Too big to fail

Die EZB freundet sich heute mit dem Gedanken an, in weit grĂ¶ĂŸerem Umfang als bisher Staatsanleihen ĂŒberschuldeter europĂ€ischer Staaten zu kaufen. Was noch im Sommer ein ordnungspolitischer Tabubruch war, ist heute nur noch eine technische Frage: Wieviel Geld der Zentralbank(en) soll nun genau aufgewendet werden, damit die Pleite europĂ€ischer Staaten nicht die dort engagierten Banken aus den anderen GlĂ€ubigerlĂ€ndern in den Abgrund reisst?
Die Formel fĂŒr dieses Tabubruch heisst “too big to fail”. Gemeint ist damit, dass die großen deutschen Banken angefangen von der großen Deutschen Bank bis zu den bereits technisch pleite gegangenen Instituten wie HRE oder HSH fĂŒr die deutsche Volkswirtschaft zu wichtig sind, um ihre Schuldner nicht mit Steuerzahlergeld wieder liquide zu machen.
Es ist richtig, dass die Störungen fĂŒr die deutsche Volkswirtschaft bei einer um sich greifenden Pleite wichtiger Banken betrĂ€chtlich wĂ€ren. Auch gesunde Unternehmen könnten zwischenzeitlich ernste Schwierigkeiten bei der Versorgung mit LiquiditĂ€t bekommen. Zumindest vorĂŒbergehend.
So groß ist die Angst der Regierenden vor diesem Szenario, dass sie den Bruch mit einem der grundlegenden marktwirtschaftlichen Prinzipien nur noch schulterzuckend zur Kenntnis nehmen. Die Konsequenzen dieser Haltung sind fatal, denn mit dem “too big to fail”-Diskurs signalisieren die Regierenden den Inhabern der Schuldverschreibungen: “Ihr habt uns in der Hand. Da wir es jetzt nicht wagen, Euch in Schwierigkeiten geraten zu lassen, spricht nicht viel dafĂŒr, dass wir es morgen tun werden.”
Das ist aus der Sicht eines deutschen Steuerzahlers eine sehr unschöne Situation. Richtig unappetitlich wird sie aber erst, wenn sie mit dem dĂŒnkelhaften Diskurs unterfĂŒttert wird, Deutschland sei nun wieder mal dabei, Europa und die Welt zur retten. Dann erinnert die Haltung der Bundesregierung an das Kleingedruckte in den HIPC-Entschuldungsinitiativen der 1990er und 2000er Jahre.
Damals hatte beim Kölner Gipfel der damalige Kanzler Schröder namens der G8 den Ă€rmsten LĂ€ndern der Welt großzĂŒgig eine umfassende Entlastung von ihren Auslandsschulden im Rahmen der HIPC-Initiative gewĂ€hrt. Dargestellt wurde das Ganze ĂŒberdies als Eingehen auf die Forderungen der Erlaßjahr2000-Kampagne.
Erst beim zweiten Hinsehen wurde deutlich, dass die bahnbrechenden Schuldenerlasse durch IWF, Weltbank und Afrikanische Entwicklungsbank weitgehend aus den Entwicklungshilfehaushalten der reichen LĂ€nder gegenfinanziert wurden. Das heißt: Unter dem Strich bezahlten diejenigen, denen diese Mittel ohne Schuldenerlass zugute gekommen wĂ€ren, den Schuldenerlass selbst. Die BegrĂŒndung fĂŒr diese Gegenfinanzierung war, dass die Multilateralen Banken die grĂ¶ĂŸten und wichtigsten Entwicklungsfinanciers weltweit seien, deren FĂ€higkeit zur UnterstĂŒtzung der Ă€rmsten LĂ€nder unter allen UmstĂ€nden erhalten werden mĂŒsse.
Nun macht diese Argumentation nur unter der Annahme Sinn, dass die fraglichen Entwicklungshilfegelder – wenn sie nicht an Weltbank & Co geflossen wĂ€ren, von den Entwicklungsminister/innen in den nĂ€chsten Gully geworfen worden wĂ€ren. Dann hĂ€tten in der Tat die Ă€rmsten LĂ€nder einen realen Verlust erlitten. TĂ€ten sie das nicht, hĂ€tte man die Mittel beispielsweise fĂŒr andere multilaterale Töpfe, wie etwa den Global Fund, das UN Entwicklungsprogramm oder auch ganz klassisch bilateral zum Segen der Ärmsten einsetzen können. Nicht unbedingt besser, aber auch keinesfalls schlechter als die Weltbank es tat.
Die Folge wĂ€re aber gewesen, dass die großen Internationalen Finanzinstitutionen erheblich kleiner geworden wĂ€ren. Vielleicht hĂ€tte sich sogar gezeigt, dass die eine oder andere der mehr als 100 Weltbank-FazilitĂ€ten und Treuhandtöpfe gĂ€nzlich ĂŒberflĂŒssig war.
Quantitativ, d.h. im Blick darauf wieviel Geld tatsĂ€chlich von Nord nach SĂŒd fließt, wĂ€re das vielleicht ein Nullsummenspiel geworden (vielleicht auch nicht). Qualitativ aber hĂ€tte das bedeutet, dass die Internationalen Finanzinstitutionen, die sich in den achtziger Jahren ein lukratives GeschĂ€ftsmodell aufgebaut hatten, indem sie den Schuldendienst lĂ€ngst zahlungsunfĂ€higer Staaten an Banken und Regierungen aufrecht erhielten, fĂŒr diese Politik einen Preis gezahlt hĂ€tten. Das heisst, sie hĂ€tten fĂŒr die Konsequenzen ihres Tuns wirtschaftlich einstehen mĂŒssen, was eine der unerlĂ€sslichen Voraussetzungen dafĂŒr ist, dass eine Marktwirtschaft funktionieren kann. Und vielleicht hĂ€tte eine solche fĂŒr die Washingtoner Institutionen bittere Erfahrung sogar dazu gefĂŒhrt, dass man nach 2008 etwas weniger rasant mit neuen Kreditfinanzierungen zur Aufrechterhaltung des Schuldendienstes der eigentlich bankrotten Staaten Griechenland und Irland in die Bresche gesprungen wĂ€re. Und statt dessen nach wirksamen Wegen gesucht hĂ€tte, die privaten Investoren an den Kosten des von ihnen angerichteten Schadens zu beteiligen.
Aber schon damals waren diese (Welt-)Banken “too big to fail”.

