Mauritius

Hat Mauritius ein Schuldenproblem?

Mauritius weist sehr hohe Auslandsschulden im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt auf. Das ist nur solange unproblematisch, wie das weltmarktintegrative Geschäftsmodell des Landes ungestört funktioniert. Das droht durch die Folgen der COVID-19-Pandemie nun zusammenzubrechen.

Der mauritische Staat wies schon vor COVID-19 stark steigende Schuldenindikatoren auf, auch wenn die öffentliche Verschuldung immer noch deutlich geringer ist als die private.

Die wichtigsten Schuldenindikatoren (Stand 2018)

Indikator Ausprägung Grenzwert
Auslandsverschuldung im Verhältnis zum Bruttonationaleinkommen (%) 71,8 40
Auslandsverschuldung im Verhältnis zu den jährlichen Exporteinnahmen (%) 81,1 150
Jährlicher Schuldendienst im Verhältnis zu den jährlichen Exporteinnahmen (%) 23,3 15
Öffentliche Verschuldung im Verhältnis zum BIP (%) 65,2 50
Öffentliche Verschuldung im Verhältnis zu den öffentlichen Einnahmen (%) 289,4 200
Auslandsschuldenstand (US-Dollar) 11,207 Mrd.
Schuldendienst: Zinsen und Tilgungen an ausländische Gläubiger (US-Dollar) 3,142 Mrd.

Erklärung zu den Indikatoren und Grenzwerten

Mauritius ist der außergewöhnliche Fall einer Volkswirtschaft, deren Exporteinnahmen höher sind als das Bruttosozialprodukt, was daran liegen könnte, dass die Volkswirtschaft durch den hohen Anteil an Endfertigungs-Betrieben (“Maquilas”) und auf das Ausland gerichteten Dienstleistern im Bereich Transport und Telekommunikation extrem offen ist und sich ein relativ hoher Anteil von ihnen nicht in der Hand von Inländern befindet.

Insofern sind die klassischen Schuldenindikatoren hier weniger aussagekräftig als in anderen Ländern. Den hohen Exporteinnahmen stehen außergewöhnlich hohe Importausgaben für Vorprodukte gegenüber.

Wer sind die Gläubiger von Mauritius?

MUS Gläubigerprofil 2020.06

Erklärung der Schuldenkategorien

 Die gesamten Auslandsschulden eines Landes setzen sich aus den Schulden des öffentlichen Sektors und denen des Privatsektors zusammen. Im Diagramm sind öffentliche Schulden mit Vollfarben und private Auslandsschulden schraffiert dargestellt.

Bei den öffentlichen Schulden werden drei Gläubigergruppen unterschieden, nämlich multilaterale öffentliche Gläubiger – das sind vor allem Entwicklungsbanken und der IWF -, bilaterale öffentliche Gläubiger – das sind andere Regierungen – und private Gläubiger.

Bei den beiden öffentlichen Gläubigerkategorien unterscheiden wir zudem nach konzessionären, also zinsgünstigen Krediten zu Entwicklungshilfebedingungen, und Krediten zu Marktbedingungen („nicht-konzessionäre“).

Bei den öffentlichen Schulden bei privaten Gläubigern unterscheiden wir die beiden Hauptinstrumente, nämlich Bankkredite und Anleihen. Diese beiden Instrumente unterscheiden wir auch bei den Auslandsschulden des Privatsektors.

Mauritius’ Auslandsschulden bestehen nur zu rund einem Viertel auf Seiten des Staates. Der ganz überwiegende Teil besteht auf Seiten privater Unternehmen und Banken des Landes und dient dem weltmarktintegrativen Entwicklungsmodell. Sie bestehen ausschließlich gegenüber ausländischen Banken. Anleihen spielen weder auf der öffentlichen noch der privaten Schuldnerseite eine Rolle.

Die öffentlichen Schulden sind fast durchweg kommerzieller Natur. Entwicklungshilfeschulden spielen weder auf der bilateralen noch auf der multilateralen Seite eine bedeutende Rolle. Diese Daten stimmen allerdings nicht mit den Angaben des Pariser Clubs überein, der für seine Mitglieder Forderungen aus der Entwicklungshilfe in Höhe von 275 Millionen US-Dollar einfordert – deutlich mehr als die Weltbank für alle Gläubiger in dieser Kategorie überhaupt ausweist.

Deutschland hält keine Forderungen an Mauritius. China hat zwischen 2000 und 2017 Kredite im Umfang von 492 Millionen US-Dollar vergeben. Deren Rückzahlungsstatus ist indes nicht bekannt.

Trend

Die Schuldenindikatoren von Mauritius sind seit Beginn der Dekade weitgehend stabil geblieben. Die Indikatoren, die sich auf den gesamten Auslandsschuldenstand beziehen, sind spürbar zurückgegangen. Der Schuldendienst im Verhältnis zu den Exporteinnahmen ist dagegen bis Ende 2018 deutlich gestiegen.

Gestiegen sind auch die Indikatoren für die öffentlichen Schulden sowie die gesamten öffentlichen Schuldenstände.

Der Gesamttrend geht zu einem Abbau der privaten Auslandsschulden und zu einem relativen und absoluten Anstieg der öffentlichen Schulden im In- und Ausland.

Bisherige Schuldenerleichterungen für Mauritius

Mauritius hat seine öffentlichen Auslandsschulden noch nie umgeschuldet. Es war für die multilaterale HIPC/MDRI-Entschuldungsinitiative 1996-2005 nicht qualifiziert.

Auch für das Schuldenmoratorium der G20 zur Bekämpfung der COVID-19-Folgen konnte sich Mauritius als Land, das nicht in die Zuständigkeit der für die ärmsten Länder der Welt zuständigen Internationalen Entwicklungsorganisation (IDA) fällt, nicht qualifizieren.

Aktuelle Risiken für die Schuldentragfähigkeit

Eine Schwäche des weltmarktorientierten mauritischen Entwicklungsmodells ist seine hohe Abhängigkeit von funktionierenden Lieferketten. Die Folgen von deren Unterbrechungen infolge von COVID-19 sind für Mauritius noch nicht abzusehen. Vom Internationalen Währungsfonds (IWF) gibt es dazu bis zur Stunde auch noch keine Vorhersage.

Politische Empfehlungen

Auch, wenn Mauritius ein eher untypischer Fall innerhalb der Kleinen Inselentwicklungsländer (engl. Small Island Developing States, SIDS) ist, sollte es den Schulterschluss mit der gesamten SIDS-Gruppe in den Vereinten Nationen und in den Internationalen Finanzinstitutionen suchen, um Schuldenerleichterungen zu erstreiten.

 

Stand: Juni 2020

 

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