Malawi

Hat Malawi ein Schuldenproblem?

Malawi hat kein gravierendes Auslandsschuldenproblem, aber der Staat ist, wenn man inländische und ausländische Schulden zusammenrechnet, leicht kritisch verschuldet.

Die wichtigsten Schuldenindikatoren (Stand 2018)

IndikatorAusprägungGrenzwert
Auslandsverschuldung im Verhältnis zum Bruttonationaleinkommen (%)32,240
Auslandsverschuldung im Verhältnis zu den jährlichen Exporteinnahmen (%)174,8150
Jährlicher Schuldendienst im Verhältnis zu den jährlichen Exporteinnahmen (%)5,715
Öffentliche Verschuldung im Verhältnis zum BIP (%)61,350
Öffentliche Verschuldung im Verhältnis zu den öffentlichen Einnahmen (%)260,5200
Auslandsschuldenstand (US-Dollar)2,266 Mrd.
Schuldendienst: Zinsen und Tilgungen an ausländische Gläubiger (US-Dollar)72,6 Mio.

Erklärung zu den Indikatoren und Grenzwerten

Wer sind die Gläubiger von Malawi?

MAW Gläubigerprofil 2020-09

Erklärung der Schuldenkategorien

 Die gesamten Auslandsschulden eines Landes setzen sich aus den Schulden des öffentlichen Sektors und denen des Privatsektors zusammen. Im Diagramm sind öffentliche Schulden mit Vollfarben und private Auslandsschulden schraffiert dargestellt.

Bei den öffentlichen Schulden werden drei Gläubigergruppen unterschieden, nämlich multilaterale öffentliche Gläubiger – das sind vor allem Entwicklungsbanken und der IWF -, bilaterale öffentliche Gläubiger – das sind andere Regierungen – und private Gläubiger.

Bei den beiden öffentlichen Gläubigerkategorien unterscheiden wir zudem nach konzessionären, also zinsgünstigen Krediten zu Entwicklungshilfebedingungen, und Krediten zu Marktbedingungen („nicht-konzessionäre“).

Bei den öffentlichen Schulden bei privaten Gläubigern unterscheiden wir die beiden Hauptinstrumente, nämlich Bankkredite und Anleihen. Diese beiden Instrumente unterscheiden wir auch bei den Auslandsschulden des Privatsektors.

Malawi ist ausschließlich staatlicherseits im Ausland verschuldet. Malawische Banken und Unternehmen haben keine Schulden im Ausland. Die Auslandsschulden des Staates bestehen zu drei Vierteln gegenüber multilateralen und zu einem Viertel gegenüber bilateralen Gläubigern.

Unter den multilateralen Gläubigern sind die bedeutenden in dieser Reihenfolge die Internationale Entwicklungsorganisation (IDA), die Afrikanische Entwicklungsbank und der Internationale Währungsfonds (IWF). Größter bilateraler Gläubiger ist China, gefolgt von Indien und Kuwait. Aus dem Pariser Club hat nur Belgien bescheidene Forderungen an Malawi.

Trend

Malawis Auslandsschulden-Indikatoren sind seit 2015 sämtlich um mehr als 10 Prozent gestiegen, liegen allerdings noch immer im unproblematischen oder allenfalls leicht kritischen Bereich. Das liegt allerdings aktuell auch daran, dass von 2016 bis 2018 die Wirtschaft erfolgreich gewachsen ist, denn auch die absolute Verschuldung hat deutlich zugelegt. Der Schuldenstand im Verhältnis zu den Hartwährungseinnahmen aus dem Export von Gütern und Dienstleistungen liegt seit der multilateralen HIPC-Entschuldungsinitiative erstmals wieder über dem damaligen Grenzwert.

In der bislang einzigen post-Corona Schuldentragfähigkeitsanalyse des IWF vom April geht dieser davon aus, dass die Wirtschaft auch im Krisenjahr 2020 um wenigstens 1 Prozent wächst; entsprechend milde fällt auch der für 2020 und 2021 vorhergesagte Anstieg der Schuldenindikatoren aus.

Bisherige Schuldenerleichterungen für Malawi

Malawi hat 2000 den Decision Point und 2006 den Completion Point der multilateralen HIPC-Entschuldungsinitiative erreicht. In den 1980er Jahren hatte Malawi drei Mal im Pariser Club umgeschuldet, wobei nur Zahlungsverpflichtungen in die Zukunft verschoben und zu laufenden Zinnsätzen weiter verteuert wurden (Classic Terms). 2001 und 2006 leistete der Pariser Club seine Beiträge zur Umsetzung der HIPC-Initiative unter Cologne Terms (Streichung von 90 Prozent und teilweise 100 Prozent der ausstehenden bilateralen Forderungen). 1983 und 1988 wurden insgesamt knapp 100 Millionen US-Dollar an öffentlichen Schulden bei privaten Banken umgeschuldet.

Im April 2020 hat sich Malawi für die Übernahme des Schuldendienstes an den IWF durch dessen Catastrophe Containment and Relief Trust (CCRT) qualifiziert. Fällige Zahlungen an den IWF bis Oktober 2020 in Höhe von 5,2 Millionen US-Dollar wurden dadurch faktisch erlassen. Im Mai hat die Regierung beschlossen, auch das von den G20 angebotene Schuldenmoratorium in Anspruch zu nehmen. 17,1 Millionen US-Dollar müssen dadurch bis Jahresende an die bilateralen Gläubiger, mit Ausnahme von Kuwait und den Vereinigten Arabischen Emiraten, nicht gezahlt werden. Allerdings ist deren Begleichung nur bis zu den Jahren 2022-2024 aufgeschoben.

Aktuelle Risiken für die Schuldentragfähigkeit

Der IWF bescheinigte Malawi vor Corona ein “mittleres” Überschuldungsrisiko. Das heißt: nach den Vorhersagen des IWF bleibt das Land im wahrscheinlichsten (Baseline) Szenario unter den kritischen Grenzwerten, überschreitet aber mindestens einen Grenzwert in mindestens einem der routinemäßig durchgerechneten Krisenszenarien. Risiken sieht der IWF hauptsächlich in klimatischen Unwägbarkeiten (Malawi wird in der Zukunft extremere Wetterlagen gewärtigen müssen) sowie in unvollkommener Umsetzung seiner Wirtschaftsprogramme aufgrund schwacher Regierungsführung. Die von COVID-19 ausgelöste Rezession stellt für Malawi nur ein im internationalen Vergleich eher geringes Risiko dar.

Die zuletzt stark angewachsenen Inlandsschulden sind auf die Deckung der öffentlichen Haushaltsdefizite über den heimischen Kapitalmarkt, die Verbriefung alter Zahlungsrückstände des Staates im Inland sowie die Rekapitalisierung der Zentralbank und einer öffentlichen Bank zurückzuführen.

Politische Empfehlungen

Wegen des relativ hohen Gewichts der inländischen Schulden sind die Spielräume zur Entlastung des Landes über externe Schuldenerleichterungen begrenzt. Forderungen nach einer Reduzierung des Auslandsschuldenstands müssten sich auf die starke Gefährdung des Landes durch Klimaveränderungen beziehen.

 

Stand: September 2020

 

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