Die schöne bunte Welt der Entschuldung

Wer mal so richtig schwelgen möchte in den segensreichen Wirkungen der Entschuldung, der wird von der Weltbank in einem neuen YouTube Video bedient: http://www.youtube.com/watch?v=EJYZCTXU4Dg
GlĂŒcklichen Afrikanern und SĂŒdamerikanern kann man dabei zusehen, wie sie dank Entschuldung in ihrem örtlichen Krankenhaus zuvor unerschwingliche Medikamente kostenlos verabreicht bekommen. Genauer gesagt: Dank HIPC-Entschuldung. Denn Sinn des Streifens ist natĂŒrlich zu demonstrieren, dass die weitsichtige Politik der Bank, deren Mitarbeiter reichlich zu Wort kommen, dieses schöne Ergebnis herbeigefĂŒhrt hat. Zu Wort kommt ĂŒbrigens auch der Autor dieses Blogbeitrags, den die PR-Abteilung am Rande einer Tagung im April vor die Kamera bekam.
Überraschenderweise nicht in den Film geschnitten wurde aus den lĂ€ngeren Statements der Hinweis, dass HIPC nach wie vor ein Instrument in der Hand der GlĂ€ubiger ist, und am Ende einer langen Kette von Entschuldungs-Verweigerungen steht. DafĂŒr erfĂ€hrt der Zuschauer, dass durch die Initiative die Bank gezwungen wurde, ihren vorgeblichen “bevorzugten GlĂ€ubigerstatus” endlich aufzugeben. Immerhin.

Was sie schon immer ĂŒber die HIPC-Initiative wissen wollten….. Neuer “Status of Implementation Report” erschienen.

Knapp vor der Jahrestagung von IWF und Weltbank in der kommenden Woche haben die beiden Institutionen den alljĂ€hrlichen “Umsetzungsbericht zur HIPC/MDRI-Entschuldungsinitiative” (mehr Infos zur Initiative hier) vorgelegt. Der Bericht ist jedes Jahr die wichtigste Datenquelle, um zu beurteilen, was HIPC “gebracht” hat, und was nicht. Er ist im Internet unter http://siteresources.worldbank.org/INTDEBTDEPT/ProgressReports/22326841/HIPCProgressReport20090915.pdf abrufbar.

