Sri Lanka

Hat Sri Lanka ein Schuldenproblem?

Sri Lanka gehört zu den am kritischsten verschuldeten Ländern Asiens. Die Wahrscheinlichkeit, dass das Land in den kommenden Jahren in Zahlungsschwierigkeiten gerät, ist hoch.

Die wichtigsten Schuldenindikatoren (Stand 2017)

IndikatorAusprägungGrenzwert
Auslandsverschuldung im Verhältnis zum Bruttonationaleinkommen (%)59,140
Auslandsverschuldung im Verhältnis zu den jährlichen Exporteinnahmen (%)260,1150
Jährlicher Schuldendienst im Verhältnis zu den jährlichen Exporteinnahmen (%)21,215
Öffentliche Verschuldung im Verhältnis zum BIP (%)79,150
Öffentliche Verschuldung im Verhältnis zu den öffentlichen Einnahmen (%)572,6200
Auslandsschuldenstand (US-Dollar)50,14 Mrd.
Schuldendienst: Zinsen und Tilgungen an ausländische Gläubiger (US-Dollar)4,086 Mrd.

Erklärung zu den Indikatoren und Grenzwerten

Wer sind die Gläubiger von Sri Lanka?

Erklärung der Schuldenkategorien

 Die gesamten Auslandsschulden eines Landes setzen sich aus den Schulden des öffentlichen Sektors und denen des Privatsektors zusammen. Im Diagramm sind öffentliche Schulden mit Vollfarben und private Auslandsschulden schraffiert dargestellt.

Bei den öffentlichen Schulden werden drei Gläubigergruppen unterschieden, nämlich multilaterale öffentliche Gläubiger – das sind vor allem Entwicklungsbanken und der IWF -, bilaterale öffentliche Gläubiger – das sind andere Regierungen – und private Gläubiger.

Bei den beiden öffentlichen Gläubigerkategorien unterscheiden wir zudem nach konzessionären, also zinsgünstigen Krediten zu Entwicklungshilfebedingungen, und Krediten zu Marktbedingungen („nicht-konzessionäre“).

Bei den öffentlichen Schulden bei privaten Gläubigern unterscheiden wir die beiden Hauptinstrumente, nämlich Bankkredite und Anleihen. Diese beiden Instrumente unterscheiden wir auch bei den Auslandsschulden des Privatsektors.

Gut drei Viertel von Sri Lankas Auslandsschulden entfallen auf den Staat; das verbleibende Viertel auf die Privatwirtschaft. Den größten Teil der staatlichen Schulden machen konzessionäre Kredite aus multilateralen und vor allem bilateralen Töpfen aus. Allerdings hat das Land seit 2010 Jahr für Jahr Anleihen im Umfang von mindestens 1 Milliarde US-Dollar platziert. Mit der relativen Zunahme der teuren Anleihen im Verhältnis zu der zinsgünstigen Entwicklungshilfe wächst der Schuldendienst beständig an.

Von den Schulden bei bilateralen öffentlichen Gläubigern beanspruchen die Mitglieder des Pariser Clubs zum Ende des Jahres 2018 4,4 Milliarden US-Dollar aus der Entwicklungszusammenarbeit und bescheidene 220 Millionen US-Dollar aus öffentlich verbürgten Handelsgeschäften. An ersteren ist Deutschland mit ebenfalls bescheidenen 217 Millionen Euro beteiligt. Handelsforderungen hält Deutschland nicht. China als wichtigster Nicht-Pariser-Club-Gläubiger hielt 2017 konzessionäre und nicht-konzessionäre Forderungen im Umfang von 3,85 Milliarden US-Dollar.

Trend

Seit 2010 haben sich die gesamten Auslandsschulden des Landes mehr als verdoppelt. Dabei sind die Forderungen der öffentlichen Gläubiger weitgehend stabil geblieben. Dramatisch gewachsen sind die Schulden des Staates wie auch der Privatwirtschaft bei Banken und privaten Anleihezeichnern.

Die Schulden bei Anleihegläubigern sind besonders nach 2012 gewachsen, als Sri Lanka vom Niedrig- zum Mitteleinkommensland hochgestuft wurde und der Zugang zu sehr günstigen Entwicklungshilfekrediten stark eingeschränkt wurde. Als Folge davon ist vor allem der laufende Schuldendienst im Verhältnis zu den öffentlichen Einnahmen wie auch zu den Exporteinnahmen der gesamten Volkswirtschaft angestiegen.

Bisherige Schuldenerleichterungen für Sri Lanka

Sri Lanka hat im Mai 2005 in der Folge des Tsunamis von Ende 2004 eine Ad-hoc-Umschuldung erhalten. Andere Umschuldungen gab es bisher nicht.

Aktuelle Risiken für die Schuldentragfähigkeit

Alle Schuldenindikatoren Sri Lankas liegen jenseits kritischer Grenzwerte. Das Land gehört zu den am meisten gefährdeten Ländern Asiens.

Zu den hohen bereits bestehenden Schulden kommt die anhaltende Neigung der letzten wie der aktuellen Regierung, ihre fiskalischen Spielräume durch Kreditaufnahme, insbesondere die Platzierung von Anleihen auszuweiten.

Schließlich ist auch die innenpolitische Situation des Landes eher kritisch: Nach dem verheerenden Bürgerkrieg regierte die autoritäre und in ihrem wirtschaftlichen Handeln wenig transparente Regierung des Präsidenten Rajapaksa. Auf sie folgte nach der Abwahl des Präsidenten eine demokratische Öffnung. Diese geriet im Oktober 2018 mit der zwischenzeitlichen Rückkehr Rajapaksas in die Regierung in eine ernste Krise. Die Korruption ist weit verbreitet und das Vertrauen der Bevölkerung in die Demokratie gering.

Die neben den internationalen Anleihegläubigern immer wichtiger werdenden chinesischen Geldgeber finanzieren mit ihren Krediten vor allem den Ausbau der Infrastruktur des Landes im Interesse der kontinentalen „Neue Seidenstraße“-Initiative. Falls daraus nicht der erhoffte Wachstumsimpuls resultiert, den sich beide Seiten erhoffen – etwa weil der chinesische Exporterfolg in der Folge eines Handelskriegs mit den USA gedämpft wird – kann Sri Lanka sich mit Zahlungsverpflichtungen konfrontiert sehen, die die finanzierten Projekte nicht mehr erwirtschaften. Mit der zwangsweisen Abtretung des mit chinesischen Geldern gebauten Hafens Hambantota für 99 Jahre an China ist dieser Katastrophenfall inzwischen eingetreten.

Mit Schuldendienstverpflichtungen im Gesamtumfang von 5,9 Milliarden US-Dollar – knapp dem Doppelten der Zahlungen in 2016 – kann schon 2019 der umfassende Zahlungsausfall drohen.

Politische Empfehlungen

Die Regierung sollte im Hinblick auf die Platzierung teurer Staatsanleihen zurückhaltender agieren als in der Vergangenheit.

Sri Lankas auf den Ausbau der Infrastruktur fokussierter Entwicklungsweg ist nur dann verantwortbar, wenn es für den Krisenfall die Möglichkeit für eine geordnete und ausreichende Entschuldung gibt. Dazu wäre ein Verfahren, welches China, die bedeutenden Anleihegläubiger und die traditionellen Gläubiger des Pariser Clubs an einen Tisch zu bringen vermag, unerlässlich.

 

Stand: Juni 2019

 

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