Dominikanische Republik

Hat die Dominikanische Republik ein Schuldenproblem?

Die Dominikanische Republik hat kein akutes Schuldenproblem. Allerdings liegen vier von fünf Schuldenindikatoren knapp über den niedrigsten Grenzwerten.

Die wichtigsten Schuldenindikatoren (Stand 2018)

IndikatorAusprägungGrenzwert
Auslandsverschuldung im Verhältnis zum Bruttonationaleinkommen (%)43,840
Auslandsverschuldung im Verhältnis zu den jährlichen Exporteinnahmen (%)163,8150
Jährlicher Schuldendienst im Verhältnis zu den jährlichen Exporteinnahmen (%)15,115
Öffentliche Verschuldung im Verhältnis zum BIP (%)41,650
Öffentliche Verschuldung im Verhältnis zu den öffentlichen Einnahmen (%)276,6200
Auslandsschuldenstand (US-Dollar)33,905 Mrd.
Schuldendienst: Zinsen und Tilgungen an ausländische Gläubiger (US-Dollar)3,037 Mrd.

Erklärung zu den Indikatoren und Grenzwerten

Wer sind die Gläubiger der Dominikanischen Republik?

 

Erklärung der Schuldenkategorien

 Die gesamten Auslandsschulden eines Landes setzen sich aus den Schulden des öffentlichen Sektors und denen des Privatsektors zusammen. Im Diagramm sind öffentliche Schulden mit Vollfarben und private Auslandsschulden schraffiert dargestellt.

Bei den öffentlichen Schulden werden drei Gläubigergruppen unterschieden, nämlich multilaterale öffentliche Gläubiger – das sind vor allem Entwicklungsbanken und der IWF -, bilaterale öffentliche Gläubiger – das sind andere Regierungen – und private Gläubiger.

Bei den beiden öffentlichen Gläubigerkategorien unterscheiden wir zudem nach konzessionären, also zinsgünstigen Krediten zu Entwicklungshilfebedingungen, und Krediten zu Marktbedingungen („nicht-konzessionäre“).

Bei den öffentlichen Schulden bei privaten Gläubigern unterscheiden wir die beiden Hauptinstrumente, nämlich Bankkredite und Anleihen. Diese beiden Instrumente unterscheiden wir auch bei den Auslandsschulden des Privatsektors.

Mehr als drei Viertel der Auslandsschulden der Dominikanischen Republik entfallen auf private Gläubiger, davon der deutlich größere Teil auf den Staat als Schuldner. Dieser ist hauptsächlich am Anleihemarkt verschuldet, während private Unternehmen und Banken sich eher bei ausländischen Geldinstituten verschulden.

Unter den öffentlichen Gläubigern sind die multilateralen deutlich wichtiger als die bilateralen. Konzessionäre Kredite spielen nur noch eine untergeordnete Rolle. Wie in einigen anderen Ländern auch, stimmen auch in der Dominikanischen Republik die Angaben der Weltbank nicht mit denen des Pariser Clubs überein. Während die Weltbank überhaupt nur 309,1 Millionen US-Dollar an Entwicklungshilfeschulden ausweist, beansprucht der Pariser Club allein für seine Mitglieder 697 Millionen US-Dollar in dieser Kategorie. Bescheidene 15 Millionen Euro entfallen davon auf Deutschland.

Trend

In den letzten fünf Jahren waren alle Schuldenindikatoren weitgehend stabil mit einer leichten Tendenz nach oben.

Auffällig ist allerdings das starke Wachstum der Verschuldung mittels Staatsanleihen. Sie hat sich seit 2010 verfünfzehnfacht und von dem dann bereits hohen Niveau allein seit 2015 verdoppelt. Staatsanleihen machen rund die Hälfte aller dominikanischen Auslandsschulden aus.

Bisherige Schuldenerleichterungen für die Dominikanische Republik

Die Dominikanische Republik hat bisher viermal im Pariser Club mit ihren öffentlichen Gläubigern verhandelt. Nur einmal (2001) wurde eine Umschuldung mit leicht vergünstigten Bedingungen gewährt (Houston Terms), während die anderen Umschuldungen zu Classic Terms, also als reine Verlagerung existierender Zahlungsverpflichtungen in die Zukunft, erfolgten, zuletzt 2004 und 2005.

Für die Entschuldungsinitiative für hoch verschuldete arme Länder (engl. Heavily Indebted Poor Countries Initiative, HIPC) war die Dominikanische Republik als Mitteleinkommensland nicht qualifiziert.

1994 profitierte die Dominikanische Republik von einer Umwandlung ihrer Bankenschulden in Anleihen im Rahmen des Brady-Plans. Dabei wurde der Nennwert der Schulden reduziert. 2005 wurden auch existierende Anleihen umgetauscht, allerdings ohne ein Erlasselement.

Aktuelle Risiken für die Schuldentragfähigkeit

Die Dominikanische Republik ist nur zu einem geringen Teil bei Entwicklungshilfegebern verschuldet. Der ganz überwiegende Teil der Schulden besteht zu kommerziellen Bedingungen. Die wichtigste Gläubigergruppe sind private Finanziers, aber auch „harte“ multilaterale Kredite spielen eine nicht unbedeutende Rolle.

Das größte Risiko für die Schuldentragfähigkeit besteht im Moment in dem möglichen Effekt eines Anstiegs globaler Zinssätze. Wegen ihres hohen kontinuierlichen Refinanzierungsbedarfs könnte eine kritische Situation eintreten, wenn es allzu teuer wird, den laufenden Anleihebestand durch die Platzierung neuer Papiere zu finanzieren.

Politische Empfehlungen

Es besteht aktuell kein Umschuldungsbedarf. Allerdings sollten die Behörden gegenüber allzu verlockenden privaten Kreditangeboten an den Kapitalmärkten tendenziell zurückhaltend sein.

 

Stand: Februar 2020

 

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