine untergeordnete Rolle, da China Kredite fast durchweg zu Marktkonditionen vergibt. Wichtige bilaterale Gläubiger Angolas im Pariser Club sind die Neumitglieder Brasilien und Israel. Diese, wie auch China, haben sich Kredite mit der Verpfändung künftiger Öleinnahmen absichern lassen.

Die Bundesrepublik hatte 1990 rund 130 Millionen DM Forderungen der Ex-DDR an Angola „geerbt“. Diese waren bis 2001 durch Verzugszinsen unter anderem wegen kriegsbedingter Nichtbedienung bis 2001 nach Berechnung der Bundesregierung auf 423 Millionen DM angewachsen. 2003 wurden 262 Millionen DM (damals bereits 131 Millionen Euro) erlassen und der Rest offenbar beglichen. Bemerkenswert ist, dass dies gänzlich außerhalb einer Pariser-Club-Regelung geschah. Entsprechend hat Deutschland heute keine Forderungen mehr an Angola.

Trend

Von 2015 bis 2018 haben sich alle fünf Indikatoren für die öffentiche wie die ausländische Verschuldung um mindestens 10 Prozent verschlechtert.

Bisherige Schuldenerleichterungen für Angola

Im Pariser Club hat Angola bislang erst einmal verhandelt, nämlich 1989 mit dem Ergebnis einer Restrukturierung von 446 Millionen US-Dollar unter Classic Terms, also ohne Erlasselement. Das Abkommen ist inzwischen in Gänze abbezahlt. Mit der Bundesregierung gab es darüber hinaus eine Sonderreglung für die Ex-DDR-Forderungen (siehe oben).

2007 hat China erstmals Forderungen an Angola in Höhe von rund 6,5 Millionen US-Dollar erlassen. 2015 restrukturierte China mit 21,3 Milliarden US-Dollar praktisch seinen gesamten Forderungsbestand an Angola. Das Erlasselement dieser Operation ist nicht bekannt. Weitere Verhandlungen über eine nochmalige Umschuldung wurden 2018 aufgenommen, haben aber bis dato noch zu keinem Ergebnis geführt.

Aktuelle Risiken für die Schuldentragfähigkeit

Die Auslandsverschuldung steigt dramatisch in Folge des Ölpreisverfalls der letzten Jahre und nähert sich kritischen Grenzen oder hat diese bereits überschritten. Anfang 2019 hat die Ratingagentur Standard & Poor’s das ohnehin nur knapp über Ramschniveau liegende Rating für Angola mit einem negativen Ausblick versehen. Wenn nicht der Ölpreis über das seit Mitte der Dekade schon wieder leicht angestiegene Niveau hinaus weiter ansteigt, ist ein tragfähiges Schuldenniveau ohne Umschuldung in absehbarer Zeit nicht erreichbar. China als wichtigster bilateraler Gläubiger hat dem mit Schuldenstreckungen Rechnung getragen, sich im Gegenzug aber Zugriffsrechte auf angolanisches Öl gesichert.

Auch nach der allseits positiv bewerteten Machtübergabe von der korrupten Regierung dos Santos an den neuen Präsidenten João Lourenço bedrohen undurchsichtige Geschäfte der Regierung die finanzielle Stabilität Angolas. Dazu gehören Vereinbarungen mit der im Mosambik-Schuldenskandal zentralen Firma Privinvest und der geplante Bau eines luxuriösen neuen Regierungsviertels in der Hauptstadt Luanda.

Politische Empfehlungen

Angola leidet an seiner hohen Abhängigkeit von einem einzigen Exportgut. Wenn es der neuen MPLA-Regierung gelingen sollte, nach dem Abgang des langjährigen Präsidenten dos Santos die Gläubiger des Landes für eine umfängliche Restrukturierung zu gewinnen, sollte diese vor allem der Diversifizierung der Wirtschaft zugute kommen.

 

 

Stand: Stand November 2019

 

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