Grenada

Hat Grenada ein Schuldenproblem?

Nach den Schuldenerleichterungen durch einzelne Gläubiger im Jahr 2015 haben sich Grenadas Schuldenindikatoren verbessert. Trotzdem betrachtet der Internationale Währungsfonds (IWF) das Land weiterhin als im Zahlungsausfall. Szenarien des IWF, nach denen Grenada aus den verbliebenen Schulden herauswachsen kann, bauen auf sehr optimistische Annahmen hinsichtlich des Wachstums, einer ungestörten fiskalischen Konsolidierung und des Ausbleibens der in der Region zu recht gefürchteten Wirbelstürme.

Die wichtigsten Schuldenindikatoren (Stand 2018)

IndikatorAusprägungGrenzwert
Auslandsverschuldung im Verhältnis zum Bruttonationaleinkommen (%)58,540
Auslandsverschuldung im Verhältnis zu den jährlichen Exporteinnahmen (%)97,4150
Jährlicher Schuldendienst im Verhältnis zu den jährlichen Exporteinnahmen (%)8,415
Öffentliche Verschuldung im Verhältnis zum BIP (%)63,150
Öffentliche Verschuldung im Verhältnis zu den öffentlichen Einnahmen (%)240,2200
Auslandsschuldenstand (US-Dollar)644,9 Mio.
Schuldendienst: Zinsen und Tilgungen an ausländische Gläubiger (US-Dollar)47,9 Mio.

Erklärung zu den Indikatoren und Grenzwerten 

Wer sind die Gläubiger von Grenada?

Erklärung der Schuldenkategorien

 Die gesamten Auslandsschulden eines Landes setzen sich aus den Schulden des öffentlichen Sektors und denen des Privatsektors zusammen. Im Diagramm sind öffentliche Schulden mit Vollfarben und private Auslandsschulden schraffiert dargestellt.

Bei den öffentlichen Schulden werden drei Gläubigergruppen unterschieden, nämlich multilaterale öffentliche Gläubiger – das sind vor allem Entwicklungsbanken und der IWF -, bilaterale öffentliche Gläubiger – das sind andere Regierungen – und private Gläubiger.

Bei den beiden öffentlichen Gläubigerkategorien unterscheiden wir zudem nach konzessionären, also zinsgünstigen Krediten zu Entwicklungshilfebedingungen, und Krediten zu Marktbedingungen („nicht-konzessionäre“).

Bei den öffentlichen Schulden bei privaten Gläubigern unterscheiden wir die beiden Hauptinstrumente, nämlich Bankkredite und Anleihen. Diese beiden Instrumente unterscheiden wir auch bei den Auslandsschulden des Privatsektors.

Grenadas Auslandsschulden bestehen ausschließlich auf Seiten des Staates. Grenadische Unternehmen und Banken sind nicht im Ausland verschuldet. Mehr als die Hälfte der Schulden besteht gegenüber multilateralen Finanziers, und zwar ausschließlich zu Entwicklungshilfekonditionen, also niedrigen Zinsen und langen Laufzeiten. Gegenüber anderen Staaten resultieren nach Angaben der Weltbank alle Schulden aus (marktmäßigen) Handelskrediten. Anders als die Weltbank weist der Pariser Club allerdings noch bescheidene 4 Millionen US-Dollar Forderungen aus der Entwicklungszusammenarbeit aus. Deutschland hält keine Forderungen an Grenada. Auch China ist kein Gläubiger Grenadas.

Trend

Infolge der Umschuldungen des Jahres 2015 sind Grenadas Schuldenindikatoren deutlich zurückgegangen.

Bisherige Schuldenerleichterungen für Grenada

Vor der aktuellen Krise hatte Grenada mit dem Pariser Club eine weitgehend wirkungslose Umschuldung im Jahr 2006 vereinbart.

2015 erreichte das Land gegenüber seinen privaten Gläubigern eine Teilumschuldung seiner größten ausstehenden Anleihe, die deren Nennwert um rund 5 Prozent reduzierte. Da auch die Zinsen abgesenkt und Zahlungsfristen gestreckt wurden, bemisst sich die Erleichterung beim Schuldendienst über die gesamte Laufzeit der Anleihe auf rund 50 Prozent. Ebenfalls konnte mit Taiwan eine Schuldenerleichterung in vergleichbarer Größe vereinbart werden. Die Gläubiger des Pariser Clubs lehnten eine Schuldenerleichterung ab und schuldeten stattdessen den eher bescheidenen Betrag von 8 Millionen US-Dollar nur zu ursprünglichen Zinssätzen um. Für die Gläubiger Großbritannien, USA, Russland, Japan war das ein gutes Geschäft, da sie ihre Kredite in Zeiten bereits sehr niedriger Zinssätze zu den ursprünglichen (höheren) Zinssätzen verlängern konnten.

Aktuelle Risiken für die Schuldentragfähigkeit

Da auch nach den Vereinbarungen mit den Anleihegläubigern und mit Taiwan weiterhin Zahlungsrückstände bestehen, betrachtet der IWF Grenada auch Anfang 2020 weiterhin als im Zahlungsverzug. Nennenswerte Folgen für die Außenwirtschaftsbeziehungen des Landes hat dies allerdings nicht.

Der IWF prognostiziert ein Wirtschaftswachstum von 2,7 Prozent pro Jahr im Durchschnitt der kommenden Dekade. Allerdings hat Grenada zwischen 1980 und 2014 allein durch Naturkatastrophen (vor allem Wirbelstürme) Schäden von durchschnittlich 6,9 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung pro Jahr erlitten. Seit 2004 ist das Land von den schweren Wirbelstürmen, die die Nachbarinseln schwer getroffen hatten, verschont geblieben. Eine ähnliche Katastrophe, wie sie 2017 Barbuda und Dominica getroffen hat, könnte diese optimistischen Vorhersagen allerdings über Nacht zu Makulatur werden lassen.

Nachdem VenezuelaVenezuela und sein PetroCaribe-Programm im Zuge der venezolanischen Krise bereits als Unterstützer ausgefallen waren, fürchtet der IWF nun, dass auch die politische Instabilität auf dem nahegelegenen Festland die Wirtschaft der Insel beeinträchtigen könnte.

Politische Empfehlungen

Die Umschuldungen im Jahr 2015 haben gezeigt, dass in den von den Gläubigern beherrschten Verfahren (wie dem Pariser Club) nur sehr begrenzte Schuldenerleichterungen zu erreichen sind. Die Kirchen in Grenada haben deshalb eine umfassende Schuldenkonferenz aller Gläubiger des Landes gefordert. Diese Forderung konnte die Regierung Grenadas nicht durchsetzen.

Grenada sollte nun zusammen mit seinen Nachbarländern auf die Schaffung einer regionalen Entschuldungsinitiative hinwirken, die den fast durchweg hoch verschuldeten Ländern der Ostkaribik für den Fall weiterer externer Schocks die Möglichkeit zu einer fairen und umfassenden Entschuldung einräumen würde.

Weitere Informationen und Material

 

Stand: Februar 2020

 

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