Madagaskar

Hat Madagaskar ein Schuldenproblem?

Madagaskar ist akut nicht von Zahlungsunfähigkeit bedroht und weist insgesamt stabile Schuldenindikatoren auf. Der Internationale Währungsfonds (IWF) geht davon aus, dass es auch die Corona-Krise meistern wird, ohne erneut in eine Schuldenkrise zu geraten. Unabsehbar sind indes die Folgen des Klimawandels für die Schuldentragfähigkeit.

Die wichtigsten Schuldenindikatoren (Stand 2018)

IndikatorAusprägungGrenzwert
Auslandsverschuldung im Verhältnis zum Bruttonationaleinkommen (%)31,840
Auslandsverschuldung im Verhältnis zu den jährlichen Exporteinnahmen (%)84,5150
Jährlicher Schuldendienst im Verhältnis zu den jährlichen Exporteinnahmen (%)2,715
Öffentliche Verschuldung im Verhältnis zum BIP (%)39,750
Öffentliche Verschuldung im Verhältnis zu den öffentlichen Einnahmen (%)265,8200
Auslandsschuldenstand (US-Dollar)3,716 Mrd.
Schuldendienst: Zinsen und Tilgungen an ausländische Gläubiger (US-Dollar)119,8 Mio.

Erklärung zu den Indikatoren und Grenzwerten

Alle Indikatoren bis auf die öffentlichen Schulden im Verhältnis zu den Staatseinnahmen liegen knapp oder deutlich unterhalb kritischer Grenzwerte. Die hohen öffentlichen Schulden resultieren aus der relativ hohen inländischen Verschuldung des Staates.

Wer sind die Gläubiger von Madagaskar?

MDA Gläubigerprofil 2020.07

Erklärung der Schuldenkategorien

 Die gesamten Auslandsschulden eines Landes setzen sich aus den Schulden des öffentlichen Sektors und denen des Privatsektors zusammen. Im Diagramm sind öffentliche Schulden mit Vollfarben und private Auslandsschulden schraffiert dargestellt.

Bei den öffentlichen Schulden werden drei Gläubigergruppen unterschieden, nämlich multilaterale öffentliche Gläubiger – das sind vor allem Entwicklungsbanken und der IWF -, bilaterale öffentliche Gläubiger – das sind andere Regierungen – und private Gläubiger.

Bei den beiden öffentlichen Gläubigerkategorien unterscheiden wir zudem nach konzessionären, also zinsgünstigen Krediten zu Entwicklungshilfebedingungen, und Krediten zu Marktbedingungen („nicht-konzessionäre“).

Bei den öffentlichen Schulden bei privaten Gläubigern unterscheiden wir die beiden Hauptinstrumente, nämlich Bankkredite und Anleihen. Diese beiden Instrumente unterscheiden wir auch bei den Auslandsschulden des Privatsektors.

Madagaskars wichtigste Gläubiger sind multilaterale Entwicklungshilfegeber, namentlich die Internationale Entwicklungsorganisation (IDA) und der Afrikanische Entwicklungsfonds (AfDF). Zusammen mit den sehr günstigen Bedingungen der bilateralen Entwicklungshilfegeber sorgt dies dafür, dass die Belastung durch den laufenden Schuldendienst im Verhältnis zum gesamten Schuldenstand sehr niedrig ist. Allerdings wachsen die nicht-konzessionären Schulden in allen Kategorien.

Von den bilateralen Schulden entfällt weniger als ein Drittel der nicht-konzessionären Schulden aus Exportgeschäften auf die traditionellen Geber des Pariser Clubs. Wesentlich wichtiger ist China, das bis 2017 Kredit in Höhe von 435 Millionen US-Dollar vergeben hat. Die aktuelle Schuldenhöhe gegenüber China nach Abzug der bereits geleisteten Rückzahlungen ist allerdings nicht bekannt.

Von den Entwicklungshilfeschulden entfallen drei Viertel auf die Mitglieder des Pariser Clubs. Deutschland hält keine Forderungen an Madagaskar.

Schulden bei privaten Banken – sowohl solche des Staates als auch solche von madagassischen Unternehmen – spielen eine für afrikanische Niedrigeinkommensländer relativ große Rolle. Ab 2013 und dann noch stärker ab 2015 hat der madagassische Staat private Banken als Finanzquellen “wiederentdeckt”. Am internationalen Anleihenmarkt ist Madagaskar indes nicht aktiv.

Trend

Seit der Entschuldung im Rahmen der multilateralen Entschuldungsinitiativen (HIPC/MDRI-Initiativen 2004 und 2005) sind die Schuldenindikatoren Madagaskars im Großen und Ganzen stabil.

Bisherige Schuldenerleichterungen für Madagaskar

Madagaskar hat 2000 den Decision Point und 2004 den Completion Point unter der multilateralen HIPC-Entschuldungsinitiative erreicht. Der Schuldenstand wurde durch die HIPC-Initiative und im darauffolgenden Jahr als zusätzliche Entlastung durch die MDRI von durchschnittlich mehr als 100 Prozent in den Vorjahren auf die heutige Größenordnung von rund 30 Prozent des Bruttoinlandsprodukts reduziert.

Vor den beiden deutlichen Schuldenreduzierungen im Pariser Club nach den Vorgaben der HIPC-Initiative 2001 und 2004 hatte das Land bereits neun Mal mit dem Gläubigerkartell verhandelt. Bei fünf Runden zwischen 1981 und 1986 waren überhaupt keine Erlasse, sondern nur Zahlungsverlängerungen gewährt worden. Ab 1988 wurden dann jeweils zunehmende, aber stets unzulängliche Schuldenerleichterungen gewährt.

Madagaskar wurde im April 2020 von den G20 ein Schuldenmoratorium zur Eindämmung der Corona-Pandemie im Rahmen des multilateralen Schuldenmoratoriums (engl. Debt Service Suspension Initiative, DSSI) angeboten. Dies hat die Regierung angenommen. Sie wird dadurch im Jahr 2020 Zinsen und Tilgungen in Höhe von 24 Millionen US-Dollar an die G20-Mitglieder nicht leisten (aber in den Jahren 2022 bis 2024 nachzahlen) müssen. Das sind etwa 5 Prozent des gesamten 2020 fälligen Schuldendienstes.

Aktuelle Risiken für die Schuldentragfähigkeit

Im Juli 2019 stufte der IWF das Überschuldungsrisiko Madagaskars von „mittel“ auf niedrig“ herab und honorierte damit die insgesamt stabile und entspannte Schuldensituation. Diese positive Einschätzung hat der IWF auch im April 2020 aufrechterhalten, obwohl er davon ausgeht, dass durch Einbrüche beim Tourismus sowie beim Export von Rostoffen und Fertigwaren die Wirtschaft des Landes getroffen werden wird.

Über den Auswirkungen der COVID-19-Pandemie wird leicht übersehen, dass Madagaskar zu den durch den Klimawandel am stärksten bedrohten Staaten der Erde gehört. Im Klima-Risiko-Index von Germanwatch liegt das Land auf Platz 4 unter allen Staaten der Erde.

Politische Empfehlungen

Als ein für externe Schocks besonders empfindliches Land sollte Madagaskar sich für die Schaffung eines Entschuldungsmechanismus für Katastrophenfälle, wie er zuletzt auch im Rahmen des Financing for Development Prozesses in den Vereinten Nationen diskutiert wurde, einsetzen.

 

Stand: Juli 2020

 

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