Sambia

Hat Sambia ein Schuldenproblem?

Sambias Verschuldung ist in den letzten drei Jahren wegen großer Investitionen in den Rohstoff- und den Infrastrukturbereich dramatisch angestiegen. Besonders problematisch ist, dass die Schulden überwiegend zu Marktkonditionen aufgenommen wurden. Eine Wiederherstellung von Sambias Schuldentragfähigkeit ohne Schuldenerleichterungen ist schwer vorstellbar.

Die wichtigsten Schuldenindikatoren (Stand 2018)

IndikatorAusprägungGrenzwert
Auslandsverschuldung im Verhältnis zum Bruttonationaleinkommen (%)73,740
Auslandsverschuldung im Verhältnis zu den jährlichen Exporteinnahmen (%)191,0150
Jährlicher Schuldendienst im Verhältnis zu den jährlichen Exporteinnahmen (%)14,615
Öffentliche Verschuldung im Verhältnis zum BIP (%)72,450
Öffentliche Verschuldung im Verhältnis zu den öffentlichen Einnahmen (%)393,4200
Auslandsschuldenstand (US-Dollar)19,116 Mrd.
Schuldendienst: Zinsen und Tilgungen an ausländische Gläubiger (US-Dollar)1,381 Mrd.

Erklärung zu den Indikatoren und Grenzwerten

Wer sind die Gläubiger von Sambia?

Erklärung der Schuldenkategorien

 Die gesamten Auslandsschulden eines Landes setzen sich aus den Schulden des öffentlichen Sektors und denen des Privatsektors zusammen. Im Diagramm sind öffentliche Schulden mit Vollfarben und private Auslandsschulden schraffiert dargestellt.

Bei den öffentlichen Schulden werden drei Gläubigergruppen unterschieden, nämlich multilaterale öffentliche Gläubiger – das sind vor allem Entwicklungsbanken und der IWF -, bilaterale öffentliche Gläubiger – das sind andere Regierungen – und private Gläubiger.

Bei den beiden öffentlichen Gläubigerkategorien unterscheiden wir zudem nach konzessionären, also zinsgünstigen Krediten zu Entwicklungshilfebedingungen, und Krediten zu Marktbedingungen („nicht-konzessionäre“).

Bei den öffentlichen Schulden bei privaten Gläubigern unterscheiden wir die beiden Hauptinstrumente, nämlich Bankkredite und Anleihen. Diese beiden Instrumente unterscheiden wir auch bei den Auslandsschulden des Privatsektors.

Sambias Schuldenprofil hat sich seit 2015 dramatisch verändert. Private sambische Schuldner sind inzwischen für rund 40 Prozent der Auslandsschulden des Landes verantwortlich. Bei den öffentlichen Schulden sind nur noch die Schulden bei multilateralen Gläubigern überwiegend zu konzessionären Bedingungen aufgenommen. Bei den bilateralen Gläubigern hat sich vor allem durch die Bewegung weg von traditionellen Gebern hin zu Kooperationen mit China, welches hauptsächlich zu marktnahen Konditionen finanziert, eine dramatische Verschiebung zu nicht-konzessionären Krediten ergeben. China veröffentlicht keine Bestandsdaten zu seinen Forderungen an andere Länder; allerdings sind chinesische Finanzierungen in Höhe von 6,3 Milliarden US-Dollar zwischen 2000 und 2017 dokumentiert.

Auch die ebenfalls zu Marktbedingungen gewährte private Finanzierung des sambischen Staates, vor allem der Anstieg der Schulden bei privaten Banken von 400 Millionen US-Dollar auf 2,3 Milliarden US-Dollar in nur zwei Jahren, ist bedenklich.

Alle Mitglieder des Pariser Clubs hielten Ende 2018 noch 122 Millionen US-Dollar Forderungen aus der Entwicklungszusammenarbeit. Deutschland hält seit der Entschuldung des Landes unter der Entschuldungsinitiative für hoch verschuldete Staaten (engl. Heavily Indebted Poor Countries, HIPC) keine Forderungen mehr an Sambia.

Trend

Sambia gehört zu den Ländern, die seit Beginn der Dekade Ziel großer Investitionsoffensiven aus reicheren Ländern geworden sind. 2012 und dann erneut 2015 konnte Sambia erstmals in seiner Geschichte Staatsanleihen an den internationalen Kapitalmärkten verkaufen. Infolge der massiv ausgeweiteten Kreditaufnahme sind die Schulden schneller gewachsen als die Wirtschaft. Folglich haben alle Schuldenindikatoren seit 2011 deutlich zugenommen. Da nach der Entschuldung des Landes unter  HIPC der Verschuldungszyklus aber auf einem sehr niedrigen Niveau begonnen hat, lagen die Auslandsschulden-Indikatoren Ende 2015 noch nicht im kritischen Bereich. Dies hat sich nach 2015 geändert, als in großem Stile private ausländische Finanzierungen in die private Infrastrukturfinanzierung und den Rohstoffsektor flossen und auch bilaterale Kredite vor allem aus China dramatisch zunahmen. Dagegen ist der Zugang des Landes zu Entwicklungshilfekrediten deutlichzurückgegangen.

