Papua-Neuguinea

Hat Papua-Neuguinea ein Schuldenproblem?

Der Staat Papua-Neuguinea ist nicht sehr hoch, aber mit einem ansteigenden Trend im Ausland verschuldet. Hoch verschuldet ist indes der Privatsektor, der 2014 begonnen hat, die sehr hohen ausländischen Kredite für die Ausbeutung der Erdgasvorräte des Landes zurückzuzahlen. Die Abhängigkeit von sehr wenigen Exportprodukten macht die Volkswirtschaft von Papua-Neuguinea sehr verletzlich für externe Schocks.

Die wichtigsten Schuldenindikatoren (Stand 2016)

IndikatorAusprägungGrenzwert
Auslandsverschuldung im Verhältnis zum Bruttonationaleinkommen (%)89,240
Auslandsverschuldung im Verhältnis zu den jährlichen Exporteinnahmen (%)235,5150
Jährlicher Schuldendienst im Verhältnis zu den jährlichen Exporteinnahmen (%)49,115
Öffentliche Verschuldung im Verhältnis zum BIP (%)34,649
Öffentliche Verschuldung im Verhältnis zu den öffentlichen Einnahmen (%)209,0200
Auslandsschuldenstand (US-Dollar)19,688 Mrd.
Schuldendienst: Zinsen und Tilgungen an ausländische Gläubiger (US-Dollar)3,814 Mrd.

Erklärung zu den Indikatoren und Grenzwerten

Wer sind die Gläubiger von Papua-Neuguinea?

Erklärung der Schuldenkategorien

 Die gesamten Auslandsschulden eines Landes setzen sich aus den Schulden des öffentlichen Sektors und denen des Privatsektors zusammen. Im Diagramm sind öffentliche Schulden mit Vollfarben und private Auslandsschulden schraffiert dargestellt.

Bei den öffentlichen Schulden werden drei Gläubigergruppen unterschieden, nämlich multilaterale öffentliche Gläubiger – das sind vor allem Entwicklungsbanken und der IWF -, bilaterale öffentliche Gläubiger – das sind andere Regierungen – und private Gläubiger.

Bei den beiden öffentlichen Gläubigerkategorien unterscheiden wir zudem nach konzessionären, also zinsgünstigen Krediten zu Entwicklungshilfebedingungen, und Krediten zu Marktbedingungen („nicht-konzessionäre“).

Bei den öffentlichen Schulden bei privaten Gläubigern unterscheiden wir die beiden Hauptinstrumente, nämlich Bankkredite und Anleihen. Diese beiden Instrumente unterscheiden wir auch bei den Auslandsschulden des Privatsektors.

Papua-Neuguineas Auslandsschulden entfallen zu mehr als 80 Prozent auf den privaten Sektor. Der Staat ist nur in bescheidenem Umfang im Ausland verschuldet. Von den gesamten Schulden des Staates besteht nur ein knappes Viertel gegenüber ausländischen Gläubigern und mehr als drei Viertel gegenüber heimischen Banken und Investoren. Von den Auslandsschulden des Staates geht der größte Teil auf Finanzierungen von bilateralen und multilateralen Entwicklungshilfegebern zurück.

Die riesigen Kreditaufnahmen des Privatsektors für die Ausbeutung von Flüssigerdgas (engl. Liquefied Natural Gas, LNG) haben Exportkreditagenturen der USA, Australiens, Japans und Italiens bereitgestellt sowie ein Konsortium von 17 europäischen, australischen und asiatischen Banken.

Trend

Die absoluten Auslandsschulden Papua-Neuguineas haben sich zwischen 2009 und 2018 mehr als verzehnfacht, was vor allem auf die großen Investitionen in die Erdgasförderung zurückzuführen ist. Auf diese haben ab 2014 die Rückzahlungen eingesetzt.

Von 2012 bis Ende 2016 sind zwei der drei Indikatoren für die Belastung durch Auslandsschulden um mindestens 10 Prozent angestiegen. Insgesamt hat sich die Kapitalbilanz des Landes von einem Überschuss in 2013 in Höhe von 4,3 Milliarden US-Dollar, welcher auf Investitionen in die Erdgasförderung zurückzuführen ist, in ein Defizit von 3 Milliarden US-Dollar im Jahr 2017 nach Fertigstellung des Projekts verwandelt. Die Einnahmen aus dem LNG-Export wurden dann ihrerseits teilweise durch erhöhte Importe infolge einer Dürre wieder aufgezehrt.

Die dramatisch hohe Verschuldung des Privatsektors wird langsam abgebaut seit dieser beginnt, die aufgenommenen Kredite für die Erdgas-Erschließung zurückzuzahlen.

2018 unternahm der Staat einen neuen Versuch, eine öffentliche Anleihe im Umfang von 500 Millionen US-Dollar am internationalen Kapitalmarkt zu platzieren, nachdem dieser vor fünf Jahren bereits am Desinteresse von Anlegern gescheitert war. Das Angebot wird dieses Mal offenbar gut angenommen, da die Anleihe bis September 2018 mehr als sechsfach überzeichnet war. Allerdings ist der angebotene Zinssatz von 8,375 Prozent auch bedenklich hoch.

Bisherige Schuldenerleichterungen für Papua-Neuguinea

Seit seiner Unabhängigkeit hat Papua-Neuguinea weder mit seinen öffentlichen noch mit seinen privaten Gläubigern Umschuldungsvereinbarungen getroffen.

Aktuelle Risiken für die Schuldentragfähigkeit

Die Volkswirtschaft Papua-Neuguineas wird weitgehend von dem Export mineralischer Rohstoffe bestimmt.

Der Internationale Währungsfonds (IWF) warnt in seinem Artikel-IV-Bericht von 2017, dass die relativ niedrigen Indikatoren der öffentlichen Schulden die Verbindlichkeiten von anderen öffentlichen Einheiten unterhalb der Ebene des Zentralstaats sowie öffentlicher Unternehmen nicht abbilden und deshalb erheblich Risiken für die Schuldentragfähigkeit verschleiern.

Politische Empfehlungen

Die Regierung sollte Erträge aus dem Gasexport – so sie denn zu erzielen sind – in die Diversifizierung der Wirtschaft des Landes und den Ausbau der Infrastruktur außerhalb des Exportsektors investieren. Sollten in den nächsten Jahren die ansteigenden öffentlichen Schulden zu Zahlungsproblemen führen, benötigt das Land ein umfassendes Entschuldungsverfahren.

Weiterführende Informationen und Materialien:

 

Stand: Oktober 2018

 

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