Ecuador: Auditoria-Bericht vorgestellt

Quito, 20. November 2008. Nach mehr als einem Jahr Arbeit, an der auch erlassjahr.de beteiligt war, wurde in der ecuadorianischen Hauptstadt der Abschlussbericht der Kommission zur Umfassenden ÜberprĂŒfung der Auslandsverschuldung (CAIC) von PrĂ€sident Correa der Öffentlichkeit vorgestellt. Gaby Weber war dabei.

© Jubileo Red Guayaquil

Die langerwartete PrĂ€sentation des Berichts der CAIC (im spanischen Original hier zum Download) unter Anwesenheit des PrĂ€sidenten Rafael Correa, VizeprĂ€sidenten Lenin Moreno und mehreren Ministern wie Ricardo Patiño natĂŒrlich, der gleichzeitig formeller PrĂ€sident der CAIC war, fand nun endlich am 20.11.2008 statt.
Fast alle CAIC Mitglieder waren anwesend nebst Beverly Keene usw. SchÀtzungsweise 500 Personen versammelten sich in dem Auditorium und in der Eingangshalle von CIESPAL, um nun endlich zu wissen was in dem Bericht steht, nachdem seit Tagen die ecuadorianische Presse vom Thema Schulden, der Zahlungsverweigerung bei den Staatsanleihen und dem steigenden Risikoindex des Landes berichtet hatte.

Nach der Nationalhymne konnte es also los gehen.
Nach einleitenden Worten von Franklin Canelos, VizeprÀsident der CAIC, zu der Entstehungsgeschichte und Aufgaben der CAIC, prÀsentierte Carinna Saenz am Beispiel der kommerziellen Schulden, insbesondere den Brady Bonds, dass diese Kredite nicht der Finanzierung wichtiger Massnahmen im Land dienten, sondern der Bereicherung der Banken und Banker im In- und Ausland.

Alejandro Olmos verstand es natĂŒrlich wieder das Publikum zu begeistern und ging als erstes mal auf die ecuatorianischen Medien los (zu Recht), die hauptsĂ€chlich ĂŒber die schlimmen Konsequenzen einer NichtrĂŒckzahlung und Risikotendenzen berichteten. Ausserdem sei die CAIC von der Regierung eingesetzt, so dass man auch nur regierungskonforme Ergebnisse erwarten könnte. Auch heute veröeffentlichte „El Comercio“ einen Artikel mit dem Titel: „Schulden: ein Bericht, um nicht zu zahlen“ (Deuda: un informe para no pagar) und gleich darunter „Risikoindex des Landes steht bei 4250 Punkten“(RiesgoPaĂ­s se ubica en los 4 250 puntos)
Damit, so Olmos, wĂŒrde ein ganzes Land, und natĂŒrlich die Kommission; diskreditiert.
Mit didaktischem Geschick stellte er die Schuldenstruktur in Ecuador und die juristischen Implikationen bis hin zu RechtsbrĂŒchen – gespickt mit mehreren Skandalen und einer Liste von Anklagepunkten- eindrĂŒcklich vor.
So langsam kam das Publikum in Fahrt, rief „justica“ und wĂŒnschte die Verbrecher ins GefĂ€ngnis. Als Olmos dann noch erwĂ€hnte, dass die CAIC es zum ersten Mal geschafft hatte, die meisten Archive ĂŒberhaupt zu öffnen, gab es standing ovation.
Er vergass natĂŒrlich nicht, den PrĂ€sidenten fĂŒr die Einsetzung der Kommission zu danken.

Der PrĂ€sident kam dann auch nach ein paar dĂŒnnen Phrasen von Ricardo Patiño zu Wort.
Mit einem kurzen Abriss der Schuldengeschichte Ecuadors, einem herzlichen Dank und Lob an alle anwesenden und nicht anwesenden CAIC- Mitglieder und der AnkĂŒndigung juristischer Schritte gegen die Verantwortlichen, schloss er sich dem no pago de la deuda ilgĂ­tima an.

Langerwartete strategische Aussagen, wie nun eigentlich die weitere Vorgehensweise und zukĂŒnftiges Schuldenmanagement aussehen soll, waren allerdings immer noch nicht zu hören.
Man will allerdings das internationale Schiedsverfahren (TIADS) bei der UN vorantreiben, in Paris liegen erste Initiativen gegen die brasilianische Bank BANADES vor und im Land muss der -ebenfalls im Saal anwesende- Staatsanwalt nun seine Arbeit tun.
Jedenfalls haben wir jetzt einen gut gemachten Bericht und kennen die Namen der Hauptverantwortlichen – alles Weitere bleibt abzuwarten.