El Salvador

Hat El Salvador ein Schuldenproblem?

El Salvadors Schuldenindikatoren haben sich auf hohem Niveau stabilisiert, so weit sie sich auf Schuldenstände beziehen. Der laufende Schuldendienst im Verhältnis zu den Exporteinnahmen allerdings liegt auf Rekordniveau und macht das Land verletzlich für externe Schocks – etwa aus einer Verlangsamung des globalen Wachstums infolge der Corona-Krise.

Die wichtigsten Schuldenindikatoren (Stand 2018)

IndikatorAusprägungGrenzwert
Auslandsverschuldung im Verhältnis zum Bruttonationaleinkommen (%)71,140
Auslandsverschuldung im Verhältnis zu den jährlichen Exporteinnahmen (%)225,4150
Jährlicher Schuldendienst im Verhältnis zu den jährlichen Exporteinnahmen (%)45,815
Öffentliche Verschuldung im Verhältnis zum BIP (%)67,150
Öffentliche Verschuldung im Verhältnis zu den öffentlichen Einnahmen (%)311,0200
Auslandsschuldenstand (US-Dollar)17,486 Mrd.
Schuldendienst: Zinsen und Tilgungen an ausländische Gläubiger (US-Dollar)3,482 Mrd.

Erklärung zu den Indikatoren und Grenzwerten

Ende 2018 lagen alle Schuldenindikatoren El Salvadors im kritischen Bereich. Der Auslandsschuldendienst im Verhältnis zu den jährlichen Hartwährungseinahmen aus dem Export von Gütern und Dienstleistungen war sogar der höchste in der ganzen westlichen Hemisphäre.

Wer sind die Gläubiger von El Salvador?

 

Erklärung der Schuldenkategorien

 Die gesamten Auslandsschulden eines Landes setzen sich aus den Schulden des öffentlichen Sektors und denen des Privatsektors zusammen. Im Diagramm sind öffentliche Schulden mit Vollfarben und private Auslandsschulden schraffiert dargestellt.

Bei den öffentlichen Schulden werden drei Gläubigergruppen unterschieden, nämlich multilaterale öffentliche Gläubiger – das sind vor allem Entwicklungsbanken und der IWF -, bilaterale öffentliche Gläubiger – das sind andere Regierungen – und private Gläubiger.

Bei den beiden öffentlichen Gläubigerkategorien unterscheiden wir zudem nach konzessionären, also zinsgünstigen Krediten zu Entwicklungshilfebedingungen, und Krediten zu Marktbedingungen („nicht-konzessionäre“).

Bei den öffentlichen Schulden bei privaten Gläubigern unterscheiden wir die beiden Hauptinstrumente, nämlich Bankkredite und Anleihen. Diese beiden Instrumente unterscheiden wir auch bei den Auslandsschulden des Privatsektors.

Die Schulden des Staates sowie privater Unternehmen und Banken gegenüber privaten ausländischen Gläubigern machen jeweils mehr als ein Drittel der Auslandsschulden El Salvadors aus – wobei der Staat fast nur bei Anleihegläubigern und die privaten Schuldner fast nur bei ausländischen Banken verschuldet sind (siehe Graphik). Das verbleibende Drittel entfällt auf Schulden des Staates bei öffentlichen ausländischen Gläubigern – fast ausschließlich multilaterale Finanzinstitutionen und fast ausschließlich zu Marktkonditionen. Entwicklungshilfeschulden spielen nur noch eine sehr geringe Rolle.

Wie in vielen Ländern stimmen die Angaben des Pariser Clubs über Forderungen seiner Mitglieder an El Salvador nicht mit den Angaben der Weltbank überein. Der Pariser Club weist mit 306 Millionen US-Dollar aus der Entwicklungshilfe doppelt so viele Forderungen aus wie die Weltbank für alle Gläubigerländer. Deutschland war daran mit 84 Millionen Euro beteiligt. China ist kein Gläubiger El Salvadors.

Trend

Alle Schuldenindikatoren haben sich zwischen 2014 und 2018 auf hohem Niveau stabilisiert, mit Ausnahme der Schuldendienstquote, die sich schon von 2016 auf 2017 mehr als verdoppelt hat und heute die höchste in Lateinamerika und der Karibik ist. Hauptverantwortlich war in jenem Jahr der Anstieg der privaten, nicht öffentlich garantierten Schulden um mehr als 2 Milliarden US-Dollar.

Bisherige Schuldenerleichterungen für El Salvador

Im Pariser Club hat El Salvador zum bisher einzigen Mal 1990 verhandelt, und einen Betrag von 143 Millionen US-Dollar zu konzessionären Bedingungen umgeschuldet (Houston Terms). Die Zahlungsverpflichtungen sind inzwischen vollständig beglichen. Deutschland war allerdings nicht unter den beteiligten Gläubigern.

2019 begann die Umsetzung einer Schuldenumwandlung für Gesundheit (engl. Debt2Health-Swap) El Salvadors mit dem Global Fund to Fight AIDS, Tuberculosis and Malaria von Schulden aus der deutschen Entwicklungszusammenarbeit. Aus 20 Millionen US-Dollar Schulden werden so knapp 13 Millionen US-Dollar für den Wiederaufbau des Nationalen Gesundheitslabors in der Hauptstadt San Salvador.

Umschuldungen gegenüber den privaten Gläubigern gab es bislang nicht. Für die Entschuldungsinitiative für hoch verschuldete arme Länder (engl. Heavily Indebted Poor Countries Initiative, HIPC) und die Multilaterale Entschuldungsinitiative (engl. Multilateral Debt Relief Initiative, MDRI) war El Salvador als Mitteleinkommensland nicht qualifiziert.

Aktuelle Risiken für die Schuldentragfähigkeit

Besondere Risiken liegen in der dynamisch wachsenden Verschuldung des salvadorianischen Privatsektors und in den Kosten des von der rechtsgerichteten Regierung der Alianza Republicana Nacionalista (ARENA) privatisierten Pensionssystems.

Die Regierung des seit 2019 amtierenden Präsidenten Nayib Bukele setzt weiterhin auf externe Finanzierungen. Laufender Schuldendienst in Höhe von 800 Millionen US-Dollar wurde durch die erfolgreiche Platzierung einer Staatsanleihe im Umfang von 1 Milliarde US-Dollar finanziert. Diese weist einen Coupon von 7,125 Prozent auf, so dass der Zinsdienst des Landes absehbar hoch bleiben wird. Anfang 2020 destabilisierte sich auch das politische System, als Präsident Bukele das Parlament vom Militär besetzen ließ, um die Verabschiedung eines Nachtragshaushalts für die Beschaffung von militärischer Ausrüstung zu erzwingen.

Dazu kommen Risiken durch die große Abhängigkeit des Landes von den Rücküberweisungen salvadorianischer Migrant*innen in Zeiten, da die US-Regierung diesen massiv mit Deportation droht, sowie schließlich die überdurchschnittliche Empfindlichkeit des salvadorianischen Ökosystems für die Auswirkungen des Klimawandels.

Politische Empfehlungen

Die von der Frente Farabundo Martí para la Liberación Nacional (FMLN) gestellte Vorgängerregierung hatte sich auch im Rahmen der Vereinten Nationen für die Schaffung fairer und transparenter Entschuldungsmöglichkeiten eingesetzt. Mit dem Regierungswechsel sind solche Initiativen zum Erliegen gekommen. Angesichts der zahlreichen externen Schocks, denen El Salvador sich mit seiner hohen Verschuldung ausgesetzt sieht, sollte daran angeknüpft werden.

 

Stand: März 2020

 

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