Salomonen

Haben die Salomonen ein Schuldenproblem?

Alle Schuldenindikatoren liegen aktuell deutlich unter den kritischen Grenzwerten. Trotzdem bescheinigt der Internationale Währungsfonds (IWF) der kleinen Inselgruppe in seiner letzten Schuldentragfähigkeitsanalyse 2019 ein „mittleres“ Überschuldungsrisiko, da in wenigstens einem Schockszenarien einer der Grenzwerte leicht überschritten wird.

Die wichtigsten Schuldenindikatoren

IndikatorAusprägungGrenzwert
Auslandsverschuldung im Verhältnis zum Bruttonationaleinkommen (%)28,640
Auslandsverschuldung im Verhältnis zu den jährlichen Exporteinnahmen (%)53,6150
Jährlicher Schuldendienst im Verhältnis zu den jährlichen Exporteinnahmen (%)3,915
Öffentliche Verschuldung im Verhältnis zum BIP (%)9,449
Öffentliche Verschuldung im Verhältnis zu den öffentlichen Einnahmen (%)22,0200
Auslandsschuldenstand (US-Dollar)350,1 Mio.
Schuldendienst: Zinsen und Tilgungen an ausländische Gläubiger (US-Dollar)25,6 Mio.

Erklärung zu den Indikatoren und Grenzwerten

Wer sind die Gläubiger der Salomonen?

Erklärung der Schuldenkategorien

 Die gesamten Auslandsschulden eines Landes setzen sich aus den Schulden des öffentlichen Sektors und denen des Privatsektors zusammen. Im Diagramm sind öffentliche Schulden mit Vollfarben und private Auslandsschulden schraffiert dargestellt.

Bei den öffentlichen Schulden werden drei Gläubigergruppen unterschieden, nämlich multilaterale öffentliche Gläubiger – das sind vor allem Entwicklungsbanken und der IWF -, bilaterale öffentliche Gläubiger – das sind andere Regierungen – und private Gläubiger.

Bei den beiden öffentlichen Gläubigerkategorien unterscheiden wir zudem nach konzessionären, also zinsgünstigen Krediten zu Entwicklungshilfebedingungen, und Krediten zu Marktbedingungen („nicht-konzessionäre“).

Bei den öffentlichen Schulden bei privaten Gläubigern unterscheiden wir die beiden Hauptinstrumente, nämlich Bankkredite und Anleihen. Diese beiden Instrumente unterscheiden wir auch bei den Auslandsschulden des Privatsektors.

Der salomonische Staat weist nur Schulden auf, die aus öffentlichen – überwiegend multilateralen – Quellen stammen und zu konzessionären Bedingungen vergeben wurden. Die Internationale Entwicklungsorganisation (IDA), die Asiatische Entwicklungsbank, der IWF und auf der bilateralen Seite Taiwan, sind die wichtigsten Gläubiger.

Trend

Zwischen 2014 und 2017 haben sich die Schuldenindikatoren im Blick auf die Auslandsschulden sämtlich verschlechtert, ohne allerdings die kritischen Grenzwerte zu erreichen. Die Indikatoren für die gesamten öffentlichen Schulden gegenüber inländischen und ausländischen Gläubigern haben sich leicht verbessert.

Die Auslandsverbindlichkeiten privater salomonischer Schuldner sind von 2016 auf 2017 von 95,3 auf 204,7 Millionen US-Dollar auf mehr als das Doppelte gestiegen. Etwa die Hälfte der Neukreditaufnahme bei privaten ausländischen Banken in Höhe von rund 165 Millionen US-Dollar diente der Wiederaufnahme der Tätigkeit der Gold Ridge-Goldmine.

Bisherige Schuldenerleichterungen für die Salomonen

Bislang haben die Salomonen weder mit öffentlichen noch mit privaten Gläubigern Umschuldungen vereinbart.

Aktuelle Risiken für die Schuldentragfähigkeit

In seiner bemerkenswert kritischen Einschätzung des Überschuldungsrisikos der Salomonen begründet der IWF seine Urteil eines mittleren Risikos mit den möglichen externen Schocks, nicht mit den aktuell existierenden Schulden. Erhebliche Gefahren gehen aus von (a) einer möglichen Dollar-Aufwertung, (b) einer anhaltenden Nachfrageschwäche in China und (c) von klimatischen Phänomenen vor allem im Zusammenhang mit dem pazifischen El-Niño-Phänomen.

Der neueste Risikofaktor steckt in den privaten Auslandsschulden, für die der Staat formell keine Verantwortung trägt. Drohende private Insolvenzen könnten in der sehr kleinen Volkswirtschaft den Staat allerdings zwingen, private Schulden zu sozialisieren.

Politische Empfehlungen

Die Salomonen sollten aus der aktuell komfortablen Situation heraus für die Schaffung von Entschuldungsmöglichkeiten für den Fall großer klimatisch bedingter wirtschaftlicher Einbrüche eintreten. Dadurch, dass das Land akut nicht selbst gefährdet ist, könnte es umso glaubwürdiger für die Schaffung einer Initiative für schwer verschuldete kleine Inselentwicklungsstaaten eintreten, über die es in den kritischer verschuldeten Inselstaaten der Karibik bereits Diskussionen gibt.

 

Stand: August 2019

 

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