Komoren

Haben die Komoren ein Schuldenproblem?

Vor der von COVID-19 ausgelösten Rezession lagen die Schuldenstände im Verhältnis zur Wirtschaftsleistung durchweg unter den kritischen Grenzwerten. Dadurch, dass fast alle Schulden zu zinsgünstigen Bedingungen aufgenommen wurden, war der laufende Schuldendienst sehr niedrig und stellte keine spürbare Belastung der öffentlichen Haushalte oder der Leistungsbilanz dar. Das hat sich mit der 2020 einsetzenden Rezession geändert, ohne dass schon abzusehen wäre, wie nachhaltig die Volkswirtschaft der Komoren geschädigt wird.

Die wichtigsten Schuldenindikatoren (Stand 2018)

Indikator Ausprägung Grenzwert
Auslandsverschuldung im Verhältnis zum Bruttonationaleinkommen (%) 16,5 40
Auslandsverschuldung im Verhältnis zu den jährlichen Exporteinnahmen (%) 143,2 150
Jährlicher Schuldendienst im Verhältnis zu den jährlichen Exporteinnahmen (%) 3,2 15
Öffentliche Verschuldung im Verhältnis zum BIP (%) 31,2 50
Öffentliche Verschuldung im Verhältnis zu den öffentlichen Einnahmen (%) 110,1 200
Auslandsschuldenstand (US-Dollar) 191,1 Mio.
Schuldendienst: Zinsen und Tilgungen an ausländische Gläubiger (US-Dollar) 3,0 Mio.

Erklärung zu den Indikatoren und Grenzwerten

Wer sind die Gläubiger der Komoren?

COM Gläubigerprofil 2020.06

Erklärung der Schuldenkategorien

 Die gesamten Auslandsschulden eines Landes setzen sich aus den Schulden des öffentlichen Sektors und denen des Privatsektors zusammen. Im Diagramm sind öffentliche Schulden mit Vollfarben und private Auslandsschulden schraffiert dargestellt.

Bei den öffentlichen Schulden werden drei Gläubigergruppen unterschieden, nämlich multilaterale öffentliche Gläubiger – das sind vor allem Entwicklungsbanken und der IWF -, bilaterale öffentliche Gläubiger – das sind andere Regierungen – und private Gläubiger.

Bei den beiden öffentlichen Gläubigerkategorien unterscheiden wir zudem nach konzessionären, also zinsgünstigen Krediten zu Entwicklungshilfebedingungen, und Krediten zu Marktbedingungen („nicht-konzessionäre“).

Bei den öffentlichen Schulden bei privaten Gläubigern unterscheiden wir die beiden Hauptinstrumente, nämlich Bankkredite und Anleihen. Diese beiden Instrumente unterscheiden wir auch bei den Auslandsschulden des Privatsektors.

Alle Auslandsschulden der Komoren bestehen auf Seiten des Staates. Komorische Privatpersonen, Unternehmen und Banken sind nicht im Ausland verschuldet.

Die Komoren haben keine Schulden bei Privatgläubigern, sondern ausschließlich bei offiziellen Geldgebern, und dort auch fast nur zu Entwicklungshilfebedingungen. Die Schulden bestehen grob zu gleichen Teilen gegenüber multilateralen und bilateralen Gläubigern. In beiden Kategorien sind erst nach 2015 in sehr begrenztem Umfang nicht-konzessionäre Kredite dazugekommen. Auf der bilateralen Seite sind das Mitglieder des Pariser Clubs, prominent Frankreich.

Zu den Gebern konzessionärer Kredite gehören dagegen die traditionellen Unterstützer der Komoren, namentlich Kuwait, Saudi Arabien, Indien und China. Deutschland hält keine Forderungen an die Komoren.

Unter den multilateralen Gebern ist der African Development Fund, der zur Afrikanischen Entwicklungsbank (AfDB) gehört, der wichtigste. Dazu kommt der Internationale Währungsfonds (IWF), der 2019 nach den Zerstörungen durch den Zyklon „Kenneth“ 12,3 Millionen US-Dollar aus seiner zinsgünstigen Katastrophenhilfe-Fazilität RCF (engl. Rapid Credit Facility) bewilligt hat, welche sich in den Überblickszahlen der Tabelle noch nicht wiederfinden.

Trend

Nach der Entschuldung 2012 waren die Komoren fast schuldenfrei. Seither sind alle Indikatoren spürbar angestiegen, liegen aber weiterhin durchweg unter den niedrigsten kritischen Grenzwerten.

Der IWF geht für 2020 von einer Schrumpfung der komorischen Volkswirtschaft um 1,2 Prozent aus, was in der Vorhersage des Fonds dazu führt, dass ein erster Indikator (Schuldenstand zu Exporteinnahmen) erstmals wieder den niedrigsten Grenzwert überschreitet. Ab 2021 wird wieder ein positives Wachstum erwartet, allerdings mit gleichwohl weiter steigenden Schuldenindikatoren.

Bisherige Schuldenerleichterungen für die Komoren

Die Komoren erhielten 2012 eine Schuldenerleichterung unter der multilateralen HIPC/MDRI-Entschuldungsinitiative, die den nominalen Schuldenstand um etwa zwei Fünftel reduzierte. Bis Ende 2019 hat seither keiner der Indikatoren die niedrigsten Grenzwerte überschritten.

Im Pariser Club waren 2009, 2012 und 2013 Vereinbarungen mit den damaligen öffentlichen Gläubigern getroffen worden, die sich aber schon an den Vorgaben der HIPC-Initiative orientierten (Naples Terms und Cologne Terms). 2012 wurden die Forderungen der Club-Mitglieder dann vollständig gestrichen.

Im April 2020 kamen die Komoren in den Genuss einer Schuldenstreichung in Höhe von 1,2 Millionen US-Dollar durch den IWF im Rahmen von dessen Katastrophenfonds (Catastrophe Containment and Relief Trust, CCRT), welcher den Schuldendienst zwischen Mai und Oktober 2020 der ärmsten und von COVID-19 betroffenen Ländern übernahm.

Die Komoren qualifizieren sich auch für das von den G20 und dem Pariser Club für das Jahr 2020 ausgesprochene Schuldenmoratorium und haben dieses mit einer Vereinbarung mit dem Pariser Club am 15. Juni 2020 auch in Anspruch genommen.

Aktuelle Risiken für die Schuldentragfähigkeit

Die Komoren gehören zu den am wenigsten entwickelten Ländern und sind extrem anfällig für externe Schocks klimatischer, ökonomischer oder politischer Art. Die Exporte beschränken sich auf wenige landwirtschaftliche Produkte. Hartwährung kommt vor allem im Rahmen von Entwicklungszusammenarbeit ins Land. Aus diesem Grund bewertet der IWF das Überschuldungsrisiko der Komoren aktuell als “mittel”, obwohl sämtliche Schuldenindikatoren unter den niedrigsten Grenzwerten liegen.

Angesichts der Bedeutung der Neukreditaufnahme zur Bewältigung der von COVID-19 ausgelösten Rezession sind die Komoren trotz der vergleichsweise niedrigen Indikatoren überschuldungsgefährdet.

Politische Empfehlungen

Die Komoren sollten sich zusammen mit weiteren COVID-19-betroffenen Staaten dafür einsetzen, dass das zwischenzeitlich gewährte Moratorium ab 2021 in echte Schuldenerleichterungen auf der Grundlage realistischer Schuldentragfähigkeitsanalysen überführt wird.

 

Stand: Juni 2020

 

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