Costa Rica

Hat Costa Rica ein Schuldenproblem?

Eine lange Phase unproblematischer Auslandsverschuldung ist mit der von COVID-19 ausgelösten Rezession an ein abruptes Ende gekommen. Das im März 2021 mit dem Internationalen Währungsfonds (IWF) vereinbarte Rettungspaket kann das Land nach einem dramatischen Einbruch 2020 fiskalisch wieder auf Kurs bringen. Bei einer weiter anhaltenden Wirtschaftsschwäche kann daraus aber wegen der sehr traditionellen Konditionalitäten und ihrer wachstumsfeindlichen Auswirkungen auch ein veritables multilaterales Schuldenproblem daraus werden.

Die wichtigsten Schuldenindikatoren (Stand Ende 2020)

IndikatorAusprägungGrenzwert
Auslandsverschuldung im Verhältnis zum Bruttonationaleinkommen (%)48,040
Auslandsverschuldung im Verhältnis zu den jährlichen Exporteinnahmen (%)168,4150
Jährlicher Schuldendienst im Verhältnis zu den jährlichen Exporteinnahmen (%)17,215
Öffentliche Verschuldung im Verhältnis zum BIP (%)70,150
Öffentliche Verschuldung im Verhältnis zu den öffentlichen Einnahmen (%)543,3200
Auslandsschuldenstand 2019 (US-Dollar)29,823 Mrd.
Schuldendienst: Zinsen und Tilgungen an ausländische Gläubiger 2019 (US-Dollar)3,145 Mrd.

Erklärung zu den Indikatoren und Grenzwerten

Wer sind die Gläubiger von Costa Rica?
CRC Gläubigerprofil 2021-03

Erklärung der Schuldenkategorien

 Die gesamten Auslandsschulden eines Landes setzen sich aus den Schulden des öffentlichen Sektors und denen des Privatsektors zusammen. Im Diagramm sind öffentliche Schulden mit Vollfarben und private Auslandsschulden schraffiert dargestellt.

Bei den öffentlichen Schulden werden drei Gläubigergruppen unterschieden, nämlich multilaterale öffentliche Gläubiger – das sind vor allem Entwicklungsbanken und der IWF -, bilaterale öffentliche Gläubiger – das sind andere Regierungen – und private Gläubiger.

Bei den beiden öffentlichen Gläubigerkategorien unterscheiden wir zudem nach konzessionären, also zinsgünstigen Krediten zu Entwicklungshilfebedingungen, und Krediten zu Marktbedingungen („nicht-konzessionäre“).

Bei den öffentlichen Schulden bei privaten Gläubigern unterscheiden wir die beiden Hauptinstrumente, nämlich Bankkredite und Anleihen. Diese beiden Instrumente unterscheiden wir auch bei den Auslandsschulden des Privatsektors.

Costa Ricas Auslandsschulden entfallen je zur Hälfte auf den Staat und auf den Privatsektor.

Wie die privaten Schuldner ist auch der Staat überwiegend bei privaten Kreditgebern verschuldet. Öffentliche Gläubiger spielen nur eine untergeordnete Rolle. Diese Verteilung ist recht typisch für ein lateinamerikanisches Mitteleinkommensland mit Zugang zum internationalen Kapitalmarkt. Auf der privaten Seite sind Kredite ausländischer Banken das am meisten genutzte Instrument.

Unter den multilateralen Kreditgebern spielen die weltweiten Institutionen Weltbank und IWF eine deutlich geringere Rolle als regionale Entwicklungsbanken wie die Interamerikanische Entwicklungsbank (IDB), die Entwicklungsbank von Lateinamerika (CAF) und die Zentralamerikanische Bank für Wirtschaftsintegration (BCIE).

Die bilateralen Forderungen aus der Entwicklungszusammenarbeit entfallen vollständig auf den Pariser Club. Deutschland ist daran mit bescheidenen 11 Millionen Euro beteiligt. Die nicht-konzessionären Forderungen entfallen zum größten Teil auf China (89 Millionen von 116 Millionen US-Dollar).

Trend

Bis auf den Auslandsschuldenstand im Verhältnis zur jährlichen Wirtschaftsleistung (BIP) sind alle Indikatoren zwischen 2016 und 2020 um mindestens 10 Prozent angestiegen.

