Peru

Hat Peru ein Schuldenproblem?

Peru hat, nachdem es in den neunziger Jahren noch zu den sehr kritisch verschuldeten Ländern Lateinamerikas gehört hatte, aktuell kein Schuldenproblem.

Die wichtigsten Schuldenindikatoren (Stand 2016)

IndikatorAusprägungGrenzwert
Auslandsverschuldung im Verhältnis zum Bruttonationaleinkommen (%)37,740
Auslandsverschuldung im Verhältnis zu den jährlichen Exporteinnahmen (%)157,2150
Jährlicher Schuldendienst im Verhältnis zu den jährlichen Exporteinnahmen (%)15,115
Öffentliche Verschuldung im Verhältnis zum BIP (%)24,450
Öffentliche Verschuldung im Verhältnis zu den öffentlichen Einnahmen (%)130,8200
Auslandsschuldenstand (US-Dollar)69,503 Mrd.
Schuldendienst: Zinsen und Tilgungen an ausländische Gläubiger (US-Dollar)6,675 Mrd.

Erklärung zu den Indikatoren und Grenzwerten

Wer sind die Gläubiger von Peru?

Erklärung der Schuldenkategorien

 Die gesamten Auslandsschulden eines Landes setzen sich aus den Schulden des öffentlichen Sektors und denen des Privatsektors zusammen. Im Diagramm sind öffentliche Schulden mit Vollfarben und private Auslandsschulden schraffiert dargestellt.

Bei den öffentlichen Schulden werden drei Gläubigergruppen unterschieden, nämlich multilaterale öffentliche Gläubiger – das sind vor allem Entwicklungsbanken und der IWF -, bilaterale öffentliche Gläubiger – das sind andere Regierungen – und private Gläubiger.

Bei den beiden öffentlichen Gläubigerkategorien unterscheiden wir zudem nach konzessionären, also zinsgünstigen Krediten zu Entwicklungshilfebedingungen, und Krediten zu Marktbedingungen („nicht-konzessionäre“).

Bei den öffentlichen Schulden bei privaten Gläubigern unterscheiden wir die beiden Hauptinstrumente, nämlich Bankkredite und Anleihen. Diese beiden Instrumente unterscheiden wir auch bei den Auslandsschulden des Privatsektors.

Perus Gläubigerprofil hat sich in den letzten zwei Jahrzehnten stark gewandelt. In dem Maße wie das Land sich recht erfolgreich zu einem Land mit „höherem mittlerem Einkommen“ nach Definition der Weltbank entwickelt hat, hat sich auch das Gläubigerprofil vom öffentlichen zum privaten Sektor verschoben. Nimmt man die Auslandsschulden des Staates und privater Unternehmen zusammen, entfallen mehr als drei Viertel aller Auslandsschulden auf private Gläubiger. Erstaunlich gering ist die Rolle ausländischer Banken im Gläubigerprofil, was vermutlich damit zusammenhängt, dass Perus sehr aktive Rückkehr an die internationalen Kapitalmärkte mit der starken Ausweitung der Anleihemärkte zeitlich zusammengefallen ist.

Von den konzessionären und (minimalen) nicht-konzessionären Schulden entfällt jeweils rund die Hälfte auf die traditionellen Gläubiger im Pariser Club. Deutschland hielt Ende 2016 noch Forderungen aus der Entwicklungszusammenarbeit in Höhe von 210 Millionen Euro. Schulden aus bundesverbürgten Handelsgeschäften hat Peru nicht.

Trend

Perus Schuldenstand und Schuldendienst wachsen in etwa so schnell wie die gesamte Wirtschaftsleistung, wodurch die relevanten Schuldenindikatoren weitgehend stabil bleiben. Anders verhält es sich bei Schulden und Schuldendienst im Verhältnis zu den Exporteinnahmen. Dadurch dass der Export weniger schnell wuchs, überschreiten die beiden Schuldenindikatoren, die sich auf die Exporteinnahmen beziehen, die Grenzwerte 2016 knapp.

Bisherige Schuldenerleichterungen für Peru

In den achtziger und neunziger Jahren handelte Peru einige große Umschuldunen mit seinen Gläubigern im Pariser Club aus: Von 1968 bis 1984 wurde fünfmal ohne Erlasse umgeschuldet. 1991, 1993 und 1996 wurden die vom Pariser Club für Länder mit niedrigem mittlerem Einkommen entwickelten Houston Terms angewandt. In diesem Rahmen wurden Schulden aus der Entwicklungszusammenarbeit zum ursprünglichen günstigen Zinssatz mit längeren Rückzahlungsfristen versehen, so dass sich neben einer unmittelbaren Entlastung beim laufenden Schuldendienst auch eine kleine Reduzierung des Barwerts des Schuldenstandes ergab.

1985 hatte der damals frische gewählte sozialdemokratische Präsident Alan García spektakulär angekündigt, Peru werde künftig maximal 10 Prozent seiner jährlichen Exporteinnahmen für den Schuldendienst aufwenden. Diese Erklärung löste eine sehr nützliche Diskussion über die Deckelung von Schuldendienstquoten aus, deren Logik sich auch in der späteren HIPC-Initiative wiederfand. Allerdings zahlte García in den meisten Jahren seiner Präsidentschaft deutlich mehr als 10 Prozent – ohne dadurch die durch die Ankündigung ausgelöste Verschlechterung seines Zugangs zum Kapitalmarkt abwenden zu können.

Peru ist darüberhinaus eines der Länder, die in den Genuss von Schuldenumwandlungen für Entwicklung im Rahmen des entsprechenden Programms der Bundesregierung kamen. Dabei wurden nicht nur einzelne Vorhaben finanziert, sondern durch eine starke gemeinsame Kampagne peruanischer und deutscher Zivilgesellschaft die Schaffung eines Gegenwertfonds vereinbart, aus dessen Mitteln zahlreiche Vorhaben unter Beteiligung der peruanischen Zivilgesellschaft finanziert wurden.

Aktuelle Risiken für die Schuldentragfähigkeit

Aktuell liegen Perus Schuldenindikatoren im unproblematischen Bereich. Allerdings fürchten in Peru engagierte Anleger, dass die jüngsten politischen Instabilitäten um den Amtsverzicht des Präsidenten Kuczynski im März 2018 sich auch in einer Abschwächung der wirtschaftlichen Dynamik niederschlagen werden.

Außerdem verdankt sich die aktuell starke Wirtschaft einer sehr starken Orientierung auf eine begrenzte Zahl von Exportprodukten. Einbrüche bei deren Preisen könnten die Schulden wieder in kritische Größenordnungen steigen lassen.

Politische Empfehlungen

Als Pionier im Bereich der Schuldenumwandlung für Entwicklung könnte Peru das Modell des Gegenwertfonds weiter nutzen und ausbauen. Da die Bundesregierung das im eigenen Haushaltsgesetz verankerte Instrument nur selten nutzt, wäre eine gemeinsame Initiative der peruanischen Regierung und Zivilgesellschaft sehr hilfreich.

 

Stand: Oktober 2018

 

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