11. Juni 2026

Warum Kirche politisch sein muss – Eindrücke vom Katholikentag 2026

„Kirche ist keine NGO“, erklärte Markus Söder (CSU) kurz vor dem 104. Deutschen Katholikentag. In Würzburg wurde jedoch deutlich, dass sich viele kirchliche Gruppen und Einzelpersonen ausdrücklich für Solidarität, Menschenwürde und gesellschaftliches Engagement einsetzen. Auch wir haben mit unserem erlassjahr.de-Stand gezeigt, warum NGOs auf Kirchen- und Katholikentagen ihren Platz haben. Mit einem bunten Mitmach- und Bildungsangebot kamen wir mit Besucher*innen aller Altersgruppen ins Gespräch. 

Wie politisch darf die Kirche sein? 

Diese Frage gehörte auch beim Katholikentag 2026 zu den zentralen Debatten. Zuletzt hatten Politikerinnen die Kirche dafür kritisiert, sich zu stark in gesellschaftliche und politische Auseinandersetzungen einzumischen. Viele Kirchenvertreterinnen widersprachen dieser Einschätzung jedoch deutlich. Ganz im Sinne des Mottos „Hab Mut, steh auf“ betonte etwa Irme Stetter-Karp, Präsidentin des Zentralkomitees der deutschen Katholiken: „Wir müssen uns einmischen.“ 

In einem politischen Klima, in dem die Rolle zivilgesellschaftlicher Akteure zunehmend kritisch hinterfragt wird, gewinnt diese Debatte an Bedeutung. Denn die globale Schuldenkrise ist nicht nur eine finanzpolitische Herausforderung, sondern auch eine Frage von Menschenwürde und Gerechtigkeit. Wenn hoch verschuldete Staaten Ausgaben für Gesundheit, Bildung oder soziale Sicherung kürzen müssen, braucht es Stimmen, die auf die Folgen für die betroffenen Menschen aufmerksam machen. 

Der erlassjahr.de-Stand macht die Schuldenkrise greifbar 

Für uns steht fest: Auch die Kirche kann sich für mehr globale Gerechtigkeit einsetzen. Wie einfach das sein kann, zeigte unser Stand auf dem Katholikentag. Mit einem abwechslungsreichen Mitmach- und Bildungsangebot vermittelten wir Hintergründe zur internationalen Schuldenkrise und kamen mit zahlreichen Besucher*innen ins Gespräch. 

Besonders unsere Posterausstellung und der „Unfaire Tischkicker“ machten anschaulich, welche Auswirkungen hohe Staatsverschuldung auf Länder des Globalen Südens haben kann und warum faire internationale Finanzstrukturen notwendig sind. Die vielen Gespräche zeigten, wie groß das Interesse an Fragen globaler Gerechtigkeit ist. Gerade auf einem Katholikentag, der Mut zum Aufstehen und Einmischen in den Mittelpunkt stellte, wurde deutlich: Verschuldung, Gerechtigkeit und faire Finanzbeziehungen sind auch Themen für Kirche und Glauben.