Laos

Hat Laos ein Schuldenproblem?

Laos weist hohe Schuldenstandindikatoren und ein hohes Überschuldungsrisiko auf.

Die wichtigsten Schuldenindikatoren (Stand 2018)

IndikatorWertGrenzwert
Auslandsverschuldung im Verhältnis zum Bruttonationaleinkommen (%)90,240
Auslandsverschuldung im Verhältnis zu den jährlichen Exporteinnahmen (%)245,4150
Jährlicher Schuldendienst im Verhältnis zu den jährlichen Exporteinnahmen (%)14,615
Öffentliche Verschuldung im Verhältnis zum BIP (%)63,050
Öffentliche Verschuldung im Verhältnis zu den öffentlichen Einnahmen (%)358,8200
Auslandsschuldenstand (US-Dollar)15,588 Mrd.
Schuldendienst: Zinsen und Tilgungen an ausländische Gläubiger (US-Dollar)926,1 Mio.
 

Erklärung zu den Indikatoren und Grenzwerten

Wer sind die Gläubiger von Laos?

LAO Gläubigerprofil 2020-07

Erklärung der Schuldenkategorien

 Die gesamten Auslandsschulden eines Landes setzen sich aus den Schulden des öffentlichen Sektors und denen des Privatsektors zusammen. Im Diagramm sind öffentliche Schulden mit Vollfarben und private Auslandsschulden schraffiert dargestellt.

Bei den öffentlichen Schulden werden drei Gläubigergruppen unterschieden, nämlich multilaterale öffentliche Gläubiger – das sind vor allem Entwicklungsbanken und der IWF -, bilaterale öffentliche Gläubiger – das sind andere Regierungen – und private Gläubiger.

Bei den beiden öffentlichen Gläubigerkategorien unterscheiden wir zudem nach konzessionären, also zinsgünstigen Krediten zu Entwicklungshilfebedingungen, und Krediten zu Marktbedingungen („nicht-konzessionäre“).

Bei den öffentlichen Schulden bei privaten Gläubigern unterscheiden wir die beiden Hauptinstrumente, nämlich Bankkredite und Anleihen. Diese beiden Instrumente unterscheiden wir auch bei den Auslandsschulden des Privatsektors.

Laos’ Auslandsschulden entfallen zu etwas mehr als der Hälfte auf den Staat. Der Rest sind Schulden privater Bürger, Banken und Unternehmen. Diese sind überwiegend bei ausländischen Privatbanken verschuldet. Anleihen spielen nur eine geringe Rolle. Die Auslandsschulden des Staates bestehen ganz überwiegend gegenüber bilateralen öffentlichen Gläubigern. Mit Abstand der wichtigste bilaterale Gläubiger ist China, dessen Forderungen an Laos mit 4,2 Milliarden US-Dollar mehr als doppelt so hoch sind wie die aller anderen Regierungen zusammen. Aus dem Pariser Club ist allein Japan mit rund 160 Millionen US-Dollar ein bedeutender Gläubiger. Deutschland hält keine Forderungen an Laos.

Die bedeutendsten privaten ausländischen Gläubigerbanken sind erstaunlicherweise aus Österreich mit rund 151 Millionen US-Dollar. Diese und die erheblichen Schulden bei Anleihezeichnern dienten vor allem dem Ausbau großer Infrastrukturprojekte in den Bereichen Verkehr und Energiegewinnung. Häufig haben sie die Rechtsform öffentlich privater Partnerschaften, welche den Staat im Verlustfall in die Pflicht nehmen.

Trend

Vier der fünf Schuldenindikatoren von Laos haben sich von 2015 bis 2018 um mindestens 10 Prozent verschlechtert.

Bisherige Schuldenerleichterungen für Laos

Laos hat bislang noch niemals seine Verbindlichkeiten bei öffentlichen oder privaten Gläubigern umgeschuldet. Allerdings gab es im Jahr 2007 eine bilaterale Vereinbarung mit Russland über die Streichung von 70 Prozent der umgerechnet rund 1,3 Milliarden US-Dollar Altschulden bei der Sowjetunion.

Laos gehört zu den Ländern, denen die G20 im April 2020 ein Schuldenmoratorium angeboten haben. Dieses würde bis zum Jahresende 2020 rund 270 Millionen US-Dollar an Schuldendienst in den Zeitraum 2022 bis 2024 verschieben. Allerdings hat die laotische Regierung das Angebot abgelehnt.

Aktuelle Risiken für die Schuldentragfähigkeit

Im April 2017 stufte der Internationale Währungsfonds (IWF) Laos’ Überschuldungsrisiko herauf und zwar von “mittel” auf “hoch”. Das bedeutet, dass der IWF damit rechnet, dass Laos auch unter dem zuletzt Ende 2019 für wahrscheinlich gehaltenen “Basisszenario” der künftigen wirtschaftlichen Entwicklung kritische Schuldengrenzen anhaltend überschreitet und möglicherweise zahlungsunfähig wird.

Das schnelle Wachstum der Schulden wird nur so lange nicht zur Krise führen, wie das Wachstum der Gesamtwirtschaft die vorgesehenen Quoten um die 7 Prozent erreicht. Das ist mit dem COVID-19 bedingten Einbruch nicht länger der Fall: Der IWF geht in einer ersten vorsichtigen Schätzung von einem Wirtschaftswachstum von 0,7 Prozent im Jahr 2020 aus. Unsicherheitsfaktoren resultieren aus der hohen Abhängigkeit vom Handel mit den Nachbarn, vor allem China. Wenn die großen Infrastrukturinvestitionen nicht wie geplant ausreichend Hartwährungseinnahmen generieren können, werden die unzureichenden Währungsreserven von nur 1,5 Monaten laufender Zahlungsverpflichtungen schnell aufgebraucht sein.

Der spürbare Rückgang des Anteils konzessionärer Kredite am gesamten Schuldenstand lässt den laufenden Schuldendienst im Verhältnis zu den Hartwährungseinnahmen beständig ansteigen.

Politische Empfehlungen

Der IWF sah vor dem Ausbruch der Corona-Pandemie 2020 die Notwendigkeit spürbarer Einsparungen in öffentlichen Haushalten, um dadurch das Verhältnis von Schulden und Wirtschaftsleistung wieder abzusenken. Wegen seiner hohen Abhängigkeit von einem anhaltenden Wirtschaftswachstum sollte Laos mit diesen Empfehlungen sehr vorsichtig verfahren. 2017 brach das Wachstum um fast einen Prozentpunkt ein, als die Regierung sich entschloss, gegen den illegalen Holzeinschlag vorzugehen. Schuldenrestrukturierungen sollten deshalb trotz der Ablehnung des G20-Moratoriums eine Option sein, die die Regierung sich offen hält.

 

Stand: Juli 2020

 

Gefördert durch ENGAGEMENT GLOBAL mit Mitteln des