Schuldentragfähigkeit in einem kleinen Land. Wer den Schaden hat, braucht für den Spott des IWF nicht zu sorgen.

Im vergangenen Jahr hatte eine SchuldentragfĂ€higkeitsanalyse des IWF einen vollkommen unzureichenden Schuldenerlass fĂŒr Griechenland als ausreichend legitimiert. In diesen Tagen erleben wir, wie sich alle Annahmen des Fonds und seiner Troika-Kollegen in Luft auflösen, und Griechenland nach dem “Schuldenerlass” wieder zum heißen Kandidaten fĂŒr eine Staatspleite wird.

Es fĂ€llt schwer, zu schrieben, dass die Griechen eigentlich noch gut davon gekommen sind. Aber so ist es. Wie der IWF mit Ă€rmeren und weniger spektakulĂ€ren Schuldenern umgeht zeigt die jĂŒngste TragfĂ€higkeitsanalyse fĂŒr das kleine westafrikanische Gambia:

Das Land war 2007 unter der HIPC/MDRI-Initiative entschuldet worden, hatte aber die danach im Rahmen des Debt Sustainability Framework vom IWF definierte TragfĂ€higkeitsgrenze von 100% Barwert der Gesamtverschuldung im VerhĂ€ltnis zu den jĂ€hrlichen Exporteinnahmen niemals erreicht. Bis 2012 kletterte die Verschuldung wiederum auf 199%, um danach kontinuierlich abzunehmen. Die Indikatoren nehmen immer ab in den Vorhersagen des IWF, weil in dessen Modellrechnungen LĂ€nder sich an die unfehlbar segensreichen Vorgaben des Fonds minutiös halten werden, und ĂŒberhaupt alles besser wird.

In der Wirklichkeit ist bislang noch niemals alles besser geworden, und der Fonds wĂŒrde große Schwierigkeiten haben, ein einziges Land zu finden, fĂŒr dessen Schuldenstand heute die Vorhersagen von – sagen wir mal – 2007 der RealitĂ€t entsprechen.

Immerhin rĂ€umen die RechenkĂŒnstler aus Washington ein, dass nach dem Baseline-Szenario Gambia’s Auslandsschulden bis zum Ende des doch recht langen Vorhersage-Zeitraums im Jahr 2031 nicht auf das tragfĂ€hige Niveau von 100% fallen werden.

Allerdings – und da wird es dann wirklich lustig – weist eine kleine Fussnote auf S.5 des Dokuments darauf hin, dass nach 2031 ein wirklich tragfĂ€higes Niveau erreicht sein wird.

Also, liebe Gambier: Haltet einfach noch schlappe 19 Jahre durch, lasst Euch nicht dadurch entmutigen, dass der eine fehlende Streichung dieser untragbaren Schulden nach einer vom IWF veröffentlichten Studie Euch noch knapp zwei verlorene Entwicklungsjahrzehnte mit schwachem Wachstum infolge eines ĂŒbermĂ€ĂŸigen Schuldendienstes einbringen wird. Am Ende wird die Sonne ĂŒber Euch aufgehen.

Sofern Ihr dann noch lebt.