Dschibuti

Hat Dschibuti ein Schuldenproblem?

Dschibuti hat sich in den letzten drei Jahren im Interesse des Ausbaus seiner Infrastruktur dramatisch verschuldet, insbesondere bei China. Zahlreiche Unwägbarkeiten hinsichtlich der Erfolge der finanzierten Projekte und der allgemeinen wirtschaftlichen Fähigkeit bedrohen die Schuldentragfähigkeit des Landes.

Die wichtigsten Schuldenindikatoren (Stand 2018)

Indikator Ausprägung Grenzwert
Auslandsverschuldung im Verhältnis zum Bruttonationaleinkommen (%) 157,6 40
Auslandsverschuldung im Verhältnis zu den jährlichen Exporteinnahmen (%) 552,3 150
Jährlicher Schuldendienst im Verhältnis zu den jährlichen Exporteinnahmen (%) 57,8 15
Öffentliche Verschuldung im Verhältnis zum BIP (%) 67,4 50
Öffentliche Verschuldung im Verhältnis zu den öffentlichen Einnahmen (%) 223,4 200
Auslandsschuldenstand (US-Dollar) 3,264 Mrd.
Schuldendienst: Zinsen und Tilgungen an ausländische Gläubiger (US-Dollar) 651,3 Mio.

Erklärung zu den Indikatoren und Grenzwerten

Wer sind die Gläubiger von Dschibuti?

 

Erklärung der Schuldenkategorien

 Die gesamten Auslandsschulden eines Landes setzen sich aus den Schulden des öffentlichen Sektors und denen des Privatsektors zusammen. Im Diagramm sind öffentliche Schulden mit Vollfarben und private Auslandsschulden schraffiert dargestellt.

Bei den öffentlichen Schulden werden drei Gläubigergruppen unterschieden, nämlich multilaterale öffentliche Gläubiger – das sind vor allem Entwicklungsbanken und der IWF -, bilaterale öffentliche Gläubiger – das sind andere Regierungen – und private Gläubiger.

Bei den beiden öffentlichen Gläubigerkategorien unterscheiden wir zudem nach konzessionären, also zinsgünstigen Krediten zu Entwicklungshilfebedingungen, und Krediten zu Marktbedingungen („nicht-konzessionäre“).

Bei den öffentlichen Schulden bei privaten Gläubigern unterscheiden wir die beiden Hauptinstrumente, nämlich Bankkredite und Anleihen. Diese beiden Instrumente unterscheiden wir auch bei den Auslandsschulden des Privatsektors.

Dschibutis Auslandsschulden bestehen zu zwei Dritteln von Seiten des Staates. Das letzte Drittel sind Schulden des Privatsektors bei ausländischen Banken. Die öffentlichen Schulden bestehen zum ganz überwiegenden Teil zu Marktkonditionen. Entwicklungshilfekredite spielen, anders als noch vor drei Jahren, fast keine Rolle mehr.

Wie in zahlreichen anderen Ländern auch widersprechen sich die Angaben der Weltbank, die auf Quellen im Schuldnerland zurückgehen, mit denen, die der Pariser Club über die Forderungen seiner Mitglieder ausweist. Letztere beanspruchen demnach 91 Millionen US-Dollar aus der Entwicklungszusammenarbeit, während die Weltbank in dieser Kategorie nur 15,2 Millionen ausweist. Auch mit Angaben des Internationalen Währungsfonds (IWF) über die Höhe der gesamten öffentlichen Auslandsschulden sind die Angaben der Weltbank nicht in Übereinstimmung zu bringen.

Für China sind bis 2017 Kreditauszahlungen in Höhe von 1,467 Milliarden US-Dollar dokumentiert. Das sind 73 Prozent aller seit 2000 getätigten Auszahlungen. Auch wenn nicht bekannt ist, wieviel von den genannten Auszahlungen bereits wieder zurückgezahlt wurde, muss davon ausgegangen werden, dass China mit Abstand der wichtigste Gläubiger des kleinen ostafrikanischen Landes ist.

Deutschland hat keine Forderungen an Dschibuti, seit 2014 die letzten kleinen Beträge zurückgezahlt wurden.

