Tonga

Hat Tonga ein Schuldenproblem?

Tonga hat aktuell kein akutes Solvenzproblem. Doch trotz der recht moderaten Schuldenindikatoren schätzt der Internationale Währungsfonds (IWF) Tongas Überschuldungsrisiko als „hoch“ ein. Das liegt zum einen an dem geringen wirtschaftlichen Potenzial der kleinen Inselökonomie, deren wichtigste Zuflüsse Rücküberweisungen von Migrant*innen und die externe Entwicklungshilfe sind. Wichtigster Faktor ist jedoch die Anfälligkeit für Naturkatastrophen, die klimawandelbedingt zunehmen werden und die daraus entstehenden wirtschaftlichen Kosten. Tonga zählt zu einem der gefährdetsten Länder der Welt für die Auswirkungen des Klimawandels.

Die wichtigsten Schuldenindikatoren (Stand Ende 2017)

Indikator Ausprägung Grenzwert
Auslandsverschuldung im Verhältnis zum Bruttonationaleinkommen (%) 39,1 40
Auslandsverschuldung im Verhältnis zu den jährlichen Exporteinnahmen (%) 121,3 150
Jährlicher Schuldendienst im Verhältnis zu den jährlichen Exporteinnahmen (%) 9,9 15
Öffentliche Verschuldung im Verhältnis zum BIP (%) 51,2 50
Öffentliche Verschuldung im Verhältnis zu den öffentlichen Einnahmen (%) 157,6 200
Auslandsschuldenstand (US-Dollar) 169,2 Mio.
Schuldendienst: Zinsen und Tilgungen an ausländische Gläubiger (US-Dollar) 13,8 Mio.

Erklärung zu den Indikatoren und Grenzwerten

Wer sind die Gläubiger von Tonga?

Erklärung der Schuldenkategorien

 Die gesamten Auslandsschulden eines Landes setzen sich aus den Schulden des öffentlichen Sektors und denen des Privatsektors zusammen. Im Diagramm sind öffentliche Schulden mit Vollfarben und private Auslandsschulden schraffiert dargestellt.

Bei den öffentlichen Schulden werden drei Gläubigergruppen unterschieden, nämlich multilaterale öffentliche Gläubiger – das sind vor allem Entwicklungsbanken und der IWF -, bilaterale öffentliche Gläubiger – das sind andere Regierungen – und private Gläubiger.

Bei den beiden öffentlichen Gläubigerkategorien unterscheiden wir zudem nach konzessionären, also zinsgünstigen Krediten zu Entwicklungshilfebedingungen, und Krediten zu Marktbedingungen („nicht-konzessionäre“).

Bei den öffentlichen Schulden bei privaten Gläubigern unterscheiden wir die beiden Hauptinstrumente, nämlich Bankkredite und Anleihen. Diese beiden Instrumente unterscheiden wir auch bei den Auslandsschulden des Privatsektors.

Tonga ist extern ausschließlich bei öffentlichen Gläubigern verschuldet, darunter vor allem bei China als wichtigsten bilateralen Gläubiger sowie bei multilateralen Entwicklungsbanken. Fast zwei Drittel der gesamten Auslandsverschuldung wird der chinesischen Export-Import-Bank (Exim-Bank) geschuldet und geht auf Kredite zurück, die die kleine Insel zum Wiederaufbau des Stadtzentrums der Hauptstadt Nuku’alofa nach Ausschreitungen aufgenommen hatte. Sämtliche Kredite wurden zu Entwicklungshilfebedingungen, das heißt zinsgünstig und mit langen Laufzeiten sowie tilgungsfreien Jahren aufgenommen.

Der Staat weist zudem eine inländische Verschuldung in Höhe von etwa 7 Prozent der Auslandsverschuldung auf.

Trend

Tongas Schuldenstand ist von 2016 auf 2017 durch Kreditaufnahme bei multilateralen Entwicklungsbanken leicht gestiegen. Gleichzeitig sind die gängigen Schuldenindikatoren, also die Verschuldung im Verhältnis zu den Exporteinnahmen beziehungsweise zum Bruttoinlandsprodukt leicht gefallen. Durch eine 5-jährige Verlängerung der tilgungsfreien Zeit bei einem Kredit der chinesischen Exim-Bank konnte verhindert werden, dass sich Tongas Schuldendienst ab dem Jahr 2019 verdoppelt, was jedoch absehbar in der Zukunft, sollte China die Forderung nicht streichen, zu einem deutlich höheren Schuldendienst führen wird.

Bisherige Schuldenerleichterungen für Tonga

Tonga hat bislang noch keinen Schuldenerlass mit seinen öffentlichen oder privaten Gläubigern angestrebt oder erhalten. Ende 2018 hat Tonga jedoch von China einen 5-jährigen Aufschub für seine Schuldendienstzahlungen an die chinesische Exim-Bank erhalten. 2019 hätte Tonga mit substanziellen Schuldendienstzahlungen an die chinesische Regierung beginnen müssen, die den öffentlichen Haushalt stark unter Druck gesetzt hätten.

Aktuelle Risiken für die Schuldentragfähigkeit

Trotz moderater Schuldenindikatoren besteht laut IWF ein hohes Überschuldungsrisiko. Angesichts nationalistischer Politiken oder schwächelnder Wirtschaft in reichen Ländern (auch in China, einer der wichtigsten Handelspartner Tongas), könnten Rücküberweisungen von hauptsächlich in Australien und Neuseeland lebenden Tongaer/innen, die zuletzt 27 Prozent des BIP ausmachten, oder die für den öffentlichen Haushalt lebensnotwendige Entwicklungshilfe aus reichen Ländern geringer werden.

Seit 2016 berechnet der IWF den Klimawandel als ökonomische Größe in seine Schuldentragfähigkeitsanalysen ein, um der besonderen Situation und Verletzlichkeit der Ökonomien von kleinen Inselstaaten gerecht zu werden. Dies macht er, indem er die Kosten von Naturkatastrophen und längerfristigen Klimawandelfolgen einberechnet. Für Tonga wird geschätzt, dass mit jährlichen Schäden durch Naturkatastrophen in Höhe von 3 Prozent der Wirtschaftsleistung zu rechnen ist. Der IWF geht in seinen Berechnungen davon aus, dass Tonga jährlich 1 Prozent dieser Schäden an Wiederaufbaukosten einrechnen muss, wobei angenommen wird, dass der Wiederaufbau hauptsächlich durch Kreditaufnahme gedeckt werden muss. Erst im Februar 2018 wurde Tonga von dem tropischen Zyklon „Gita“ getroffen, der Schäden in Höhe von einem Drittel der nationalen Wirtschaftsleistung verursachte.

Politische Empfehlungen

Dadurch, dass strukturell ein hohes Risiko für Tongas Schuldentragfähigkeit besteht, das aber nicht akut die Handlungsfähigkeit bedroht, ist das Land in einer guten Position, um für den Krisenfall die Schaffung eines wirksamen Entschuldungsmechanismus für alle Staaten in einer vergleichbaren Situation, wie etwa die vom Klimawandel ähnlich stark bedrohten Small Island Developing States (SIDS), einzufordern.

 

Stand: Juli 2019

 

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