Dominica

Hat Dominica ein Schuldenproblem?

Dominica befindet sich seit der Aufhebung der europäischen Zollpräferenzen für karibische Bananen stets latent in einer kritischen Situation. Das Hauptexportgut konnte seither nur unzulänglich durch Einnahmen aus dem Tourismus ersetzt werden. Zudem erweist der Tourismus sich als volatile Einnahmequelle. Entsprechend sind die Schuldenindikatoren seit den neunziger Jahren auf einem konstant hohen Niveau. Zugespitzt wurde die Schuldensituation Dominicas zusätzlich durch die Wirbelstürme „Erika“ 2015 und „Maria“ 2017. Die für kleine Inselstaaten typische Bedrohung, in einem einzigen Sturm ein Mehrfaches der gesamten Wirtschaftsleistung zu verlieren, macht die Schaffung eines Ad-hoc-Entschuldungsmechanismus dringend.

Die wichtigsten Schuldenindikatoren (Stand 2018)

IndikatorAusprägungGrenzwert
Auslandsverschuldung im Verhältnis zum Bruttonationaleinkommen (%)55,340
Auslandsverschuldung im Verhältnis zu den jährlichen Exporteinnahmen (%)161,8150
Jährlicher Schuldendienst im Verhältnis zu den jährlichen Exporteinnahmen (%)16,515
Öffentliche Verschuldung im Verhältnis zum BIP (%)83,150
Öffentliche Verschuldung im Verhältnis zu den öffentlichen Einnahmen (%)189,5200
Auslandsschuldenstand (US-Dollar)279,2 Mio.
Schuldendienst: Zinsen und Tilgungen an ausländische Gläubiger (US-Dollar)26,8 Mio.

Erklärung zu den Indikatoren und Grenzwerten

Wer sind die Gläubiger von Dominica?

Erklärung der Schuldenkategorien

 Die gesamten Auslandsschulden eines Landes setzen sich aus den Schulden des öffentlichen Sektors und denen des Privatsektors zusammen. Im Diagramm sind öffentliche Schulden mit Vollfarben und private Auslandsschulden schraffiert dargestellt.

Bei den öffentlichen Schulden werden drei Gläubigergruppen unterschieden, nämlich multilaterale öffentliche Gläubiger – das sind vor allem Entwicklungsbanken und der IWF -, bilaterale öffentliche Gläubiger – das sind andere Regierungen – und private Gläubiger.

Bei den beiden öffentlichen Gläubigerkategorien unterscheiden wir zudem nach konzessionären, also zinsgünstigen Krediten zu Entwicklungshilfebedingungen, und Krediten zu Marktbedingungen („nicht-konzessionäre“).

Bei den öffentlichen Schulden bei privaten Gläubigern unterscheiden wir die beiden Hauptinstrumente, nämlich Bankkredite und Anleihen. Diese beiden Instrumente unterscheiden wir auch bei den Auslandsschulden des Privatsektors.

Alle Auslandsschulden Dominicas bestehen ausschließlich auf Seiten des Staates. Der weitausgrößte Teil davon zu teuren Marktbedingungen. Entsprechend ist der Schuldendienst im Verhältnis zu den jährlichen Exporteinnahmen der am stärksten zunehmende der fünf Schuldenindikatoren.

Es gibt eine Unstimmigkeit zwischen den Angaben der Weltbank, die konzessionäre bilateralen Schulden nur im Umfang von 9.100 US-Dollar ausweist, um dem Pariser Club, der 22 Millionen US-Dollar Forderungen aus der Entwicklungshilfe für seine Mitglieder reklamiert. Die einzigen Pariser Club-Mitglieder mit Forderungen an Dominica sind Frankreich und Großbritannien.

Trend

Die Gesamtschulden Dominicas sind seit Mitte der Dekade leicht gefallen. 2018 sind aber die Indikatoren, die sich auf die Schulden und den Schuldendienst im Verhältnis zu den Exporteinnahmen beziehen, deutlich gestiegen. Das ist eine Folge des Hurrikans „Maria“, der im Sommer 2017 die Insel und mit ihr die exportfähige Landwirtschaft und den Tourismus schwer getroffen hat.

Bisherige Schuldenerleichterungen für Dominica

Dominica hat bislang noch nicht im Pariser Club der Gläubigerregierungen verhandelt und war für die Entschuldungsinitiative für hoch verschuldete arme Staaten (engl. Heavily Indebted Poor Countries Initiative, HIPC) nicht qualifiziert. Seine Staatsanleihen hat Dominica im Jahr 2004 einmal umgeschuldet, woran sich allerdings mehr als ein Viertel aller Anleihezeichner nicht beteiligt haben.

Aktuelle Risiken für die Schuldentragfähigkeit

Im August 2015 zerstörte Hurrikan „Erika“ nach Berechnungen der Weltbank 93 Prozent der Wirtschaftsleistung. Die Regierung versuchte zunächst den Wiederaufbau mit bescheidener Hilfe aus dem Ausland hauptsächlich mit eigenen Mitteln zu finanzieren. Anfang 2016 bat die Regierung ihre öffentlichen Gläubiger dann doch um Schuldenerleichterungen. Frankreich und Großbritannien verwiesen auf den Pariser Club, der zunächst überhaupt nicht reagierte, Ende 2016 aber schließlich erklärte, Dominica solle doch mit den einzelnen Gläubigern verhandeln. Statistisch ereilt Dominica in jedem sechsten Jahr eine Naturkatastrophe vom Kaliber von „Erika“. Tatsächlich wurde Dominica schon 2017 von Hurrikan „Maria“ getroffen, der 65 Menschen das Leben kostete und 90 Prozent aller Gebäude beschädigte. Insgesamt werden die Schäden auf 225 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung geschätzt.

Politische Empfehlungen

Dominica sollte sich mit seinen karibischen Nachbarn und eventuell der ganzen Gruppe der Small Island Developing States (SIDS) um eine regionale Entschuldungsoption, bemühen, welche eine halb-automatische Zahlungseinstellung und nötigenfalls eine Reduzierung der Auslandsschulden im Falle einer Naturkatastrophe eines bestimmten Ausmaßes bewirken würde. Außer den internationalen Finanzinstitutionen wäre vor allem die alljährliche Konferenz der Unterzeichner des Pariser Klimaabkommens (COP) dafür der richtige Rahmen.

 Weiterführende Informationen und Materialien:

Video: “Staatsverschuldung in Dominica – Bischof Malzaire”

 

Stand: Januar 2020

 

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