Trend

In den letzten drei Jahren hat sich die Schuldensituation von Dschibuti so drastisch verändert, dass man von zwei unterschiedlichen Ländern zu sprechen scheint. Das liegt zum einen an den gewaltigen Kreditaufnahmen (siehe unten), aber auch daran, dass die Weltbank die Verschuldung des Privatsektors bei ausländischen Banken für das Jahr 2015 seinerzeit noch nicht ausgewiesen hatte. In den aktuellen Zahlen der International Debt Statistics der Weltbank wird indes ausgewiesen, dass diese Forderungen auch damals schon bestanden haben, der Weltbank nur eben nicht bekannt waren.

Alle Schuldenindikatoren haben sich in den vier Jahren von 2015 bis 2018 um mindestens 10 Prozent verschlechtert – einige deutlich dramatischer. Das gilt insbesondere für die Indikatoren, die sich auf die gesamten Auslandsschulden beziehen. Die Schuldendienstquote – Dschibuti zahlt dafür mehr als die Hälfte seiner Hartwährungseinnahmen aus dem Export von Gütern und Dienstleistungen – ist die vierthöchste aller im Schuldenreport 2020 erfassten Länder.

Besonders dramatisch ist der Anstieg der absoluten Zinszahlungen von 35,7 Millionen US-Dollar 2017 auf 407,3 Millionen im Jahr 2018.

Bisherige Schuldenerleichterungen für Dschibuti

Dschibuti hat bislang zweimal im Pariser Club umgeschuldet: 2000 zu Classic Terms, das heißt in Form einer Verlängerung von Zahlungsverpflichtungen in die Zukunft ohne Schuldenerleichterungen, und 2008 in Form einer Zahlungsverlängerung zu verbesserten Konditionen, also mit Schuldenerleichterung unter Houston Terms. Da private Gläubiger bis in die jüngste Vergangenheit noch keine nennenswerte Rolle spielten, gab es mit ihnen auch keine Umschuldungen. Für die Initiative für hoch verschuldete arme Staaten (engl. Heavily Indebted Poor Countries Initiative, HIPC) war Dschibuti nicht qualifiziert.

2019 ist es Dschibuti gelungen, Zahlungsverpflichtungen gegenüber China in Höhe von 800 Millionen US-Dollar jeweils etwa zur Hälfte für den Bau der Bahnlinie nach Addis Abeba und eine Wasserpipeline umzuschulden, so dass der oben ausgewiesene besonders hohe Zinsdienst in 2018 faktisch doch auf mehrere Jahre verteilt werden konnte.

Aktuelle Risiken für die Schuldentragfähigkeit

Der IWF bescheinigt Dschibuti eine „hohe“ Überschuldungsgefahr. Gemeint ist damit, dass nach den Vorhersagen des IWF das Land auch unter dem Basisszenario, welches der IWF für die wahrscheinlichste Entwicklung in den nächsten fünf Jahren hält, wenigstens einen der kritischen Indikatoren überschritten wird. Dabei sind die Schwellenwerte von Weltbank und IWF – abhängig von der Leistungsfähigkeit von Staat und Wirtschaft – teilweise konservativer als die, die erlassjahr.de zugrunde legt.

Der dramatische Anstieg der Auslandsschulden geht vor allem auf die großen Infrastruktur-Vorhaben zurück, die China finanziert hat. Mögliche Probleme entstehen deshalb insbesondere, wo die Beziehungen zu China gestört werden – auch durch Faktoren, auf die Dschibuti keinerlei Einfluss hat, wie etwa eine Abschwächung des Wachstums in China infolge der Corona-Krise.

Politische Empfehlungen

Mit der Umschuldung von Chinas Forderungen hat Dschibuti einen ganz wichtigen Schritt zurück zur Schuldentragfähigkeit getan. Das Land wird seine für China strategisch wichtige Lage weiterhin ausnutzen müssen, um Zahlungsaufschübe und nötigenfalls Schuldenreduzierungen politisch durchzusetzen.

Darüber hinaus sollte es im Falle einer globalen Krise aber auch die multilateralen Ansprüche (von 580 Millionen US-Dollar entfallen mehr als 150 Millionen allein auf die Weltbank) in Frage stellen. Schließlich ist das Land auch Umweltveränderungen infolge des Klimawandels – konkret Dürren und Überschwemmungen – besonders ausgesetzt. Eine mit anderen betroffenen Ländern gemeinsam gestartete Initiative für multilaterale Schuldenerleichterungen im Falle von klimawandelbedingten Naturkatastrophen könnte ein wichtiges Element fiskalischer Stabilität im Krisenfall werden.

 

Stand: März 2020

 

Gefördert durch ENGAGEMENT GLOBAL mit Mitteln des