Auch bei dieser Veröffentlichung zeigt sich die in der Weltbank vielerorts zu beobachtende Tendenz, dass Informationen, die zu kritischen Diskussionen gefĂŒhrt haben, im folgenden Jahr nicht mehr enthalten sind. Im HIPC-Umsetzungsbericht betrifft das die ausfĂŒhrliche Beurteilung des Risikos neuer Überschuldung. Im letzten Jahr hatten wir selbst und andere Kampagnen die Bank mit ihren eigenen Zahlen unter Druck gesetzt. Inzwischen sind lĂ€nderbezogene Informationen nur noch unvollstĂ€ndig und im Fließtext versteckt enthalten.

Wichtige Grundinformationen ĂŒber die Entschuldungsinitiativen enthĂ€lt der Text gleichwohl:
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Mehr Schuldendienst durch HIPC-Schuldenerlass

In den meisten LĂ€ndern fĂŒhrt die Beteiligung an der Multilateralen Entschuldungsinitiative (HIPC/MDRI) dazu, dass der laufende Schuldendienst deutlich abgesenkt wird, und im Idealfall so Mittel zur ArmutsbekĂ€mpfung frei werden. In Cote d’Ivoire wird nach dem gerade veröffentlichten VorlĂ€ufigen HIPC-Dokument das Gegenteil passieren:

Der jĂ€hrliche Schuldendienst, der 2005 bei 325 Mio US-$ und 2006 nur noch bei 126 Mio US-$ gelegen hatte, steigt 2009 auf 608 Mio. Bis 2017 ĂŒbersteigt er anschließend die Summe, die ohne HIPC-Schuldenerlass fĂ€llig gewesen wĂ€re. Entsprechend steigt auch die Schuldendienstquote in den Vorhersagen mit Schuldenerlass in der Spitze auf ĂŒber 10%, wĂ€hrend sie ohne Erlass im gleichen Zeitraum durchgĂ€ngig zwischen 5 und 7% gelegen hĂ€tte.

Das Geheimnis dieser ĂŒberaus seltsamen Entschuldungsinitiative liegt in der Bereinigung der z.T. Jahrzehnte alten ZahlungsrĂŒckstĂ€nde des Landes,  v.a. bei den Multilateralen GlĂ€ubigern selbst. Um in den Genuss des HIPC-Erlasses zu kommen, mĂŒssen die SchuldnerlĂ€nder zunĂ€chst alle ZahlungsrĂŒckstĂ€nde bei Weltbank, IWF und Afrikanischer Entwicklungsbank begleichen. Dazu wiederum mĂŒssen sie in der Regel neue Kredite aufnehmen, die dann – weil sie neue, nach dem “Cut-off-date”aufgenommene Schulden sind, vom Erlass ausgenommen sind. In einigen FĂ€llen, wie z.B. Liberia hat das im vergangenen Jahr zu akrobatischen Finanztransaktionen gefĂŒhrt, mit denen neue Kredite gegeben, und dann gleich durch bilaterale BeitrĂ€ge wieder abgelöst wurden.

Im Falle des vergleichsweise “reichen” Cote d’Ivoire” rechnen IWF & Co ungerĂŒhrt mit einer Begleichung der ZahlungsrĂŒckstĂ€nde innerhalb eines relativ kurzen Zeitraums. Erst danach spĂŒrt das Land eine faktische Erleichterung auch beim Schuldendienst.

Cote d’Ivoire wĂ€re gut beraten, sich auf diese seltsame Erleichterung gar nicht erst einzulassen, sondern darauf zu bestehen, dass der Schuldendienst durch die Entschuldung nicht steigen darf. Das allerdings wĂŒrde ein faires Entschuldungsverfahren voraussetzen – und nicht eines, bei dem die “Gutachter” Weltbank und IWF zuallererst ihr eigenes SchĂ€fchen ins Trockene bringen.

Doha-Tagebuch 30.11.08: Nie mehr Schuldenkriiiise, nie mehr, nie mehr…!