Bisherige Schuldenerleichterungen für Sambia

Sambia erreichte im Zuge des so genannten Millennium Rush seinen Decision Point im Rahmen der HIPC-Initiative. 2005 wurde der Completion Point erreicht und gleichzeitig auch die Streichung der verbliebenen Schulden bei der Internationalen Entwicklungsorganisation, beim Internationalen Währungsfonds (IWF) und dem Afrikanischem Entwicklungsfonds unter der Multilateral Debt Relief Initiative (MDRI) umgesetzt. Durch die Initiative fiel der Auslandsschuldenstand von 7,4 Milliarden US-Dollar 2004 auf 2,3 Milliarden US-Dollar im Jahr 2006.

Zuvor hatte Sambia seit 1982 bereits siebenmal im Pariser Club verhandelt, davon wurden dreimal nur Zahlungsaufschübe gewährt (Classic Terms), viermal gab es unterschiedlich weitreichende Zahlungserleichterungen.

China erließ Sambia 2001, 2006 und 2007 Schulden in Höhe von insgesamt rund 260 Millionen US-Dollar. 211 Millionen US-Dollar wurden 2006 gestrichen und können als Beteiligung Chinas an der multilateralen HIPC-Initiative interpretiert werden – auch wenn China selbst seine Erlasse als strikt bilaterale Maßnahme versteht. Sambia ist damit eines der von chinesischen Schuldenerlassen am stärksten begünstigten Länder in Afrika.

1994 konnte Sambia einen Teil seiner Schulden bei kommerziellen Banken mit Unterstützung eines externen Gebers mit einem Abschlag zurückkaufen.

Aktuelle Risiken für die Schuldentragfähigkeit

Sambia hat inzwischen ein Schuldenprofil, wie es eher für Schwellenländer mit einem erheblichen Wertschöpfungsanteil bei industrieller Fertigung und modernen Dienstleistungen typisch ist. Das Land lebt aber weiterhin vom Export unverarbeiteter Rohstoffe und seiner Landwirtschaft. Aus dieser Spannung erwächst das als „hoch“ bewertete Überschuldungsrisiko, das auch der IWF dem Land bescheinigt. Dies bedeutet, dass unter dem Basisszenario, welches der IWF in den kommenden Jahren für Sambia erwartet, das Land kritische Schulden-Grenzwerte anhaltendend überschreiten wird.

Sambias Schuldenprofil ist wegen seines hohen Anteils an Krediten zu Marktkonditionen besonders gefährlich. Im Juni 2019 hat die Ratingagentur Fitch Sambia vor allem wegen seines anhaltenden Haushaltsdefizits in die Ramschkategorie CCC herabgestuft. Das Defizit ist auch Ausdruck einer traditionellen Schwäche des Landes, dass nämlich Regierungen dazu neigen, vor Wahlen teure Wohltaten zugunsten ihrer Klientel auf Pump zu finanzieren.

Ein zentrales Problem für jede Schuldenregelung in Sambia ist die für ein armes Land bemerkenswert zersplitterte Gläubigerlandschaft mit China und Privatgläubigern als den wichtigsten Akteuren.

Politische Empfehlungen

Sambia steuert ohne eine stärkere Budget-Disziplin auf eine Staatspleite zu. Der IWF mahnt deshalb nachdrücklich eine verantwortungsvollere Haushaltspolitik an. Auch wenn diese zweifelsfrei sinnvoll wäre, darf nicht übersehen werden, dass ein Teil der Probleme Sambias aus dem zwischenzeitlichen Einbruch des Kupferpreises Mitte der Dekade resultiert, auf den die sambische Regierung naturgemäß keinen Einfluss hat.

Sambia sollte Möglichkeiten prüfen, mit allen seinen Gläubigern in einem kohärenten und von einer unparteiischen Instanz geleiteten Verfahren zu einer Schuldenrestrukturierung mit einem erheblichen Erlasselement zu kommen.

Weiterführende Informationen und Materialien:

Video: “Staatsverschuldung in Sambia – Geoffrey Chongo”

 

Stand: Dezember 2019

 

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