Tansania

Hat Tansania ein Schuldenproblem?

In den letzten zwei Jahren sind sowohl Tansanias gesamte Auslandsschulden als auch seine Schuldenindikatoren spürbar angestiegen. Allerdings von einem niedrigen Niveau aus, so dass bislang nur zwei Schuldenindikatoren die untersten Grenzwerte überschreiten. Eine akute Gefahr der Zahlungsunfähigkeit besteht nicht.

Die wichtigsten Schuldenindikatoren (Stand 2017)

Indikator Ausprägung Grenzwert
Auslandsverschuldung im Verhältnis zum Bruttonationaleinkommen (%) 35,4 40
Auslandsverschuldung im Verhältnis zu den jährlichen Exporteinnahmen (%) 205,6 150
Jährlicher Schuldendienst im Verhältnis zu den jährlichen Exporteinnahmen (%) 8,4 15
Öffentliche Verschuldung im Verhältnis zum BIP (%) 37,0 50
Öffentliche Verschuldung im Verhältnis zu den öffentlichen Einnahmen (%) 232,1 200
Auslandsschuldenstand (US-Dollar) 18,242 Mrd.
Schuldendienst: Zinsen und Tilgungen an ausländische Gläubiger (US-Dollar) 743,4 Mio.

Erklärung zu den Indikatoren und Grenzwerten

Wer sind die Gläubiger von Tansania?

Erklärung der Schuldenkategorien

 Die gesamten Auslandsschulden eines Landes setzen sich aus den Schulden des öffentlichen Sektors und denen des Privatsektors zusammen. Im Diagramm sind öffentliche Schulden mit Vollfarben und private Auslandsschulden schraffiert dargestellt.

Bei den öffentlichen Schulden werden drei Gläubigergruppen unterschieden, nämlich multilaterale öffentliche Gläubiger – das sind vor allem Entwicklungsbanken und der IWF -, bilaterale öffentliche Gläubiger – das sind andere Regierungen – und private Gläubiger.

Bei den beiden öffentlichen Gläubigerkategorien unterscheiden wir zudem nach konzessionären, also zinsgünstigen Krediten zu Entwicklungshilfebedingungen, und Krediten zu Marktbedingungen („nicht-konzessionäre“).

Bei den öffentlichen Schulden bei privaten Gläubigern unterscheiden wir die beiden Hauptinstrumente, nämlich Bankkredite und Anleihen. Diese beiden Instrumente unterscheiden wir auch bei den Auslandsschulden des Privatsektors.

Tansania weist nach wie vor ein für Niedrigeinkommensländer typisches Gläubigerprofil auf: Der weitausgrößte Teil seiner Auslandsschulden besteht gegenüber öffentlichen Gläubigern und zwar hauptsächlich zu Entwicklungshilfebedingungen. Allerdings ist in den letzten zwei Jahren die Verschuldung bei ausländischen Banken angestiegen. Von Bedeutung ist auch die Verschuldung des tansanischen Privatsektors bei ausländischen Banken.

Größter Einzelgläubiger ist mit rund 6,5 Milliarden US-Dollar ausstehenden Forderungen die Weltbanktochter IDA. Der Internationale Währungsfonds (IWF) verliert demgegenüber an Bedeutung. Die meisten Altgläubiger im Pariser Club haben sämtliche Forderungen an Tansania im Rahmen der HIPC-Initiative im Jahr 2000 gestrichen. Seither sind allerdings neue Verbindlichkeit in Höhe von 1,16 Milliarden US-Dollar aufgelaufen, davon 917 Millionen US-Dollar im Rahmen von Entwicklungszusammenarbeit. Deutschland hält seit der HIPC-Entschuldung keine Forderungen an Tansania mehr. Wichtiger neuer bilateraler Kreditgeber ist China, das zwischen 2000 und 2017 Kredite in Höhe von 2,3 Milliarden US-Dollar an Tansania vergeben hat. Wie viel davon bereits zurückgezahlt wurde, ist nicht bekannt.

Trend

Von 2010 bis 2017 haben sich absoluten die Auslandsschulden Tansanias mehr als verdoppelt. Allerdings ist auch die Wirtschaft in diesem Zeitraum erheblich gewachsen, so dass die wichtigen Indikatoren, die den Schuldenstand im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt beziehungsweise zu den Exporteinnahmen ins Verhältnis setzen, nur ein moderates Wachstum aufwiesen. Seit 2013 werden die ersten Tragfähigkeitsgrenzen wieder (moderat) überschritten.

Bisherige Schuldenerleichterungen für Tansania

Tansania erreichte den Decision Point unter der Multilateralen HIPC-Initiative im Jahr 2000, den Completion Point, an dem der vereinbarte Schuldenersatz umgesetzt wurde, 2001. 2005 wurde zusätzlich ein erheblicher Teil der noch ausstehenden Schulden bei IWF, IDA und Afrikanischem Entwicklungsfonds (AfDF) unter der Multilateral Debt Relief Initiative (MDRI) gestrichen.

Vor HIPC hatte Tansania mit dem Pariser Club mehrere Umschuldungen ausgehandelt: 1986 unter Classic Terms, das heißt ohne Schuldenerleichterungen. Seit 1986 gab es dann Umschuldungen mit Reduzierungen des laufenden Schuldendienstes: 1988 und 1990 unter Toronto Terms und 1992 unter London Terms. 1997 gab es erstmals auch Reduzierungen des Schuldenstandes unter Naples Terms. Darauf folgten schließlich die weitreichenden Schuldenstreichungen im Kontext der HIPC-Initiative, nämlich 2000 unter Cologne Terms und 2002 der HIPC-Exit.

Eine Umschuldung mit den privaten Banken im Londoner Club gab es 2004.

Aktuelle Risiken für die Schuldentragfähigkeit

Der IWF schätzt auf dem Hintergrund der nach wie vor niedrigen Schuldenindikatoren Tansanias Überschuldungsrisiko als „niedrig“ ein.

Ein Risiko könnte sich ergeben, wenn unter HIPC nicht erlassene Altforderungen öffentlicher Gläubiger an Geierfonds verkauft werden und Tansania sich dann deren Klagen gegenüber sieht. Altforderungen bestehen vermutlich noch bei Serbien, dem Iran, dem Irak, Kuwait, Libyen und Taiwan.

Politische Empfehlungen

Die Schulden des öffentliche wie des privaten Sektors gegenüber ausländischen Privatgläubigern sind seit Beginn der Dekade erheblich angestiegen. Diese neuen Schulden stehen im Zusammenhang mit (a) dem erheblichen Infrastrukturfinanzierungsbedarf und (b) der Ausbeutung weiterer Rohstoffe, unter anderem Erdgas vor der Küste. Insbesondere im Hinblick auf die letzteren Investitionen sollte man sich das Schicksal des Nachbarn Mosambik zur Warnung dienen lassen, der sich in der Erwartung viel größerer Einnahmen aus dem Gasexport bis in die Spitzengruppe aller verschuldeten Länder weltweit katapultiert hat. Kriterien einer verantwortlichen Kreditaufnahme sollten strikt eingehalten werden.

 Weiterführende Informationen und Materialien:

Präsentation: “Länderinformation Tansania” (2014)

Video: “Staatsverschuldung in Tansania – Hebron Mwakagenda”

 

Stand: September 2019

 

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