Sonntag war Arbeitstag bei der Financing for Development-Konferenz in Doha. Vor unserem eigenen Side-Event zu innovativen Entschuldungsverfahren war ich an gleicher Stelle Panelist beim Schulden-Forum der Weltbank. An einem etwas abgelegenen Ort im Sheraton-Restaurant “Waterhole” mit Blick auf das Meer auf der einen und dem Guinness-Zapfhahn auf der anderen Seite, sollte eine Bilanz der HIPC-Initiative gezogen werden. Nach dem staubtrockenen Vortrag einer IWF-Mitarbeiterin sollten der erfrischend lockere hollĂ€ndische Entwicklungsminister Bert Koenders und ich das Gehörte kommentieren.
Koenders zog, wie sich das fĂŒr jemand gehört, der einerseits mit Sitz und Stimme im Governeursrat der Weltbank hockt, auf der anderen Seite seinen Sinn fĂŒr die RealitĂ€ten nicht verloren hat, eine durchwachsene Bilanz. Meine Aufgabe als einziger frecher NRO’ler im ganzen Programm war natĂŒrlich der heftige Kontrapunkt, der fĂŒr die Herren und Damen aus Washington bei solchen Gelegenheiten inzwischen dazu gehört.
Ich habe mich auf den letzten HIPC-Implementation-Bericht bezogen, und sie gefragt, was eigentlich mit den LĂ€ndern passieren soll, denen Bank und Fonds selbst ein hohes Risiko neuer Überschuldung bescheinigen. Immerhin 13 von 23 entschuldeten HIPCs bewegen sich nach den Berechnungen der Institutionen (unsere Liste ist noch etwas lĂ€nger) von vor der Finanzkrise in diesem Bereich.
Eine Antwort darauf bekamen wir nicht. Alle anderen Redner/innen beschÀftigten sich mit der Frage, wie mit Hilfe des Debt Sustainabality Framework die Kreditaufnahme besser reguliert werden und den vielerorts ziemlich schwachen Buchhaltungen technisch unter die Arme gegriffen werden kann.
Selbst im Vier-Augen-GesprÀch konnte ein höherrangiger Mitarbeiter des IWF sich zu keiner Andeutung durchringen, welchen Plan B man denn wenigstens in der Tasche habe, falls LÀnder von ihrem souverÀnen Recht auf Kreditaufnahme wiederum exzessiv Gebrauch machten (was einige spektakulÀre FÀlle wie die DR Kongo mit China als Kreditgeber bereits tun).
Nein, nein, eine neue Krise werde es bestimmt nicht geben. Und von daher logischerweise auch keinen Grund, sich Gedanken darĂŒber zu machen, was nach HIPC kommt. Auch ein Hinweis auf die lange Überschuldungsgeschichte vieler LĂ€nder, die durch wiederholte Umschuldungen gegangen sind half nicht. Das Ende der Geschichte wurde fĂŒr erreicht erklĂ€rt. Punkt. Am Anfang war ich mir sicher, der Mann will mich verarschen. Nachher nicht mehr.
Mit ziemlich begrenzter Beteiligung ging danach unser eigenes Side-Event zu FTAP ĂŒber die BĂŒhne. Wegen der sich stĂ€ndig verĂ€ndernden Agenda des offiziellen Verhandlungsprozesses waren uns sĂ€mtliche eingeladenen Minister/innen abhanden gekommen. Inhaltlich wurde es trotzdem eine recht anregende Veranstaltung.

Guinea und der Schuldenerlass

Im Jahre 2000 hat das afrikanische Land Guinea den Decision Point unter der HIPC-Initiative erreicht. Das Land, in dem 40 Prozent der Bevölkerung in absoluter Armut leben, bekam damals erste Schulden erlassen. FĂŒr einen umfangreichen Schuldenerlass muss es jedoch weitere ArmutsbekĂ€mpfungsprogramm auflegen, um die Stufe des Completion Points unter der HIPC-Initiative zu erreichen. Seit nunmehr 8 Jahren bemĂŒht sich das Land um die Umsetzung dieser Programme. Ina Zeuch hat fĂŒr epo.de Guine besucht und berichtet von den Problemen mit den Programmen und der Situation der Bevölkerung im Land. Ihren Bericht kann man hier nachlesen.

Barack Obama und illegitime Schulden

Der demokratische US-PrĂ€sidentschaftskandidat Barack Obama will im Falle seiner PrĂ€sidentschaft dem Thema illegitime Schulden eine hohe Gewichtung einrĂ€umen. In seinem Strategiepapier zur „Förderung der globalen Entwicklung und der Demokratie“ legt er sich deutlich fest: „Als PrĂ€sident wird Barack Obama das Thema „odious debts“ (verabscheuungswĂŒrdige Schulden) multilateral angehen und Untersuchungen vorantreiben, wie durch Kreditsanktionen (loan sanctions) Anreize geschaffen werden können, die private Kreditgeber davon abhalten, repressiven und autoritĂ€ren Regimen Geld zu leihen.“

erlassjahr.de hat das Strategiepapier von Obama ausfĂŒhrlich analysiert und als Fachinfo Nr. 18 publiziert. Es kann auf unserer Homepage heruntergeladen werden.