Die Verschuldung costaricanischer Banken, Unternehmen und Einzelpersonen im Ausland ist stärker gestiegen als diejenige des Staates. Der gesamte Auslandsschuldendienst schwankt zwar deutlich, zeigte bis 2019 aber keinen klaren Trend nach oben oder unten.

Unter den öffentlichen Auslandsschulden nimmt besonders die Verschuldung bei multilateralen Gebern zu Marktkonditionen am stärksten zu.

Bisherige Schuldenerleichterungen für Costa Rica

Costa Rica geriet alsbald nach der Zahlungseinstellung Mexikos im Oktober 1982 ebenfalls in den Sog der lateinamerikanischen Schuldenkrise und hat von 1983 bis 1993 fünfmal mit seinen öffentlichen Gläubigern im Pariser Club verhandelt. Alle fünf Abkommen führten lediglich zu einer Streckung der Zahlungsverpflichtungen ohne ein Erlasselement.

Im gleichen Zeitraum wurde rund 1 Milliarde US-Dollar Schulden gegenüber den privaten Banken im Londoner Club umgeschuldet. 1990 wurden Bankenschulden dann im Rahmen des Brady-Plans mit einem Abschlag in handelbare Anleihen umgewandelt, wodurch die Verschuldung Costa Ricas im Großen und Ganzen wieder tragfähig wurde – und bis 2019 blieb.

Für das Schuldenmoratorium DSSI der G20 zur Unterstützung der Bekämpfung der COVID-19-Pandemie war Costa Rica als Nicht-IDA-Land und Nicht-LDC, also als Land, das nach Definition der Weltbank nicht zu den ärmsten und am wenigsten entwickelten Länder gehört, nicht qualifiziert.

Aktuelle Risiken für die Schuldentragfähigkeit

Die costaricanische Wirtschaft ist von der Corona-Pandemie in 2020 hart getroffen worden. Während bis Ende 2020 das Land sich zu vergleichsweise günstigen Bedingungen an den internationalen Kapitalmärkten bedienen konnte, hat sich das Standing im vergangenen Jahr deutlich verschlechtert. Der Einbruch beim Tourismus hat dabei eine wichtige Rolle gespielt, hat aber auch bereits vorher bestehende Schwächen offengelegt.

Entsprechend hat die Ratingagentur Fitch das noch 2017 mit „BBB“ bewertete Land bis 2020 auf „B“ mit einer negativen Perspektive herabgestuft. Mehr als 6 Prozent aller öffentlichen Einnahmen verschlingen aktuell die Zinszahlungen; das ist der dritthöchste Wert in ganz Lateinamerika.

Vor diesem Hintergrund hat die Regierung mit dem IWF ein dreijähriges Unterstützungsprogramm im Umfang von 1,78 Milliarden US-Dollar vereinbart, welches die Zahlungsfähigkeit des Landes bis 2023 absichern soll. Das lateinamerikanische Entschuldungsnetzwerk LATINDADD kritisiert das Programm wegen seines einseitigen auf problematische Privatisierungen und die Senkung von Arbeitseinkommen zielenden und damit latent wachstumsfeindlichen Charakters.

Wenn es nicht gelingt, das Wachstum vor allem in den Schlüsselsektoren des Landes wieder anzukurbeln, kann der Rettungskredit aus Washington sich wegen der vorher schon sehr hohen Verschuldung bei den zwischenstaatlichen Kreditgebern in ein multilaterales Schuldenproblem verwandeln.

Politische Empfehlungen

Costa Rica ist von der Pandemie schwer getroffen, gleichzeitig aber von den bisher von der G20 beschlossenen Schuldenerleichterungsmöglichkeiten (DSSI-Moratorium und eventuelle Schuldenreduzierung unter dem Common Framework for Debt Treatments beyond the DSSI) ausgeschlossen. Von daher hat das Land einen starken Anreiz, sich für eine Weiterentwicklung des Common Framework zu einem allgemeinen Umschuldungsverfahren einzusetzen, welches nicht mehr nur ärmeren, sondern allen erlassbedürftigen Ländern zur Verfügung steht.

Wegen des hohen Anteils multilateraler Forderungen an den gesamten öffentlichen Auslandsschulden sollte dabei besonderes Augenmerk auf eine Einbeziehung multilateraler Gläubiger in eine eventuelle Entschuldungsinitiative gelegt werden.

 

Stand: März 2021