“Wir wollen uns nicht den gleichen Film immer wieder ansehen – der war eh’ Mist.”

Auf diese Formel brachte der StaatssekretĂ€r im Grenadinischen Finanzministerium, Timothy Antoine, das BemĂŒhen seines Landes um eine neuartige und umfassende Entschuldung: Der Pazifische Tsunami hat seinerzeit 20% des BIP der betroffenen LĂ€nder vernichtet, Hurrikan Katrina 2% des BIP der USA. Grenada hat durch den Hurrikan Ivan an einem Nachmittag 200% verloren. Seine Schulden liegen jetzt ĂŒber 110% des BIP; da sollte keiner eine kleine Schuldendiensterleichterung von ein paar Prozentpunkten ĂŒber die nĂ€chsten paar Jahre vorschlagen. Das hatten wir schon in 2005, und das hilft jetzt nicht. Wir brauchen einen Schuldenschnitt.

13-10-14-WAS-GRE
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Bei der Podiumsdiskussion von erlassjahr.de, EURODAD und der Friedrich-Ebert-Stiftung im Rahmen der IWF-Weltbank-Jahrestagung zeigten Mathew Martin von  Debt Relief International und Gail Hurley von UNDP dass Grenada gut beraten ist, bei seiner klaren Haltung zu bleiben: Die spĂ€ter unter der HIPC-Initiative entschuldeten LĂ€nder waren in den 80er-Jahren auf eine endlose Umschuldungstour in den Pariser Club geschickt worden. Und Granda’s karibischer Nachbar Jamaica hatte jĂŒngst zwei Mal versucht, durch eine Teil-Umschuldung nur seiner heimischen Staatsschulden wieder Luft zu bekommen – beide Male vergeblich.

Am Wochenende hatte Grenada’s Wirtschaftsminister in einem Beitrag fĂŒr den Guardian deutlich gemacht, dass eine Entscheidung ĂŒber Schuldenerlass von Grenada auf eine unabhĂ€ngige Analyse der SchuldentragfĂ€higkeit bauen muss, und dass das beste Format dafĂŒr eine GlĂ€ubigerkonferenz in Grenada selbst wĂ€re. Beides sind SchlĂŒsselelemente des von erlassjahr.de seit langem geforderten fairen und transparenten Staateninsolvenzverfahrens.

Zusammen mit JubileeUSA, UNDP und Debt Relief International unterstĂŒtzt erlassjahr.de nun die Organisation einer solchen Konferenz. Viel Zeit gibt es dafĂŒr allerdings nicht: Im Dezember muss Grenada seinen Haushalt 2014 verabschiedet haben. Das wird nicht ohne Finanzierung aus dem IWF möglich sein. Und die wiederum setzt eine Einigung ĂŒber Umfang und Gestaltung eines Schuldenschnitts voraus.