Die Waffen des Diktators Mugabe und die Geschäfte der KfW: Drei Fragen

Die Affaire um das mit Waffen fĂŒr Zimbabwe beladene chinesische Schiff An Yue Jiang wirft nicht nur ein Schlaglicht auf die unappetitliche UnterstĂŒtzung des Diktators durch China. Interessanter noch ist die Frage nach der offenbar gĂ€ngigen GeschĂ€ftspraxis der IPEX, einer Tochter der öffentlichen deutschen Entwicklungsbank KfW.

erlassjahr.de stellt in diesem Zusammenhang die folgenden Fragen:

Erste Frage: Wieso arbeitet die IPEX mit einer Inkassofirma zusammen?
“Commercial Intelligence” ist eine der zahlreichen Firmen, die sich darauf spezialisieren, die Aktiva armer LĂ€nder aufzustöbern, auf die GlĂ€ubiger im Zusammenhang mit kommerziellen Forderungen zugreifen könnten. Das ist ein mĂŒhsames GeschĂ€ft, denn das Eigentum ĂŒberschuldeter Staaten im Ausland beschrĂ€nkt sich im allgemeinen auf diplomatische Liegenschaften, auf die ein Zugriff grundsĂ€tzlich nicht möglich ist.
Im Zusammenhang mit der Praxis so genannter “Geierfonds” sind diese privaten Akteure zunehmend ins Blickfeld der Öffentlichkeit geraten. In der Regel bedienten sich private GlĂ€ubiger solcher Firmen. Formal ist auch die IPEX eine solche private Firma – gleichwohl eine, die sich im Eigentum der öffentlichen KfW befindet, und die sich nach eigenen Angaben den Prinzipien der Nachhaltigkeit verpflichtet weiß. Die Fincial Times Deutschland (FTD vom 23.04.2008) zitiert eine IPEX Sprecherin so: “Damit nehme es nicht nur auf wirtschaftliche und ökologische, sondern auch auf soziale Aspekte RĂŒcksicht”.

Zweite Frage: Warum versucht die IPEX jetzt, ihre AnsprĂŒche durchzusetzen? Zimbabwes Auslandsschulden betrugen bereits Ende 2005 (letzte zur VerfĂŒgung stehende Daten) 132% der Brutto Inland Produktes (BIP) und damit mehr als das Dreifache dessen, was Weltbank und IWF fĂŒr ein noch tragfĂ€higes Schuldenniveau halten. Seither hat sich dieser Indikator vor allem durch den weiteren RĂŒckgang des BIP und die auflaufenden Zinsen auf ZahlungsrĂŒckstĂ€nde weiter verschlechtert – nur weiß niemand um wie viel genau.
Im Bundesministerium fĂŒr wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung wird (richtigerweise) davon ausgegangen, dass Zimbabwe ein Fall fĂŒr eine weitreichende Schuldenstreichung unter der Multilateralen HIPC-Initiative ist, “wenn der Alte erst mal weg ist” (sprich Dikator Mugabe abgesetzt wurde). Ob die eigentlich geschlossene HIPC-Initiative dann noch mal geöffnet wird, oder es zu einer vergleichbaren Streichung in einem ad-hoc-Verfahren kommt: auf jeden Fall wĂŒrden bilaterale kommerzielle Forderungen wie die aus dem deutschen StahlwerkgeschĂ€ft in einem solchen Verfahren weitgehend oder vollstĂ€ndig gestrichen. Da wirkt es befremdlich, dass ein ĂŒberdies indirekt im öffentlichen Besitz befindlicher GlĂ€ubiger gerne noch rausholen will, was zu holen ist, so lange – zum GlĂŒck – der “Alte” noch da ist.

