Südafrika

Hat Südafrika ein Schuldenproblem?

Südafrikas Schuldenindikatoren sind unter dem Einfluss der von COVID-19 ausgelösten globalen Rezession in den kritischen Bereich geraten. Wird die bisherige Politik der Finanzierung öffentlicher Defizite per Kreditaufnahme fortgesetzt, könnte das Land in ernsthafte Zahlungsschwierigkeiten geraten.

Die wichtigsten Schuldenindikatoren (Stand Ende 2020)

Indikator Ausprägung Grenzwert
Auslandsverschuldung im Verhältnis zum Bruttonationaleinkommen (%) 55,3 40
Auslandsverschuldung im Verhältnis zu den jährlichen Exporteinnahmen (%) 180,7 150
Jährlicher Schuldendienst im Verhältnis zu den jährlichen Exporteinnahmen (%) 19,9 15
Öffentliche Verschuldung im Verhältnis zum BIP (%) 78,8 50
Öffentliche Verschuldung im Verhältnis zu den öffentlichen Einnahmen (%) 291,4 200
Auslandsschuldenstand 2019 (US-Dollar) 186,7 Mrd.
Schuldendienst: Zinsen und Tilgungen an ausländische Gläubiger 2019 (US-Dollar) 17,6 Mrd.

Erklärung zu den Indikatoren und Grenzwerten

Wer sind die Gläubiger von Südafrika?

RSA Gläubigerprofil 2021-02

Erklärung der Schuldenkategorien

 Die gesamten Auslandsschulden eines Landes setzen sich aus den Schulden des öffentlichen Sektors und denen des Privatsektors zusammen. Im Diagramm sind öffentliche Schulden mit Vollfarben und private Auslandsschulden schraffiert dargestellt.

Bei den öffentlichen Schulden werden drei Gläubigergruppen unterschieden, nämlich multilaterale öffentliche Gläubiger – das sind vor allem Entwicklungsbanken und der IWF -, bilaterale öffentliche Gläubiger – das sind andere Regierungen – und private Gläubiger.

Bei den beiden öffentlichen Gläubigerkategorien unterscheiden wir zudem nach konzessionären, also zinsgünstigen Krediten zu Entwicklungshilfebedingungen, und Krediten zu Marktbedingungen („nicht-konzessionäre“).

Bei den öffentlichen Schulden bei privaten Gläubigern unterscheiden wir die beiden Hauptinstrumente, nämlich Bankkredite und Anleihen. Diese beiden Instrumente unterscheiden wir auch bei den Auslandsschulden des Privatsektors.

Auf Südafrikas Regierung entfällt nur etwas mehr als die Hälfte der gesamten Auslandsschulden des Landes. Bei den öffentlichen Auslandsschulden entfällt der größte Teil auf im Ausland begebene öffentliche Anleihen. Die Schulden bei öffentlichen bilateralen und multilateralen Gläubigern sind demgegenüber gering. Wie in einigen anderen Ländern auch, sind die Angaben der Weltbank dabei nicht in Einklang zu bringen mit einigen Zahlen von der Gläubigerseite: So fordert der Pariser Club 665 Millionen US-Dollar aus der Entwicklungszusammenarbeit (EZ) – mehr als die Weltbank für alle bilateralen EZ-Gläubiger überhaupt ausweist. Unter den Nicht-Pariser-Club-Mitgliedern dürfte China eine gewichtige Rolle spielen. Akademische Quellen weisen 7,5 Milliarden US-Dollar an chinesischen Forderungen schon Ende-2017 aus. Das dürfte sich indes undifferenziert auf öffentliche wie private chinesische Forderungen beziehen. Unter den Pariser Club-Mitgliedern beansprucht Deutschland 60 Millionen Euro aus der Entwicklungszusammenarbeit.

Trend

Südafrikas öffentliche und Auslandsschulden wachsen deutlich schneller als die Wirtschaftsleistung des Landes. Drei der fünf Indikatoren sind von 2016 bis 2020 um mindestens 10 Prozent angestiegen.

Die Konzentration auf Finanzierungen durch private ausländische Banken nimmt weiter zu.

Bisherige Schuldenerleichterungen für Südafrika

Zwischen 1987 und 1993 hat Südafrika drei Mal Schulden bei seinen Privatgläubigern restrukturiert, allerdings jedes Mal ohne ein Erlasselement. Im Pariser Club der öffentlichen Gläubiger hat Südafrika noch nie verhandelt. Für die multilaterale HIPC/MDRI-Entschuldungsinitiative war es nicht qualifiziert.

Nach dem Fall der Apartheid war von internationalen Beobachtern der demokratischen Regierung eine Zurückweisung der damals vom Apartheid-Regime geerbten Schulden in Höhe von rund 21 Milliarden US-Dollar nahegelegt worden. Auf Anraten der Weltbank und wichtiger (künftiger) Kreditgeber verzichtete die Regierung Mandela auf eine solche sehr gut begründbare Zurückweisung, weil sie annahm, dadurch würde ihr Zugang zu den internationalen Kapitalmärkten gefährdet.

Obwohl Südafrika von der Corona-Pandemie hart getroffen wurde, ist das Land für die Moratoriumsinitiative der G20 (Debt Service Suspension Initiative, DSSI) nicht qualifiziert.

Aktuelle Risiken für die Schuldentragfähigkeit

Südafrikas aktuelle Schuldenindikatoren sind in den letzten Jahren deutlich angestiegen. Schon 2017 warnte der Internationale Währungsfonds (IWF) die damalige ANC-Regierung eindringlich vor einer Fortsetzung ihrer Politik, Haushaltsdefizite anhaltend durch Kreditaufnahme zu finanzieren. Dies treibe nicht nur die Verschuldung in die Höhe, es beeinträchtige auch die Wachstumsaussichten, u.a. weil durch die Konkurrenz durch den Staat auf dem heimischen Kapitalmarkt der Kreditzugang für private Unternehmen verteuert wird. Nach dem erzwungenen Rücktritt des allseits als korrupt kritisierten Präsidenten Zuma bemüht sich die Regierung Cyril Ramaphosas um eine solidere und berechenbarere Haushaltspolitik. Die absolute Verschuldung und deren Verhältnis zur wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit sind gleichwohl weiter angestiegen.

Politische Empfehlungen

Als G20-Mitglied hat Südafrika einen privilegierten Zugang zu internationalen Entscheidungsprozessen über globale Entschuldungsverfahren. Das Land, das als damaliger Vorsitzender der G77 eine überaus konstruktive Rolle bei der Herbeiführung des Monterrey Consensus der ersten Financing for Development-Konferenz 2002 gespielt hat, sollte nicht zuletzt im eigenen Interesse darauf hinwirken, dass das im November 2020 von den G20 beschlossene Common Framework for Sovereign Debt Treatments beyond DSSI zu einem echten Staateninsolvenzverfahren weiterentwickelt wird. Als Stimme Afrikas in der G20 könnte es dies glaubwürdig tun.

 

Stand: Februar 2021