72.000 Unterschriften für faire Entschuldung: Kampagne fordert Reformen in der internationalen Finanzarchitektur

(Berlin, 04.03.2026) Über 72.000 Menschen fordern konkrete Reformen des internationalen Finanzsystems und Schuldenstreichungen für Staaten des Globalen Südens. Zum Abschluss der Kampagne „Erlassjahr 2025 – Turn Debt into Hope!“ hat ein zivilgesellschaftliches Bündnis von 71 Organisationen den Appell und die Unterschriften an das Bundesfinanzministerium übergeben. 

Viele Staaten des Globalen Südens sind durch ihre Schuldensituation stark belastet: Enorme Zins- und Tilgungszahlungen, ungünstige Refinanzierungsbedingungen und strukturelle Ungleichheiten im internationalen Finanzsystem verschärfen die soziale Ungleichheit und wirtschaftliche Instabilität. 

Die internationale Kampagne “Turn Debt into Hope” fordert deshalb unter anderem die Einrichtung einer UN-Schuldenrahmenkonvention. Eine solche Konvention wird auch von Staatengruppen aus dem Globalen Süden gefordert, etwa von der Afrikanischen Union.

Benjamin Rosenthal, Experte für Entwicklungsfinanzierung bei Misereor: „Wenn Staaten einen Großteil ihrer Einnahmen für den Schuldendienst aufwenden müssen, bleibt kaum noch Geld für Investitionen in Bildung, Gesundheit oder Soziales. Wenn der Staat nicht investieren kann, verschärft das Armut und prekäre Lebensverhältnisse vor Ort – ein Teufelskreis. Deswegen müssen untragbare Schulden gestrichen werden.“

Malina Stutz, Politische Referentin beim Entschuldungsbündnis erlassjahr.de: “Unter den aktuellen Bedingungen fallen Schuldenerlasse viel zu klein aus. Zudem werden sie häufig an harte, wirtschaftspolitische Bedingungen geknüpft, die den Sozialstaat in den betroffenen Ländern weiter aushebeln. Über Schuldenstreichungen muss deshalb unter dem Dach der Vereinten Nationen entschieden werden – und nicht wie bisher in exklusiven Gläubigerclubs.”

Christian Gröber, Referent für die Reform der internationalen Finanzarchitektur bei Germanwatch: “Die Klima- und Schuldenkrise verschärfen sich gegenseitig, denn viele hochverschuldete Staaten sind besonders stark von der Klimakrise betroffen, aber haben kaum fiskalischen Spielraum für Anpassung und Resilienz. Solange Klimarisiken nicht systematisch berücksichtigt werden und bei Umschuldungen kein Raum für Zukunftsinvestitionen geschaffen wird, bleiben Klima- und Entwicklungsziele unerreichbar.“

Ute Straub, Referentin für Entwicklungsfinanzierung und internationale Finanzpolitikbei Brot für die Welt: „Gemeinsam mit 72.000 Menschen fordern wir, die Länder des Globalen Südens dauerhaft von ihrer erdrückenden Schuldenlast zu befreien. Dafür braucht es grundlegende Reformen des internationalen Finanzsystems. Wir erwarten von der Bundesregierung, dass sie diese Reformen unter dem Dach der Vereinten Nationen aktiv vorantreibt.”

Die internationale Kampagne “Turn Debt into Hope” wurde 2025 anlässlich des Heiligen Jahres der Katholischen Kirche gestartet. In Deutschland wird die Kampagne von 71 zivilgesellschaftlichen Organisationen und Institutionen getragen. Weitere Informationen: www.erlassjahr2025.de  

Bilder von der Aktion zur freien Verfügung sind hier abrufbar: https://www.flickr.com/photos/campact/albums/72157683808780084/

Copyright: Christian Grodotzki / Campact

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Organisationen im Kampagnenbündnis “Erlassjahr 2025 – Turn Debt into Hope!”: 

AES – Arbeitskreis für Entwicklungspolitik und Selbstbesteuerung e. V. | Arbeitskreis Madagaskar der KAB Diözese Aachen | Arbeitsstelle Gerechtigkeit, Frieden, Bewahrung der Schöpfung der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens | attac Aalen | attac Deutschland | attac AG Finanzmärkte & Steuern | Bistum Mainz | Bistum Speyer Referat Weltkirche | Brasilienkreis St. Heinrich Marl | Brot für die Welt | Bund der Deutschen Katholischen Jugend | Bund der Deutschen Katholischen Jugend Rottenburg-Stuttgart | Campact | Christians for Future | CVJM Pfalz | Dachverband Entwicklungspolitik Baden-Württemberg e.V. (DEAB) | Debt for Climate Deutschland | Dienst für Mission, Ökumene und Entwicklung der Ev. Landeskirche in Württemberg | Dillinger Franziskanerinnen Deutsche Provinz | Eine Erde. Das ökumenische Netzwerk | Eine Welt Forum Freiburg e.V. | Eine-Welt-Forum Münster e.V. | Eine Welt Laden Mönchengladbach | Eine Welt Netz NRW I Entwicklungspolitisches Netzwerk Sachsen | EPIZ – Entwicklungspädagogisches Informationszentrum Reutlingen im Arbeitskreis Eine Welt e.V. | erlassjahr.de – Entwicklung braucht Entschuldung e. V. | Evangelische Brüder-Unität Herrnhuter Brüdergemeine | Evangelische Kirche im Rheinland | Evangelische Kirche von Westfalen | Evangelisch-Lutherisches Missionswerk Leipzig | Forum Fairer Handel | Forum Ökologie & Papier | Forum Umwelt und Entwicklung | GEPA | Germanwatch | Global Policy Forum Europe | Herrnhuter Missionshilfe | Informationsstelle Peru | jesuitenweltweit | Katholische Erwachsenenbildung Ostalbkreis | Katholische Landvolk Bewegung | Kindernothilfe | Kirchlicher Entwicklungsdienst der Ev. Landeskirche in Baden | Kirchlicher Entwicklungsdienst der ev.-luth. Landeskirchen in Braunschweig und Hannovers (KED) | Klima-Allianz Deutschland | Kolping International | KoordinierungsKreis Mosambik | Misereor | Mission EineWelt – Centrum für Partnerschaft, Entwicklung und Mission der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern | Netzwerk Afrika Deutschland | Ökumenische Initiative Eine Welt | Ökumenischer Friedenskreis Köln-Pesch | Ökumenisches Zentrum Oldenburg | Oxfam Deutschland | pax Christi Diözesanverband Speyer | pax christi Rhein-Main Regionalverband Limburg-Mainz | Social Justice in Global Development | SODI | Südwind Institut für Ökonomie und Ökumene | Ukama Zentrum der Jesuiten für Sozial-Ökologische Transformation | UtopiAA | Vereinte Evangelische Mission | Weigle-Haus I Welthaus Bielefeld e.V. I Weltladen Dachverband | Weltladen La Bohnita | Weltwirtschaft, Ökologie und Entwicklung – WEED | Women Engage for a Common Future WECF Deutschland | Zentrum für Entwicklungsbezogene Bildung (ZEB)