Kamerun

Hat Kamerun ein Schuldenproblem?

Kamerun hat in den letzten Jahren in großem Stil ausländische Kredite aufgenommen, um Haushaltslöcher zu stopfen und Entwicklungsvorhaben zu finanzieren. Der Spielraum, der durch die niedrigen Schuldenstände nach der multilateralen HIPC/MDRI-Entschuldungsinitiative bestand, ist nahezu aufgebraucht, ohne dass der laufende Finanzierungsbedarf – erneut verschärft durch COVID-19 – geringer geworden wäre.

Die wichtigsten Schuldenindikatoren (Stand 2018)

Indikator Ausprägung Grenzwert
Auslandsverschuldung im Verhältnis zum Bruttonationaleinkommen (%) 28,7 40
Auslandsverschuldung im Verhältnis zu den jährlichen Exporteinnahmen (%) 215,7 150
Jährlicher Schuldendienst im Verhältnis zu den jährlichen Exporteinnahmen (%) 10,4 15
Öffentliche Verschuldung im Verhältnis zum BIP (%) 37,7 50
Öffentliche Verschuldung im Verhältnis zu den öffentlichen Einnahmen (%) 239,2 200
Auslandsschuldenstand (US-Dollar) 11,493 Mrd.
Schuldendienst: Zinsen und Tilgungen an ausländische Gläubiger (US-Dollar) 2,406 Mrd.

Erklärung zu den Indikatoren und Grenzwerten

Wer sind die Gläubiger von Kamerun?

CAM Gläubigerprofil 2020.05

Erklärung der Schuldenkategorien

 Die gesamten Auslandsschulden eines Landes setzen sich aus den Schulden des öffentlichen Sektors und denen des Privatsektors zusammen. Im Diagramm sind öffentliche Schulden mit Vollfarben und private Auslandsschulden schraffiert dargestellt.

Bei den öffentlichen Schulden werden drei Gläubigergruppen unterschieden, nämlich multilaterale öffentliche Gläubiger – das sind vor allem Entwicklungsbanken und der IWF -, bilaterale öffentliche Gläubiger – das sind andere Regierungen – und private Gläubiger.

Bei den beiden öffentlichen Gläubigerkategorien unterscheiden wir zudem nach konzessionären, also zinsgünstigen Krediten zu Entwicklungshilfebedingungen, und Krediten zu Marktbedingungen („nicht-konzessionäre“).

Bei den öffentlichen Schulden bei privaten Gläubigern unterscheiden wir die beiden Hauptinstrumente, nämlich Bankkredite und Anleihen. Diese beiden Instrumente unterscheiden wir auch bei den Auslandsschulden des Privatsektors.

Kameruns Gläubigerprofil hat sich in den letzten drei Jahren dramatisch verändert. Wichtigste Gläubigergruppen sind die bilateralen öffentlichen Gläubiger. Deren konzessionäre Forderungen sind deutlich zurückgegangen, aber die Forderungen zu Marktbedingungen sind geradezu explodiert. Das hängt mit den umfangreichen nicht-konzessionären Krediten aus China zusammen, die seit 2000 über 5 Milliarden US-Dollar betragen. Davon wurde zwar ein Teil bereits erlassen (s.u.), aber es ist immer noch davon auszugehen, dass China mit Abstand der bedeutendste bilaterale Financier ist. Im Bereich der konzessionären Schulden weist der Pariser Club für seine Mitglieder mehr Forderungen aus als die Weltbank für alle Gläubiger in dieser Kategorie. Diese Inkohärenz lässt sich bei zahlreichen Ländern beobachten und kann nicht aufgelöst werden.

Weniger als 10 Prozent aller Auslandsschulden Kameruns entfallen auf den privaten Sektor.

Trend

Zwischen 2014 und 2018 haben sich die Schulden Kameruns in etwa verdoppelt. Aus einem damals noch sehr niedrig verschuldeten Land ist eines geworden, das sich bereits wieder für eine neuerliche HIPC-Initiative qualifizieren könnte, wenn es sie gäbe.

Am dramatischsten war die Zunahme bei den nicht-konzessionären bilateralen Schulden. Dafür sind die Schulden aus der Entwicklungszusammenarbeit sogar zurückgegangen.

Bisherige Schuldenerleichterungen für Kamerun

Kamerun hat 2000 den Decision Point und 2006 den Completion Point im Rahmen der Multilateralen Entschuldungsinitiative HIPC erreicht. 2006 wurden dann auch nach HIPC verbliebene Forderungen der Internationalen Entwicklungsorganisation (IDA), des Internationalen Währungsfonds (IWF) und des Afrikanischen Entwicklungsfonds (AfDF) im Rahmen der MDRI gestrichen. Insgesamt wurden rund 7 Milliarden US-Dollar erlassen, was Kamerun in absoluten Zahlen zu einem der am meisten von HIPC/MDRI begünstigten Länder macht.

Zwischen 1988 und der HIPC-Entschuldung 2006 hat Kamerun sieben Vereinbarungen mit dem Pariser Club getroffen. Lediglich die letzte (HIPC-)Vereinbarung ist noch nicht vollständig zurückgezahlt.

2002 und 2003 wurden auch Schulden bei privaten Banken im Rahmen zweier von der Weltbank und anderen Gebern unterstützter Schuldenrückkäufe reduziert. Dies waren Optionen, die Kamerun im Rahmen seiner HIPC-Entschuldung in Anspruch genommen hat.

China hat zwischen 2001 und 2019 bei sechs Gelegenheiten mindestens 174 Millionen US-Dollar erlassen.

Aktuelle Risiken für die Schuldentragfähigkeit

Kamerun muss dringend den in den letzten Jahren rasanten Anstieg seiner Auslandsverschuldung bremsen, wenn es nicht auf die nächste Schuldenkrise zusteuern will. Seine Spielräume dafür sind insofern begrenzt, als seine Hartwährungseinnahmen zu rund 20 Prozent vom Ölpreis abhängen, der vermutlich auf absehbare Zeit niedrig bleiben wird.

Problematisch ist zudem die Neigung der Regierung, durch den Rohstoffpreisverfall entstandene Haushaltslöcher nicht mehr durch die nur noch schwer zugänglichen konzessionären Kredite zu decken, sondern vielmehr durch relativ teure Kredite, die sowohl von China als auch von privaten Geldgebern bereitwillig angeboten werden.

Islamistische Gewalt aus den Nachbarländern sowie der lange unterdrückte Konflikt zwischen dem größeren französischsprachigen und dem kleineren englischsprachigen Teil des Landes sind weitere potenzielle Quellen sozialer und wirtschaftlicher Destabilisierung.

COVID-19 wird Kamerun spürbar treffen. Der IWF hat im Mai 2020 einen zinsgünstigen Notfallkredit von 226 Millionen US-Dollar zur Verfügung gestellt, welcher den Schuldenstand naturgemäß weiter erhöht.

Politische Empfehlungen

Die Regierung sollte bei der ausländischen Kreditaufnahme deutlich zurückhaltender agieren als in den letzten Jahren. Sie sollte Initiativen unterstützen, welche im Rahmen der Afrikanischen Union oder der Vereinten Nationen auf die Schaffung wirksamer Entschuldungsmöglichkeiten im Krisenfall abzielen.

 

Stand: Mai 2020

 

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