Dritten Frage: Was wĂ€re denn, wenn zum Beispiel Nahrungsmittel fĂŒr die unter Armut und Repression leidende Bevölkerung Zimbabwes auf dem Schiff gewesen wĂ€ren?
Die IPEX hat deutlich gemacht, dass sie sich an den Waffen fĂŒr den Diktator die Finger nicht schmutzig machen will. Nun ist die Darstellung in vielen Medien an einem Punkt nicht ganz korrekt: Internationales Recht gestattet durchaus den Zugriff auf Werte, die hoheitlichen Zwecken dienen – vorausgesetzt, dass der Kreditnehmer im Kreditvertrag ausdrĂŒcklich auf seine souverĂ€ne ImmunitĂ€t verzichtet hat. Das wiederum ist seit den achtziger Jahren routinemĂ€ssig der Fall, in denen Staaten Kredite im Rahmen kommerzieller Transaktionen aufnehmen. Mit Sicherheit enthĂ€lt auch der Vertrag ĂŒber das Stahlwerk in Zimbabwe eine entsprechende Klausel. WĂ€re also tatsĂ€chlich Weizen oder – sagen wir – Lieferungen fĂŒr ein humanitĂ€res Programm einer Nichtregierungsorganisation auf dem Schiff gewesen, hĂ€tten die zwielichtigen Geldeintreiber aus Singapur durchaus Werte fĂŒr die IPEX/KfW sistieren können. Die in der FTD zitierte IPEX-Sprecherin hat ausdrĂŒcklich darauf beharrt, dass man keinesfalls das (politische) Interesse gehabt habe, dem Diktator den Zugang zu seinen Mordwerkzeugen zu entziehen. Vielmehr habe man aus “rein kommerziellen” ErwĂ€gungen gehandelt. Von daher ist davon auszugehen, dass jede Art von kommerziell verwertbarem Hab und Gut tatsĂ€chlich seinen Weg nach Frankfurt statt nach Harare gefunden hĂ€tte. Inwiefern diese Art von Inkasso in einem total verarmten Land “soziale Aspekte berĂŒcksichtigt”, sollte die KfW durchaus mal öffentlich erklĂ€ren.

Fazit:
Es ist offenbar höchste Zeit, dass die zuletzt mit einem FachgesprĂ€ch in der Weltbank und Anfang Juni mit einer Bundestagsanhörung anlaufende Diskussion ĂŒber die IllegitimitĂ€t von Forderungen an manche Diktatoren zu praktischen politischen Schritten fĂŒhrt. Umso wichtiger ist es, dass diese Diskussion auch in der Öffentlichkeit gefĂŒhrt wird. UnterstĂŒtzen Sie deshalb jetzt die Kampagne fĂŒr eine ParlamentariererklĂ€rung!

Pariser Club erlässt Liberia 254 Millionen Dollar Schulden

Wie erwartet hat der Pariser Club beschlossen dem afrikanischen Land Liberia einen Teil seiner Schulden zu erlassen. 254 Millionen US-Dollar wurden erlassen, welche nun in Programme zur Armutsreduzierung in Liberia fliessen sollen. Der Pariser Club reagiert damit auf die AnkĂŒndigung des Internationalen WĂ€hrungsfonds Liberia wieder als regulĂ€res Mitglied aufzunehmen. Zudem hatte Liberia im MĂ€rz den Decision Point im Rahmen der HIPC Initiative erreicht. Gleichzeitig hat die US-Regierung angekĂŒndigt Liberias komplette bilaterale Schulden in Höhe von 430 Millionen US-Dollar zu erlassen. Die USA wollen so den wirtschaftlichen und politischen Wandel des Landes unterstĂŒtzen, der unter der PrĂ€sidentin Ellen Johnson-Sirleaf eingeleitet worden ist.

Liberia wieder reguläres Mitglied des IWF

Der internationale WĂ€hrungsfonds (IWF) hat Liberia nach 20 Jahren wieder in den Kreis seiner regulĂ€ren Mitglieder aufgenommen. Vorausgegangen war eine Finanzierung in Höhe von 900 Millionen US-Dollar, die der IWF Liberia zur VerfĂŒgung gestellt hat, die das Land nun nutzen kann um seine ZahlungsrĂŒckstĂ€nde beim Fonds zu bezahlen. Das ganze letzte Jahr hindurch war die Aufnahme des Landes in die HIPC-Initiative an bĂŒrokratischen HĂŒrden innerhalb des IWF beim Abbau der seit zwanzig Jahren uneintreibbaren  RĂŒckstĂ€nde des westafrikanischen Landes gescheitert. Ein Teil der 900 Millionen Dollar sollen auch fĂŒr Programme zur Armutsreduzierung und fĂŒr wirtschaftlichen Wachstum eingesetzt werden.